Handelt es sich bei dem Kadaver-Fund in Hundsbach um Wolfsfraß oder eine gezielte Falle für den Hornisgrinde-Wolf? (Symbolbild) Foto: Sina Schuldt/dpa

Mysteriöser Kadaver in Hundsbach: War es der Hornisgrinde-Wolf oder doch ein menschlicher Fallensteller? Die Fotofalle, die Aufschluss bringen sollte, wurde sabotiert.

In Forbacher Ortsteil Hundsbach im Landkreis Raststatt wurde ein entstellter Rotwild-Kadaver gefunden. Nun werden Stimmen laut, die vermuten, das Tier sei gezielt ausgelegt worden, um den Abschuss des Hornisgrinde-Wolfs zu erleichtern. Doch was steckt dahinter – wir haben nachgefragt.

 

Der Polizei sei der Kadaver am Sonntagabend, 22. Februar, von einem Mann telefonisch gemeldet worden, berichtet Wolfgang Kramer, ein Sprecher des zuständigen Polizeipräsidiums Offenburg. Ebenfalls sei an diesem Tag eine Online-Anzeige mit dem geäußerten Verdacht, dass der Kadaver möglicherweise absichtlich im Zusammenhang mit der Anlockung des zum Abschuss freigegebenen Wolfs ausgelegt wurde, erstattet worden.

Die Strafanzeige gegen Unbekannt wurde vom Verein „Taskforce: Artenschutz“ erstattet. Dies bestätigte der erste Vorsitzende des Vereins, Maximilian Hempel, und erläuterte zugleich die Hintergründe: Am Sonntag gegen 17.15 Uhr hätte die „Taskforce: Artenschutz“ die Information zum toten Rotwild erhalten.

„Unmittelbar darauf machten sich Mitglieder unseres Vereins auf den Weg, um sich vor Ort ein Bild der Situation zu machen“, ergänzt er. Der Kadaver habe nahe eines einzelnen Holzpfahls gelegen, an dem eine Wildkamera angebracht gewesen sei – nur rund 40 Meter von einem Wohnhaus entfernt.

Möglichkeit der gezielten Anfütterung

„Die Wahrscheinlichkeit, dass sich ein möglicherweise verletztes oder angefahrenes Tier ausgerechnet zu diesem einzelnen Pfahl bewegt und dort verendet, erscheint aus unserer Sicht gering“, so Hempel. Es spreche auch mit Hinblick auf die angebrachte Kamera einiges dafür, dass der Kadaver bewusst an dieser Stelle abgelegt worden sei.

Vor dem Hintergrund, dass ein dreiköpfiges Spezialistenteam mit der Entnahme des Wolfs mit der Bezeichnung „GW2672m“ beauftragt worden sei, könne der Verein eine gezielte Anfütterung als theoretische Möglichkeit also nicht vollständig ausschließen, meint Hempel.

Micha Herdtfelder, Leiter des Arbeitsbereichs Luchs und Wolf der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg (FVA) in Freiburg, gibt Einblicke in den Fund des Kadavers: Der mögliche Riss in Hundsbach sei von Mitarbeitenden der FVA sowie einer Netzwerkperson vor Ort bereits am Fundtag kontrolliert und beprobt worden. „Um mehr Informationen über den Verursacher zu bekommen, wurde in Absprache mit dem Grundeigentümer zudem eine Fotofalle aufgehängt.“

Der Wolf als Verursacher?

Aufgrund der Nutzung mit Fraßspuren und Fraßmenge des Kadavers, käme ein Wolf als Verursacher infrage, vermutet Herdtfelder. Eine andere Todesursache könne aber bisher nicht ausgeschlossen werden.

Hinweise auf eine gezielte Auslegung gebe es hingegen nicht. „Die Fraßspuren und -menge an dem Kadaver sprechen sehr für die Nutzung durch den Wolf.“ Vor allem da Wölfe gegenüber menschlichen Gerüchen sehr vorsichtig seien und es daher äußerst unwahrscheinlich wäre, dass ein Kadaver, der von Menschen ausgelegt würde, von einem Wolf angenommen werde, erklärt der Leiter des Arbeitsbereichs Luchs und Wolf.

Zudem arbeite das Entnahmeteam für den Hornisgrinde-Wolf laut Informationen des Umweltministeriums nicht mit Ködern. Dieses Szenario könne somit klar ausgeschlossen werden, fügt er hinzu.

Eine gezielte Störaktion

Ein Zusammenhang zwischen dem Wildkadaver und Wolfaktivitäten besteht allerdings: „In der Region sind mehrere Wölfe territorial, die sich fast ausschließlich von Wildtieren ernähren“, erläutert Herdtfelder. Die FVA untersuche daher tote Tiere mit Verdacht auf Wolfsriss regelmäßig – auch mit Fotofallen.

„Eine Fotofalle ist eine Fotokamera, die bei erkannten Bewegungen automatisch ein Foto macht“, führt der Leiter des Arbeitsbereichs Luchs und Wolf aus. Über die Bilder könne erkannt werden, welche Tiere an den Riss gingen. „Wölfe wie auch Luchse kehren gerne an den Riss zurück, um weiterzufressen.“

Ob der Hornisgrinde-Wolf – auch als Grindi bekannt – für den Riss verantwortlich ist, kann der Leiter des Arbeitsbereichs Luchs und Wolf nicht bestätigen. Denn sowohl die Fotofalle als auch der Kadaver hätten aufgrund einer gezielten Störaktion am Abend wieder entfernt werden müssen, meint Herdtfelder.

Keine auswertbaren Hinweise

„Von Anwohnern wurde uns berichtet, dass in der Dunkelheit Personen mit Taschenlampen nahe des Risses waren und Lärm gemacht haben – mutmaßlich um einen Wolf zu vertreiben“, erklärt er den Abbruch der Wildtierüberwachung. Auch die Fotofalle sei so verdreht worden, dass die Überwachung des Risses nicht mehr möglich gewesen sei, so Herdtfelder.

Durch die kurze Einsatzdauer der Fotofalle habe es keine auswertbaren Hinweise auf die Identität des tierischen Verursachers gegeben. Genetische Untersuchungen des FVAs zeigen nun Erkentnis: Der Hornisgrinde-Wolf, Wolfsrüde GW2672m, hat nachweislich das Rotwild in Forbach gerissen. Es habe ein wolfstypischer Kehlbiss des Hornisgrinde-Wolfs durch die FVA festgestellt und dokumentiert werden können, erklärt Herdtfelder.