In Horb machen derzeit Warnungen vor angeblichen Kinderansprachen die Runde. Der Fall erinnert an ähnliche Meldungen aus den vergangenen Jahren.
In Elternchats und sozialen Netzwerken kursieren derzeit in Horb Warnungen vor einem angeblich verdächtigen weißen Van.
In den Nachrichten ist davon die Rede, dass zwei Mädchen angesprochen worden seien. Dabei soll es sich um Fünftklässlerinnen des Martin-Gerbert-Gymnasiums handeln.
Das soll angeblich passiert sein Die geschilderten Situationen sollen sich unter anderem im Bereich der Bushaltestelle nahe der Araltankstelle auf dem Hohenberg sowie in der Neckarstraße ereignet haben. In den weitergeleiteten Nachrichten wird behauptet, Männer hätten versucht, die Mädchen in ein Fahrzeug zu locken. Teilweise wird sogar berichtet, eines der Mädchen sei verfolgt worden.
Viele Eltern reagieren auf solche Warnungen verständlicherweise beunruhigt. Gerade wenn konkrete Orte, Klassenstufen oder Schulen genannt werden, wirken solche Nachrichten besonders glaubwürdig. Gleichzeitig verbreiten sich entsprechende Hinweise über Whatsapp-Gruppen und soziale Netzwerke oft innerhalb kürzester Zeit weiter.
Nach Informationen unserer Redaktion liegen der Polizei derzeit jedoch keine konkreten Erkenntnisse oder Anzeigen zu den geschilderten Vorfällen vor. Auf Nachfrage teilt Polizeisprecher Christian Schulze vom Polizeipräsidium Pforzheim mit: „Dem Horber Polizeirevier wurde kein Vorfall gemeldet und deshalb liegen auch keine Informationen vor.“
Immer wieder ähnliche Warnmeldungen Ganz neu ist ein solcher Fall in der Region allerdings nicht. Bereits in den vergangenen Jahren sorgten ähnliche Warnmeldungen für Verunsicherung bei Eltern.
2024 wurde in Empfingen und Rottenburg ein Foto eines grauen Transporters mit ausländischem Kennzeichen über Whatsapp verbreitet. In den Nachrichten wurde davor gewarnt, dass Kinder angesprochen worden seien. Unsere Redaktion überprüfte damals die Behauptungen. Dabei stellte sich unter anderem heraus, dass die auf dem Bild erkennbaren Straßenschilder gar nicht aus Empfingen stammten.
Eltern äußerten ihre Sorge
Damals hatte das Polizeipräsidium Reutlingen erklärt, dass sich die kursierenden Behauptungen nach bisherigen Erkenntnissen nicht bestätigt hätten. Allerdings gab es durchaus einen realen Ausgangspunkt: Eine Zeugin hatte einen langsam fahrenden Transporter bemerkt und vorsorglich Polizei sowie Kindergarten informiert. Über soziale Netzwerke entwickelte sich daraus anschließend eine immer größere Warnkette.
Polizei Mainz: Keine Gefahr durch Kinderansprecher Im Januar 2026 häuften sich laut SWR die Meldungen in Mainz über einen angeblich verdächtigen weißen Transporter, aus dem Kinder angesprochen und entführt werden sollen. Bereits in den vergangenen Tagen hatte die Polizei mit ähnlichen Gerüchten zu kämpfen - vor allem in der Verbandsgemeinde Rhein-Selz. Da lagen die angeblichen Tatorte in Rheinhessen. Nun scheint die Welle der Falschmeldungen auch nach Mainz geschwappt zu sein.
Laut Polizei gibt es keinerlei Hinweise darauf, dass es derzeit eine tatsächliche Gefahr gibt - weder durch einen weißen Transporter, noch durch Kinderansprecher. Alle Personen und Autos, die gemeldet wurden, seien überprüft worden. Es hätten sich keinerlei Anhaltspunkte für irgendwelche Straftaten ergeben.
Warnung vor Falschmeldungen Auch Internetportale wie „Mimikama“, die sich mit Falschmeldungen und Gerüchten im Netz beschäftigen, weisen seit Jahren darauf hin, dass Warnungen vor angeblichen „Kinderfängern“ in Transportern immer wieder in sozialen Netzwerken kursieren. Häufig würden dabei ähnliche Muster auftauchen: vage Beschreibungen von Fahrzeugen, weitergeleitete Whatsapp-Nachrichten ohne überprüfbare Quellen und schnell wachsende Verunsicherung unter Eltern. Gleichzeitig warnen die Experten davor, ungeprüfte Meldungen vorschnell weiterzuverbreiten, weil dadurch Ängste und Gerüchte zusätzlich verstärkt werden können.
Fall in Böblingen – Mann wollte Jungen tatsächlich entführen
Allerdings gab es in Deutschland auch tatsächliche Fälle, die zeigen, warum Eltern auf solche Warnungen sensibel reagieren. So versuchte im Herbst 2023 ein Mann in Böblingen, einen zehnjährigen Jungen in einen Kleinbus zu ziehen. Mehrere Bauarbeiter beobachteten die Situation und verhinderten die Entführung. Der Mann wurde später aufgrund einer psychischen Erkrankung in einem psychiatrischen Krankenhaus untergebracht. Der Bundesgerichtshof bestätigte diese Entscheidung Anfang 2025. Der Fall sorgte bundesweit für Aufmerksamkeit und trägt bis heute dazu bei, dass viele Eltern bei ähnlichen Meldungen besonders aufmerksam reagieren.
2022 hatten sich Eltern aus Göttelfingen an unsere Redaktion gewandt. Sie berichteten glaubwürdig davon, dass ihre Kinder von Unbekannten aus einem weißen Transporter heraus angesprochen worden seien. Mehrere Familien schilderten damals ihre Sorgen ausführlich und berichteten, ihre Kinder seien seitdem deutlich vorsichtiger geworden. Neue Erkenntnisse oder konkrete Straftaten konnte die Polizei damals allerdings ebenfalls nicht bestätigen.
Sorgen ernst nehmen – aber besonnen bleiben Die Polizei rät in solchen Fällen regelmäßig dazu, aufmerksam, aber nicht panisch zu reagieren. Eltern sollten mit ihren Kindern offen über unangenehme Situationen sprechen und klare Verhaltensregeln vereinbaren. Gleichzeitig sei es wichtig, verdächtige Beobachtungen möglichst direkt der Polizei zu melden, statt ungeprüfte Nachrichten weiterzuverbreiten.
Denn gerade in Elternchats entsteht schnell eine Eigendynamik. Einzelne Beobachtungen, Unsicherheiten oder Gerüchte vermischen sich dann häufig mit tatsächlichen Vorfällen. Das sorgt einerseits für Aufmerksamkeit, kann andererseits aber auch Ängste verstärken.
Dass Eltern Hinweise auf mögliche Gefahren ernst nehmen, ist nachvollziehbar. Sollten Kinder tatsächlich bedrängt oder verfolgt werden, bittet die Polizei darum, dies umgehend zu melden und zur Anzeige zu bringen.