Warum sehe ich diesen Hinweis?

Sie sehen diesen Hinweis, weil Sie einen Adblocker eingeschaltet haben oder im privaten Modus surfen. Deaktivieren Sie diesen bitte für schwarzwaelder-bote.de, um unsere Artikel ohne diesen Hinweis lesen zu können.

Mehr zum Thema Adblocker / Privater Modus und wie Sie diesen deaktivieren, finden Sie, indem Sie auf deaktivieren klicken.

Deaktivieren

Aufregung in Donaueschingen Patiententransport wirft Fragen auf

Von
Maria (links) und Johanna Ehret. Die Tochter zeigt den dünnen Mantel, den ihre demente Mutter trug, als sie der Krankentransport von nach Aasen fuhr. Foto: Wursthorn

Als Johanna Ehret am vergangenen Mittwochvormittag sah, wie ihre Mutter Maria mit dem Krankentransport nach Hause gebracht worden war, kamen ihr fast die Tränen. Wieso die demente Frau nur leicht bekleidet transportiert wurde, lesen Sie in unserem (SB+)Artikel.

Donaueschingen - "Sie trug ein Nachthemd des Krankenhauses, darüber einen Hausmantel aus Polyester. Die Beine waren nackt, die Füße steckten in Socken und Latschen", beschreibt sie die Ankunft der 89-jährigen dementen Frau in Aasen, wo Johanna Ehret zusammen mit ihrer Mutter lebt.

Blaugefroren bis in die Klinik

Schon etwas blaugefroren sei die alte Frau nach der zehn- bis 15-minütigen Fahrt vom Klinikum nach Aasen gewesen. Ganz kurz wollte die Tochter den Fahrer des Rettungstransports zur Rede stellen, aber dieser beteuerte, er richte die Patienten nicht für den Abtransport, sondern sei nur für die Fahrt zuständig.

Doch wichtiger war es in der Situation, die Mutter ins Haus zu führen. "Sie schnatterte schon vor Kälte", fügt die 64-jährige Tochter an. Drinnen habe sie ihr warme Sachen angezogen, sie auf die Couch gesetzt und ihr einen Tee gemacht. Dann die nächste böse Überraschung: "Ich habe gemerkt, dass der obere Teil des Gebisses fehlt."

Als die Tochter in den beiden unordentlich eingeräumten Taschen nach der Zahnprothese suchte, merkt sie, dass sich darin auch warme Socken, Stulpen, Hosen, Pullis und ein warmes Jäckchen befanden. Kleidung, die sie ihrer Mutter während deren Klinikaufenthalt nach Donaueschingen gebracht hatte.

"Man hätte meine Mutter richtig anziehen können"

"Man hätte meine Mutter richtig anziehen können", schimpft Johanna Ehret im Telefonat mit der Redaktion. Warum das nicht geschah, wollte sie noch am Mittwochvormittag mit dem Klinikum klären. Zwei Gespräche habe sie geführt mit einer Ansprechpartnerin, die Ehret als fuchtig beschrieb. Allerdings habe sie sich, wie sie im Nachhinein einräumt, auch nicht mehr beherrschen können: aus Ärger darüber, weil ihr niemand Auskunft gab, wie es zu dem Transport ihrer Mutter kam, aus Angst darüber, dass ihre Mutter nach der offenbar kühlen Heimfahrt doch noch ernstlich krank werden könnte.

Inhaltlich habe man ihr gesagt, es sei beim Abholen Übergabe gewesen und die Ansprechpartnerin mit dem Medikamenterichten beschäftigt. Das Gebiss wie auch ein Schlüssel, der sich in der Tasche befunden habe, konnte man nicht mehr finden. Die Reinigungsfirma sei schon durchgegangen, gibt Johanna Ehret die Auskunft wieder.

Ärgerlich empfand Ehret auch den kurzfristig anberaumten Entlasstermin. Am Dienstagabend habe ihr ein Arzt gesagt, ihre Mutter käme Anfang nächste Woche nach Hause. Für die Tochter war diese Auskunft in Ordnung. So hätte sie, selbst ohne Auto und Führerschein, mit der Enkelin zusammen ihre Mutter abholen können. Am vergangenen Mittwoch wiederum bekam Ehret einen Anruf, ihre Mutter könnte noch an diesem Morgen abgeholt werden. Als Ehret anmerkte, sie habe keine Fahrmöglichkeit, hieß es, ihre Mutter werde gebracht: rund 40 Minuten später im beschriebenen Zustand. Auf den Vorfall angesprochen, hielt sich Klinik-Geschäftsführer Matthias Geiser vergangenen Mittwoch knapp. Er könne das nicht bestätigen, sagte er auf Anfrage. Die Seniorin sei durch das Rote Kreuz nach Hause gebracht worden. In der Folge habe ein einstündiges Gespräch zwischen der zuständigen Pflegekraft und der Beschwerdeführerin stattgefunden. Mehr mochte Geiser nicht sagen: "Wir wollen nicht eine öffentliche Auseinandersetzung mit und über unsere Patienten und deren Angehörigen."

