Das AfD-Kreisbüro wurde erneut das Ziel eines Angriffs. Foto: KV SBK

Mit Hammer, Ukulele und „Death Note“ schlägt ein Mann nachts im Bademantel das AfD-Büro in Villingen ein. Die Polizei greift schnell ein – doch die Motive bleiben rätselhaft.

Die Szene muss einigermaßen makaber gewesen sein: Es ist die Nacht auf Mittwoch, 26. November, um 23.30 Uhr. In der Färberstraße in Villingen taucht ein Mann auf, im Bademantel und mit Handschuhen, wie AfD-Sprecher Martin Rothweiler es schildert.

 

Und dann artet die Situation offenbar vollends aus.

Der Mann zückt einen Hammer und schlägt mit voller Wucht die Schaufensterscheibe des AfD-Kreisbüros ein.

Plötzlich kommt ein Hammer ins Spiel

Glas geht zu Bruch, Scherben prasseln klirrend zu Boden. Doch damit nicht genug: Der Bademantel-Täter hat eine Konzert-Ukulele bei sich und schmeißt sie in den Innenraum des Büros. Mit dabei: Nachrichten mit dem Titel „Death Note“ sowie ein Notizbuch mit japanischen Schriftzeichen und Kurztexten.

Scherben und Splitter liegen als Spuren des Einbruchs auf dem Boden. Foto: KV SBK

Die Polizei ist alarmiert und fasste den Vandalen schnell, wie AfD-Sprecher Martin Rothweiler im Nachgang im Gespräch mit unserer Redaktion berichtet. Als er selbst zum Tatort geeilt war, sei der Täter schon weg gewesen – die Polizei habe schon eingegriffen gehabt und gerade Spuren gesichert.

Polizei bestätigt Vorfall

Die Pressestelle des Polizeipräsidiums in Konstanz bestätigt den Vorfall auf Nachfrage, und wollte sich im Laufe des Mittwochs noch näher zu den Einzelheiten äußern. Später schildert Polizeisprecherin Katrin Rosenthal, wie die Polizei per Anruf von einem Zeugen informiert worden und die Fahnung direkt eingeleitet worden sei. Mit Erfolg: Ein 21-jähriger Tatverdächtiger, der mit einem Fahrrad geflüchtet sei, ging dabei der Polizei ins Netz, und gab an, unter dem Einfluss von Betäubungsmitteln gestanden zu haben. Vor Ort fanden die Beamten auch das Instrument des jungen Mannes - während AfD-Sprecher Rothweiler darin eine Ukulele sieht, taucht dieses im Polizeibericht allerdings als "Gitarre" auf. Und auch von der Deathnote und einem Notizbüchlein, welche die AfD fotografiert hat, ist in der Mitteilung der Polizei nicht die Rede. 

So oder so: Martin Rothweiler, der 47-jährige AfD-Direktkandidat bei der Landtagswahl 2026 im Wahlkreis Villingen-Schwenningen, zeigte sich erschüttert ob des „besonders massiven“ Angriffs inklusive „Todesdrohungen“.

Diese „Deathnote“ ließ der Angreifer, eingespannt in die Saiten einer Ukulele, als makabren Gruß an die AfD zurück. Foto: KV SBK

Bereits zum vierten Mal sei das AfD-Kreisbüro damit zum Ziel eines Angriffs geworden. Wer dahintersteckt? Er selbst habe keine Idee, so Rothweiler, „ein paar Indizien“ ließen ihn aber auf einen Täter aus dem „linken Spektrum“ tippen. Der Tathergang lasse sich aufgrund einer Kameraüberwachung recht gut nachvollziehen – anders sieht das mit den Beweggründen des Mannes aus.

Rothweiler tippt auf linkes Spektrum

Eine besonders stimmungsgeladene Veranstaltung oder ähnliches habe unlängst nicht stattgefunden, so Rothweiler auf die Frage, was genau den Bademantel-Vandalen gereizt haben könnte. Aber: „Ich habe im Moment eine besondere mediale Abdeckung, dadurch dass ich als Fraktionsvorsitzender ins Rennen gebracht werde“ – das ist Martin Rothweiler sehr bewusst. Der AfD-Landeschef Markus Frohnmaier hatte unlängst gegenüber der Deutschen Presse-Agentur gesagt, er wolle sich dafür einsetzen, dass Rothweiler nach der Landtagswahl am 8. März zum Fraktionschef im Landesparlament gewählt werde. Möglicherweise also könnte der Ukulelen-Anschlag in Villingen auch ihm direkt gegolten habe. Dafür spräche, dass der Attentäter offenbar direkt auf sein Konterfei gezielt haben muss – an der Stelle, wo Rothweilers Bild als Schaufenster-Beklebung prangen sollte, klafft nun inmitten des Bildes ein Loch in der Scheibe.

Schon beinahe in Übung

Dass es im Vorfeld der Wahl zu Übergriffen kommt, damit habe er ehrlicherweise schon gerechnet, so Rothweiler und erinnert an seine eigenen in der Vergangenheit von Vandalen zerstochenen Autoreifen sowie die aufgeschlitzte Plane an einem Anhänger vor dem Zuhause des VS-Stadtrats Sebastian van Ryt aus den Reihen der AfD.

Und auch durch den neuerlichen Anschlag auf das AfD-Kreisbüro haben die Alternativen in VS schon beinahe so etwas wie Übung im Umgang mit solchen Vorkommnissen. Im August beispielsweise wurde ein Farbanschlag auf das neue AfD-Kreisbüro verübt – der Staatsschutz ermittelte.

Rothweiler hofft nach dem neuerlichen Vorfall nun auf die Ermittlungsarbeit der Polizei, die bereits „strafrechtliche Maßnahmen“ eingeleitet habe, so der AfD-Sprecher. Im Polizeibericht ist später zu lesen, der Mann sei wieder auf freiem Fuß und ihn erwarte eine Anzeige wegen Sachbeschädigung. Rothweiler indes betont: „Die AfD verurteilt diese Tat auf das Schärfste und appelliert, zum wiederholten Male, für einen fairen, gewaltfreien und vom inhaltlichen Diskurs geleiteten Wahlkampf.“