Windräder werden kontrovers diskutiert – auf der einen Seite steht der Beitrag zum Umweltschutz, auf der anderen etwa Sorgen um die Gesundheit – was davon ist berechtigt? (Symbolbild) Foto: Alberto Masnovo - stock.adobe.com

Die Windrad-Debatte bringt auch zahlreiche Behauptungen über mögliche Gefahren mit sich. Wir haben Martin Brunotte, Professor für regenerative Energien aus Rottenburg danach gefragt.

Vielerorts werden Flächen für Windkraft ausgewiesen – und vielerorts stößt das auf Widerstand.

 

Auch in Wildberg hat sich eine Initiative gegen Windkraft gegründet. Die Argumente der Gegner reichen von Umweltbedenken bis zu Gesundheitsschäden.

Vieles habe einen wahren Kern, sei aber oft stark aufgebauscht, meint Martin Brunotte, Professor für regenerative Energien an der Hochschule Rottenburg.

Windräder sind eine Gefahr für Vögel und Insekten.“

Ja, Windenergieanlagen führen zu Vogel- und Insektenverlusten. Allerdings sei laut Studien die Sterblichkeit weniger als ein Tausendstel dessen, was andere menschengemachte Gefahren verursachen, wie Gebäude oder Verkehr. Durch Standortwahl und Maßnahmen, wie automatisches Abschalten wenn sich Vögel nähern, ließe sich dies verringern. Studien zeigten demnach auch, dass Bestände bestimmter potenziell gefährdeter Arten in Regionen mit vielen Windrädern stabil bleiben.

Das Insektensterben liege zum allergrößten Teil am Pestizid- und Herbizideinsatz in der Landwirtschaft. Dagegen ist der Einfluss der Windkraft, des Straßenverkehrs und sogar Vögel vernachlässigbar.

Gefahr durch lungengängiges Material äußerst gering

„Windräder verschleudern lungengängige ,fiese Fasern’, die Krebs verursachen können.“

Die Rotorblätter bestehen zu einem hohen Anteil aus Faserverbundstoffen, das heißt in Epoxidharz getränkte Glas- oder Carbonfasern, die zum Schutz vor Erosion durch Folien und Lacke beschichtet sind. Nur bei Beschädigungen könnten lokal kleine Mengen an Partikeln austreten. Im Gegensatz zu Asbest sind die Verbundstoffe aber aus Glas – das ist nicht lungengängig.

Auch beim Zerfräsen von Carbonfasern entstehe nur ein sehr kleiner Anteil von lungengängigen Bruchstücken. Die seien aber meist zu groß, um in die Lunge einzudringen. Drängen sie ein, gebe es kaum eine toxikologische Wirkung, sofern man nicht dauerhaft den Stoffen ausgesetzt sei. Bei intakten Anlagen sei die Bevölkerung nach derzeitigem Wissen dem nur gering ausgesetzt.

Auch bei der normalen Entsorgung gebe es keine belastbaren Hinweise auf eine großflächige Freisetzung krebserregender Stoffe. Unfall- oder Brandereignisse könnten jedoch in einem engen Umkreis Schadstoffe freisetzen.

„Windräder erzeugen Infraschall, der etwa zu Konzentrationsstörungen führt. Außerdem entsteht Lärm.“

Windturbinen erzeugen sowohl hörbaren Schall als auch Infraschall. Zahlreiche Studien und systematische Untersuchungen konnten aber nicht nachweisen, dass der Infraschallpegel körperliche Schäden oder ein „Wind-Turbine-Syndrom“ verursachen würde.

Sämtliche neuere Studien kämen zu dem Ergebnis, dass die Infraschall-Emissionen von Windkraftanlagen bereits ab 200 Metern Entfernung nicht mehr wahrgenommen werden können – aber noch deutlich messbar sind – und ab 700 Metern auch messtechnisch kaum mehr vom Hintergrundrauschen zu unterscheiden sind.

Hörbarer Lärm könne hingegen — wie bei anderen Lärmquellen — Schlafstörungen und Belästigung auslösen; deshalb gebe es Lärmgrenzwerte für Windkraftanlagen.

„In Süddeutschland weht für Windräder zu wenig Wind. Ein Windpark kann nur mit Subventionen wirtschaftlich betrieben werden.“

„Das ist pauschal nicht richtig. Zum Beispiel auf den Kämmen der Mittelgebirge herrschen sehr gute Windbedingungen“, meint Brunotte. Die Standorte im Norden seien darüber hinaus mittlerweile begrenzt und die Erzeugung sollte nah an den Verbrauchern – die vor allem im Süden sind – sein. Moderne Windräder mit entsprechender Höhe könnten auch an windschwächeren Standorten wirtschaftlich betrieben werden.

Um einen Anreiz für Windräder an solchen Orten zu schaffen, gebe es tatsächlich ein „Referenzertragsmodell“. „Das kann man in der Tat als Subvention windschwächerer Standorte zu Lasten der windstärkeren Standorte sehen“, meint Brunotte. Dennoch seien die Stromgestehungskosten aus der Windkraft auch im Süden geringer als die aus anderen neuen Kraftwerken.

„Windkraft kann keine stabile Stromversorgung gewährleisten. Deshalb müssen Gas- und Kohlekraftwerke als Backup bereitgehalten werden.“

Der Bedarf an Backup-Kraftwerken sinkt nicht zwangsläufig. Aber: Sie werden seltener gebraucht und damit werde deutlich weniger fossile Energie verbrannt.

Kurzzeitige Schwankungen würden vermehrt durch den massiven Ausbau von Batterie-Großspeichern ausgeglichen, ähnlich wie bei Solaranlagen am Einfamilienhaus.

Klimabilanz bleibt günstig

„Ein Windrad kann nicht vollständig recycelt werden.“

Der überwiegende Teil eine Windkraftanlage besteht aus Stahl und Beton und kann recycelt werden. Schwer zu recyceln sind aber die glas- oder kohlenfaserverstärkten Kunststoffe an den Rotorblättern. An dieser Entsorgung arbeiten Wissenschaft und Industrie. Lebenszyklusanalysen berücksichtigen die Entsorgung, und trotz dieser Probleme bleibe die Klimabilanz der Windenergie günstig.