Krankenhaus wünscht Mithilfe der Angehörigen

Am Donnerstag äußerte sich Kliniksprecherin Sandra Adams ausführlicher. Nach wie vor könne man die Darstellung von Frau Ehret nicht bestätigen. "Wir sind zur Verschwiegenheit verpflichtet und können keine Aussagen zu Patienten machen", schickt sie voraus. Selbst wenn eine Aufhebung der Schweigepflicht vorliege, gebiete das besondere Vertrauensverhältnis zwischen Klinikum und Patient starke Zurückhaltung.

Allgemein kam Adams auf die besondere Arbeitssituation auf der Corona-Station des Klinikums unter dem herrschenden Besuchsverbot zu sprechen. Sehr aufwendig sei es, angefangen beim Vollschutz bei den Mitarbeitern, Corona-Patienten zu versorgen. Eine besondere Herausforderung sei dies bei dementen und ängstlichen Patienten, die sich fern von ihren Bezugspersonen auf der Corona-Station befinden.

Lesen Sie auch: Behinderter kämpft gegen Strafzettel

Das Personal auf Station leiste einen aufopferungsvollen Job, betont Adams. Wenn dann aber die Enttäuschung dieser Pflegekräfte über die Berichterstattung und die von Johanna Ehret so geschilderten Erfahrungen aufeinanderprallen, könnte mehr Mithilfe der Angehörigen die Situation entspannen. "Das Besuchsverbot heißt ja nicht, dass man keinen Kontakt aufnehmen kann", so Adams.

Angehörige könnten mit der Station telefonisch besprechen, was die Patienten benötigen. Frische Wäsche könne man in Taschen an der Rezeption abgeben, gebrauchte abholen. Das sei wichtig, denn das Krankenhaus habe keine Kleiderkammer und "Wäsche wäscht sich bekanntlich nicht von alleine". Davon abgesehen sei es für die Patienten tröstend, benötigte Sachen und liebe Grüße von zu Hause zu erhalten.

Symptome deuten auf Corona

In zwei Punkten haben sich Johanna Ehrets Sorgen bereits auflösen können. Der vermisste Schlüssel wurde von Verwandten abgeholt und was die Zahnprothese anbelangt, sei eine Schadensmeldung geschrieben. Die Angelegenheit werde wohl über die Versicherung der Klinik laufen, so auch Ehrets Einschätzung.

Maria Ehret war am 18. Dezember mit dem Krankentransport ins Klinikum nach Villingen-Schwenningen gefahren worden. In den Tagen zuvor hatte sie einen leichten, beschwerdefreien Husten. Am 18. Dezember wollte Johanna Ehret ihre Mutter vor dem Frühstück richten. "Auf einmal sackte sie zusammen und ich konnte sie gerade noch auf den Teppich absitzen lassen." Der Husten war über Nacht plötzlich rasselnd laut geworden.

So kam ihre Mutter zunächst nach Villingen und wurde noch am späten Abend, als eine Covid-19-Infektion zunächst per Schnelltest nachgewiesen worden war, ins Klinikum nach Donaueschingen eingewiesen, wo zentral Corona-Erkrankungen behandelt werden. Auch wenn zum Zeitpunkt der Verlegung das Ergebnis des nachfolgenden PCR-Tests noch ausstand, deuteten die Symptome auf eine Corona-Infektion hin, erinnert sich Ehret an das Gespräch mit einem Arzt. Sie selbst musste in Quarantäne, die sie inzwischen verlassen konnte.

So läuft in der Regel das Ende eines Krankenhausaufenthalts ab: Meist wird schon einige Tage vor Entlassung mit dem Patienten das das Entlassdatum besprochen. Am Tag der Entlassung bekommt der Patient vom behandelnden Arzt den sogenannten Arzt- oder Entlassbrief mit allen notwendigen Informationen für die weitere medizinische Behandlung. Entlassungen erfolgen meist am Morgen oder Vormittag. Kann der Patient nicht alleine nach Hause fahren, benötigt er für einen Krankentransport einen Transportschein. Der ist notwendig bei einer Kostenübernahme durch die Krankenkasse.

Artikel bewerten
3
loading

Top 5

0

Kommentare

Artikel kommentieren

Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.

Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.