Ständiger Lärm und Krach von ausgelassenen Partys und nun auch noch frei herumlaufende nackte Personen. Das Ärgernis im Langenbach- und Stockhofweg nimmt kein Ende.
Seit rund sieben Jahren müssen die Anlieger des Langenbach- und Stockhofwegs an nahezu jedem Wochenende Lärm und Geschrei von feiernden Gruppen bis weit nach Mitternacht ertragen. Von der Polizei und Bürgermeister Bernd Heinzelmann fühlen sie sich im Stich gelassen. Ihnen und dem Landratsamt Rottweil werfen sie Hinhaltetaktik vor, sich den Schwarzen Peter gegenseitig zuzuschieben und zu wenig dagegen vorzugehen.
Begonnen hat es mit der Lärmbelästigung laut den gestressten Anliegerfamilien Hagnberger, Schmidtke und Marschalleck bereits im Jahr 2017, als ein Schenkenzeller Unternehmer sein in ihrer Nachbarschaft stehendes Schwarzwald-Blockhaus und dann verstärkt in der Corona-Pandemie an Gruppen vermietete, die dort ausufernde Partys wie Junggesellenabschiede feiern. Die Anlieger zweifeln die dafür erforderliche Nutzungsänderung an, da der Bau der Blockhütte als Seminarhaus genehmigt worden sei. Anrufe und Beschwerden beim Polizeirevier Schramberg und bei der Gemeindeverwaltung hätten nur kurzfristige Besserung gebracht, so die Anwohner.
Auch Saunagänger machen Probleme
Inzwischen ist noch das ehemalige Gasthaus Schlössle als Dreh- und Angelpunkt hinzugekommen. Vor allem, seit der Eigentümer – es handelt sich um den gleichen wie beim Blockhaus – die Gaststätte zu einer Event-Location umgestaltete und sie ebenfalls an feiernde Gruppen vermietet. Hinzu kam noch eine auf dem Gasthaus-Parkplatz aufgestellte Sauna auf Rädern. So kommt es jetzt öfters vor, dass saunierende nackte Personen auf dem Rad- und Spazierweg und öffentlichen Straße herumlaufen, singen und schreien, ehe sie zum Duschen in die Gaststätte gehen.
„Vorher hat es mit dem Gasthaus nie Probleme gegeben. Da war gegen 23 Uhr Schluss“, erinnert sich Michael Hagnberger. Als seine empörte Frau Fotos von nackten Männern machte und der Polizei in Schramberg als Beweis vorlegte, um Anzeige zu erstatten, erhielt sie dort die Aussage, „dann schauen Sie halt weg, wenn Sie das stört“. Die Anzeige sei abgelehnt worden mit dem Hinweis, sich bei der Gemeinde zu beschweren. „Wenn wir wegen dem Lärm bei der Polizei anrufen, kommt sie mit einem Streifenwagen und fährt bis zur Blockhütte. Zu diesem Zeitpunkt ist dann mal kurz Ruhe. Wenn die Polizei weg ist, geht es wieder los“, schildert Hagnberger.
Mit Nacktbildern im Rathaus
Mit den Nacktbildern sei er bei Bürgermeister Heinzelmann im Rathaus gewesen. Der habe aber bedauert, dass er da nichts machen könne. Er, Hagnberger, müsse bei der Polizei Anzeige erstatten. „So schieben sie sich den Schwarzen Peter hin und her“, rügen die Anwohner. Was sie zudem gewaltig stört: „Im Sommer werden auf der Straße Saufspiele veranstaltet. Da können wir Anwohner nicht mal mit dem Auto an unsere Häuser fahren. Blöd ist außerdem, wenn sechsjährige Kinder die Sauflieder von Malle auswendig kennen“.
An Schlaf sei kaum zu denken
Öfters dauere die unerträgliche Ruhestörung bis nachts um drei Uhr. An Schlaf sei da kaum zu denken, da sie in der heißen Jahreszeit die Fenster nicht schließen könnten. Von 22 Uhr bis 6 Uhr gebe es die gesetzliche Nachtruhe, die aber nicht eingehalten werde. „Das gilt auch auf einem Campingplatz. Wer sie nicht einhält, bekommt beim ersten Verstoß einen Verweis, beim zweiten Mal muss er abreisen“, verweist Hagnberger auf klare Regeln. Um konkrete Beweise vorlegen zu können, hat er sich ein Schallpegelmessgerät beschafft. Es gebe feiernde Gruppen, die wüssten von dem Clinch mit den Anwohnern schon vor Antritt und provozierten dann bewusst. Der krönende Abschluss erfolge dann am Sonntagvormittag mit lautem Hupen bei der Abreise.