Zur Pflege und Betreuung der Patienten fehlt Personal. Foto: pikselstock – stock.adobe.com

Was ist los an der Helios-Klinik in Rottweil? Nach klaren Worten von Mitarbeitern und dem DRK-Betriebsratsvorsitzenden zur prekären Personallage haben wir die Klinik erneut um Stellungnahme gebeten. Und es gibt weitere Stimmen.

Kreis Rottweil - Seit Michael Török im Gespräch mit unserer Redaktion seinem Ärger über die Situation an der Klinik Luft gemacht hat, steht sein Telefon nicht mehr still. Der DRK-Betriebsratsvorsitzende und Notfallsanitäter erhält viel Zuspruch von aktuellen und ehemaligen Helios-Mitarbeitern, die angesichts der stetigen Personalknappheit bereits die Reißleine gezogen haben.

 

Helios verspricht interne Aufarbeitung

Sie danken ihm für seine klaren Worte. Es sei wichtig, dass die Aussagen der Helios-Klinik ins rechte Licht gerückt wurden, so der Tenor.

Die Klinik hatte vergangene Woche von einer stabilen Personallage berichtet und alles recht entspannt dargestellt. Ganz so sei es nicht gemeint gewesen, sagt jetzt Klinik-Geschäftsführer Tobias Grundmann, der am Freitag auf unsere erneute Bitte um Stellungnahme antwortet.

Resonanz wird ernst genommen

Er betont: "Wir nehmen die Resonanz unserer Mitarbeiter sehr ernst und werden diese intern aufarbeiten." Zudem sagt er in Bezug auf das Statement der Klinik vergangene Woche: "Zum Zeitpunkt ihrer Anfrage waren die Personalausfälle noch kompensierbar, so dass wir trotz angespannter Lage keine wesentlichen Einschränkungen vornehmen mussten. Über das Wochenende haben wir weitere größere Personalausfälle verzeichnet, die wir nicht unmittelbar kompensieren konnten und daher unsere stationäre Aufnahmekapazität angepasst und mit einigen Patienten, die geplante, aber verschiebbare Operationen bei uns durchführen möchten, spätere Termine vereinbart."

Während also Mitarbeiter und DRK-Betriebsratsvorsitzender berichten, dass die Personalknappheit seit längerem Einschränkungen und Probleme bringt, sieht der Klinik-Geschäftsführer darin eine eher kurzfristig aufgetretene Entwicklung.

Personal nicht über Gebühr belasten

Grundmann sagt weiter: "Unser Ziel ist dabei stets, eine adäquate Patientenversorgung zu gewährleisten und auf der anderen Seite unser Personal nicht über Gebühr zu belasten. Mit der Rettungsleitstelle sowie dem Geschäftsführer des DRK stehen wir in ständigem Kontakt zu unserer Aufnahmekapazität und Optionen bei Belastungsspitzen. Stets gewährleistet ist die Notfall-Versorgung."

Zur Abmeldung der Patientenaufnahme nimmt er wie folgt Stellung: "Wir müssen gelegentlich unseren Schockraum, also die Versorgung von Schwerstverletzten, abmelden und zwar immer dann, wenn der Schockraum oder alle verfügbaren Intensivbetten belegt sind. Wir melden uns jedoch nicht von der Erstversorgung ab."

Grundmann spricht von möglichem Missverständnis

Zudem wolle er ein mögliches Missverständnis aufklären, so der Klinik-Geschäftsführer: "Wenn wir sagen, unsere Personalsituation ist stabil, meint dies nicht, dass wir keine Ausfälle haben und alle Stellen besetzt sind. Gemeint ist, dass wir in der Lage sind, eine stabile Patientenversorgung vorzuhalten. Vor dem Hintergrund des allgemeinen Fachkräftemangels und der Covid-Sommerwelle ist dies nur durch die hohe Einsatzbereitschaft und Flexibilität unserer Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen möglich, wofür wir ausdrücklichen Dank aussprechen."

Kurz vor OP wieder heimgeschickt

Auch eine Patientin aus Rottweil, die sich bei unserer Redaktion meldet, hat Verständnis dafür, dass bei Personalknappheit nicht alles möglich ist. Kein Verständnis habe sie aber dafür, dass die Klinik nicht mit offenen Karten spielt. "Die sollten dann einfach ehrlich sein", sagt sie. Die 78-Jährige hatte eine sehnlichst erwartete Operation vor sich. Zuvor war sie vergangene Woche zu einem Arzttermin in die Klinik einbestellt. Nach zwei Stunden Wartezeit sei sie wieder heimgeschickt worden. Der Arzt sei nicht da. Zwei Tage später nahm sie den beschwerlichen Weg erneut auf sich. Der OP-Termin wurde dann auf diese Woche festgelegt.

Am Tag davor habe sie wie verordnet Abführmittel genommen und sich auf einen mehrtägigen Krankenhausaufenthalt vorbereitet. Nach langer Wartezeit wurde Blutdruck gemessen, "einen Armbändel hab ich auch bekommen." Dann sei plötzlich jemand gekommen der ihr eröffnete: "Die Operation ist abgesagt, wir haben zu wenig Personal."

Mit dem Taxi sei sie dann wieder nach Hause gefahren. "Für August habe ich jetzt einen neuen OP-Termin", berichtet die Seniorin. Die Beschwerden plagen sie so lange weiter. Dem Personal macht sie keinen Vorwurf. "Die sollten halt mal anständig bezahlt werden", ärgert sie sich.

Erschütternde Geschichte eines jungen Paares

Ein junges Paar, das sich auf Nachwuchs gefreut hatte, berichtet uns zudem erschüttert von vielen verzweifelten Versuchen, in der Klinik aufgrund von gesundheitlichen Problemen der werdenden Mutter einen Termin zur Geburtseinleitung zu bekommen. Man sei vertröstet worden, bis es schließlich zu einem sehr tragischen Ende kam: Das ungeborene Kind verstarb. Die Schuldfrage sei freilich schwer zu beweisen, wissen sie. Von einem Rechtsstreit sei ihnen abgeraten worden. "Es läuft da alles andere als rund", sagen sie. Ohne den eklatanten Personalmangel, da sind sie sich sicher, sei ihr Schicksal anders verlaufen.