Der Ortschaftsrat von Killer bei einer Besichtigung im September 2009 in der Hofstättstraße. Jetzt kommen von Bürgern Vorwürfe über zu wenig Tranzparenz bei den Beschlüssen. Foto: Rapthel-Kieser

Der Ortschaftsrat Killer will mitten im Ort ein neues Baugebiet ausweisen. Auf der Streuobstwiese an der Hofstättstraße. Angesichts von noch 35 unbebauten Bauplätzen in dem Ort regt sich jetzt Kritik. Anlieger schrieben an die Fraktionsvorsitzenden und bis nach Stuttgart. Der Kommentar dazu von Erika Rapthel-Kieser. 

Burladingen-Killer - Die Diskussion, die die Hof­stätt-Gegner im Killertal da angestoßen haben, ist längst überfällig. Und sie ist nicht nur für Burladingen und seine Teilorte wichtig, sondern für die ganze Bundesrepublik.

Das Recht auf Spekulationsgewinne, welches sich Privatleute oder ganze Immobilien-Konsortien durch einmal erworbene Grundstücke oder Häuser sichern wollen: Es beherrscht nicht umsonst die Schlagzeilen und Nachrichten in den Medien. Jüngstes Beispiel sind die Fusionspläne von Vonovia und Deutsche Wohnen, die nicht nur in Berlin heiß diskutiert werden. Sie stoßen beim SPD- Bürgermeister zwar auf Freude, bei Mietern aber auf Skepsis, und deswegen formiert sich bereits Widerstand.

"Nur für 500 Euro pro Quadratmeter"

Dabei muss man gar nicht in die Bundeshauptstadt abschweifen, um manchmal Geschichten zu finden, die bei manchen Menschen Stirnrunzeln hervorrufen. "Man verkauft doch keinen Grund", sagte die über 80-Jährige ihrem 50-jährigen Sohn, als der im Zollernalbkreis ansässige Häuslebesitzer ein Kaufangebot seines Nachbarn für ein kleines, ganz am Rand seines Grundstücks liegendes Teilstücks erhielt.

Oder die Geschichte des jungen Melchinger Familienvaters, der sich bei einem Dorfbewohner erkundigte, ob er ihm denn für einen Neubau sein seit Jahrzehnten unbebautes Grundstück verkaufen würde. "Nur für 500 Euro pro Quadratmeter, es wird doch immer mehr wert!" bekam er zur Antwort.

Bitter ist das nicht nur für Bauplatzsuchende. Sondern auch für so manche Orts- und Stadtverwaltung. "Wir haben derzeit kein politisches Mittel, jene Menschen, die Grundstücke vor Jahren ohne Bauzwang erworben haben, zum Verkauf zu bewegen", bedauert ein Burladinger Ortsvorsteher. Auch in seinem Ortsteil gibt es noch unbebaute Grundstücke in privater Hand oder alte Häuser, die Eigner nicht verkaufen wollen, weil sie zu hohe Preisvorstellungen haben. Und in so manchem Bauhof rauft man sich die Haare, wenn man Winterdienst vor leeren, aber eben schon erschlossenen Grundstücken machen muss.

Hohe Personalkosten

Andererseits: In Stadtverwaltungen kostet es ein Heidengeld, auf dem Bauamt Mitarbeiter zu beschäftigen, die Jahr für Jahr Bebauungspläne für Neubaugebiete entwerfen, betreuen, verwalten und vorstellen müssen. Personalkosten die viele Städte, auch Burladingen, vor allem nach der Corona-Krise kaum mehr werden aufbringen können.

Vollends skurril wird es dann, wenn ein privater Berater – aus kommunaler Tasche bezahlt – den Ortschaftsräten erklärt, wie sie die Wünsche des Regierungspräsidiums nach verdichteter Bebauung abschmettern können und wie sie dabei argumentieren müssen. Einfamilienhäuser mit Einliegerwohnung sind verdichtet genug. Dabei bräuchten wir längst seniorengerechtes, barrierefreies Bauen von Wohungen und Mehrgenerationenhäusern – auch in den Stadtteilen auf dem Land.

Nur: Die meisten Bebauungspläne geben das zur Zeit gar nicht her. Auch, weil sich Wohnbaugenossenschaften lieber in den lukrativeren Mittelzentren tummeln als hinaus zu gehen in die Ortsteile. Dafür scheint es bislang kaum Zuschüsse zu geben.

Dass Killers Hofstätt-Pläne mindestens für dieses Jahr deshalb auf Eis liegen, wundert da eigentlich nicht. Und ob der Hilferuf einiger Dorfbewohner bei der Politik und den Entscheidungsträgern auf offene Ohren stößt – das werden wohl erst die nächsten Jahre zeigen.

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