Das SRH-Personalwohnheim muss abgerissen werden. Die Schönstatt-Schwestern brauchen eine neue Bleibe. Foto: Reimer

Im Oberndorfer Krankenhaus leisten sie seit Jahrzehnten Beistand und Hilfe – und jetzt das: Die Schönstatt-Schwestern müssen aus dem Krankenhaus-Wohnheim ausziehen. Und zwar recht kurzfristig. Manch einer spricht von "Rauswurf".

Oberndorf - Das gibt es heutzutage selten in einem Krankenhaus: In all der Hektik des Alltag ist da jemand, der Zeit hat. Der zuhört, der lange bei Patienten am Bett sitzt, jene besucht, die vielleicht keine Angehörigen haben – und auch Sterbende auf ihrem letzten Weg begleitet. All das leisten die Schönstatt-Schwestern, die seit mehr als 50 Jahren im Krankenhaus wirken und auf dem Krankenhausgelände wohnen. Doch damit soll jetzt Schluss sein. Andor Toth, Geschäftsführer des SRH-Krankenhauses, so ist zu hören, habe die Marienschwestern des Schönstatt-Ordens gebeten, sich eine neue Bleibe zu suchen. Und zwar schon bis März.

 

Wo sollen die Schwestern hin?

Vier Schwestern, zwischen 75 und 85 Jahren alt, leben noch im Wohnheim und leisten täglich ihren segensreichen Dienst im SRH-Krankenhaus. Dass sie plötzlich gehen müssen, kommt für sie unerwartet. Und in Oberndorf, wo sie hohes Ansehen genießen, macht sich Unruhe breit. Werden die Schwestern rausgeworfen? Und wo sollen sie innerhalb so kurzer Zeit unterkommen? Eine Fristverlängerung, so heißt es, habe Toth abgelehnt.

Wohnheim soll abgerissen werden

Wir fragen den SRH-Geschäftsführer was er dazu sagt – und warum die Schwestern überhaupt ausziehen müssen? Andor Toth erklärt, dass das Personalwohnheim, in dem die Schwestern wohnen, abgerissen werden müsse. "Unter anderem tritt Regen über das Dach ein, und es gibt Schimmelbildung in Wänden." Er habe die Schwestern schon im September davon unterrichtet – und es sei darüber gesprochen worden, dass sie vielleicht eine Wohnung in der Stadt in Aussicht hätten. Vor Weihnachten habe man "den Auszug Ende März 2023 vereinbart".

Pfarrer Martin Schwer von der Oberndorfer Seelsorgeeinheit zeigt sich erstaunt über den Vorgang. Klar ist für ihn: "Die Schwestern sind im Krankenhaus prägend gewesen und haben einen festen Platz in Oberndorf." Bei den Patienten würden sie hoch geschätzt für ihren hilfreichen und tröstenden Dienst – und das seit Generationen. Bei ihrer Suche nach einer neuen Bleibe wolle man sie natürlich unterstützen und halte die Augen offen. Dennoch sei aufgrund des Alters der Schwestern nicht jede Wohnung geeignet. Und eine Nähe zur Kirche und zum Krankenhaus sollte doch auch gegeben sein.

Bitte um Verlängerung abgelehnt

Oder will man sie dort gar nicht mehr? Eine Bitte um Verlängerung der Auszugsfrist sei abgelehnt worden. Auf die Frage, ob das stimmt, sagt Andor Toth, man habe im Januar mit der Oberin des Ordens Kontakt aufgenommen, um die Lage zu besprechen. Die mögliche neue Wohnung in Oberndorf sei daraufhin nur vage bestätigt worden. "Sie bat um eine Verlängerung des Aufenthaltes, dem wir zusagten", meint er. Der Stand der Schwestern und der Kirchengemeinde ist jedenfalls, dass der Auszug im März erfolgen muss. Toth sagt: "Uns ist vollkommen klar, dass die Schwestern eine neue Bleibe benötigen, und wir unterstützen hier selbstverständlich nach Kräften."

Wo bleibt die Wertschätzung?

Und was sagt er zum Vorwurf, das Ganze zeuge nicht gerade von Wertschätzung für den Dienst der Marienschwestern? Toth erklärt: "Wir sind selbsterklärend sehr dankbar für den Einsatz, die Hingabe und das Engagement der – teils betagten – Schwestern. Und natürlich suchen wir eine gute Lösung für diese schwierige Situation."

Das hofft auch Diakon Thomas Brehm, der für die Krankenhausseelsorge zuständig ist. "Die Schwestern sind ein großer Segen für Oberndorf", betont er. In den letzten Jahrzehnten, aber insbesondere auch in der Zeit der Corona-Pandemie hätten sie großes geleistet. Denn als niemand sonst die Patienten im Krankenhaus besuchen durfte, waren sie da und leisteten Beistand, wo es nur ging.

"Wir brauchen sie"

Leider sei man mit der Sanierung des Pfarrhauses noch nicht so weit, um den Schwestern dort schon im März eine Bleibe bieten zu können. "Es wäre schön, wenn ihnen vom Krankenhaus wieder Wohnraum zugesprochen werden könnte", so Brehm. Sie seien fest integriert in die Gruppe der Seelsorgenden im Krankenhaus, sagt der Diakon. "Wir brauchen sie." Allerdings: Auf der neuen Homepage des Krankenhauses wird ihr Dienst schon nicht mehr erwähnt.