PCR-Tests dürfen inzwischen auch von Hausärzten, Apothekern und Schwerpunktpraxen durchgeführt werden. (Symbolfoto) Foto: Balk

Welcher Landkreis testet wie viel auf das Coronavirus? Und hängen regionale Unterschiede bei den Infektionszahlen mit der Anzahl an Tests zusammen? Diese Fragen kann niemand beantworten. Praxen, Ärzte und Co. melden den Gesundheitsämtern nämlich gar nicht, wie viele Tests durchgeführt werden.

Oberndorf - Wir haben bei den Landratsämtern in unserem Verbreitungsgebiet nachgefragt, wie viele PCR-Tests in den vergangenen Wochen durchgeführt wurden."Leider können wir Ihnen diese Statistik nicht liefern", heißt es aus dem Kreis Freudenstadt. Und auch dem Landratsamt des Schwarzwald-Baar-Kreises liegen "zu den durchgeführten PCR-Tests im gesamten Kreisgebiet keine Zahlen vor". Den anderen Ämtern geht es genauso.

 

Seit die PCR-Tests theoretisch jede Hausarztpraxis durchführen darf, ist die Erfassung komplizierter geworden. Grund sind die vielen verschiedenen Teststellen, erklärt das Landratsamt in Balingen: "Im Zollernalbkreis werden zentral in der Corona-Schwerpunktambulanz (CSA) in Balingen Personen getestet (rund 300 Abstriche in der Woche). Hinzu kommen noch elf Corona-Schwerpunktpraxen, weitere Haus- und Kinderärzte, Apotheken und Schnelltestzentren." Die Landratsämter bekommen keine Information, wie viele Tests in den Schwerpunktpraxen, Apotheken oder Hausarztpraxen vorgenommen werden, heißt es weiter. Die Tests, die nicht in einem Testzentrum des Landratsamtes durchgeführt werden, würden selbstverantwortlich ins Labor geschickt und lediglich die positiven Testergebnisse dem jeweiligen Gesundheitsamt gemeldet. Somit tauchen auch nur diese in der Statistik auf.

Zahlen liegen erst Monate später vor

Alle Teststellen in Baden-Württemberg müssen ihre Abrechnungen über die Kassenärztliche Vereinigung (KVBW) vornehmen. Spätestens hier müssten also die Zahlen der durchgeführten PCR-Tests zusammenkommen. Pressesprecher Kai Sonntag erklärt: "Wir können die Zahl vorgenommener PCR-Tests aus den Abrechnungsdaten entnehmen. Die bekommen wir aber immer erst am Anfang eines Quartals für das letzte Quartal. Und dann dauert es einige Wochen, bis die Abrechnung durchgelaufen ist." 

Zur Frage, ob eine schwankende Anzahl an Tests für unterschiedliche Inzidenzen verantwortlich ist, kann Sonntag nichts genaues sagen. Er merkt jedoch an: "Natürlich schwanken die Zahlen der PCR-Tests. Das Infektionsgeschehen ist ja auch nicht stabil. Lockdown-Maßnahmen wirken sich natürlich auch auf PCR-Tests aus. Und dann spielen die Schnelltests eine Rolle, die dann sicherlich teilweise auch frühere PCR-Tests ersetzen." 

Für das ganze Land gibt es Zahlen

Indes liegt dem baden-württembergischen Landesgesundheitsamt nur die Gesamtzahl der PCR-Tests vor - ohne Aufschlüsselung nach Landkreisen. Der Grund? "Man kann beispielsweise ja auch zu einem Arzt/einer Teststation in einem anderen Landkreis gehen, der die Proben wiederum an ein Labor in einem anderen Landkreis schickt", heißt es von Seiten des Ministeriums für Soziales und Integration.

Fakt ist also, dass niemand so genau weiß, wie viele Tests vor einem lokalen Anstieg der Inzidenzen in einem bestimmten Landkreis durchgeführt wurden. Die genauen Zahlen, aufgeschlüsselt nach Landkreisen, liegen der KVBW erst Monate später vor - und geben auch dann noch keinen Aufschluss darüber, wo die getesteten Menschen wohnen.

Info: Zahl der PCR-Tests in ganz Baden-Württemberg

In ganz Baden-Württemberg wurden vom 1. bis 28. März über 579.000 Tests durchgeführt. Die Zahl der Tests stieg in diesem Zeitraum wöchentlich um rund neun Prozent und auch die Positivrate stieg von 7,7 Prozent (KW 9) auf 11 Prozent (KW 12). Insgesamt waren in den vier Wochen 54.328 Tests positiv, was rund 9,4 Prozent entspricht. Die Testkapazität lag im Durchschnitt zwischen 34.910 und 32.910 Tests täglich, die Auslastung bei durchschnittlich 72 Prozent.