Der Brunnenwasen bietet sich geradezu an, einen generationenübergreifenden Platz zum Spielen und Entspannen für Jung und Alt zu schaffen. Das sehen Bürger so – und es wird im Gemeinderat nicht bestritten. Nun kommt es auf den Workshop und das Engagement der Wellendinger an. Foto: Pfannes

Der Schreck kommt am Schluss der Gemeinderatssitzung. Erneut seien im Kindergarten in Wellendingen feuchte Wände gesichtet worden, berichtet Bürgermeister Thomas Albrecht. Wiederholt sich das Unglück vom März 2020? Das in einer längeren Sanierung auf Kosten der Versicherung (nicht der Gemeinde) seine Fortführung gefunden hat.

Wellendingen - Doch dieses Mal steht ja wegen der Corona-Pandemie und den Lockdowns keine Schließung der Einrichtung "hilfreich" zur Seite. Droht somit eine Containerlösung?

Zeitnah soll ein Team mit dem Architekten und Gutachter für Klarheit sorgen. Es werde vermutet, so Albrecht, dass Wasser von außen während eines Starkregen-Ereignisses im Sommer eingedrungen sei. Eine Leckage im Haus gebe es nicht. Möglich sei, dass es beim Anbau zu einer Verletzung der Abdichtung gekommen sei.

Bauhof: ein Mann mehr

Passieren wird auf jeden Fall etwas im Bauhof. Der Gemeinderat bewilligt eine zusätzliche Stelle. Die Zunahme an Arbeiten – die Gemeinde ist schließlich in jüngerer Vergangenheit stark gewachsen (neue Baugebiete, Grünflächen) – dokumentiert sich vielleicht am anschaulichsten in einer Auflistung der Aufgaben, die die Ratsmitglieder von Bauhofleiter Heiko Götz erhalten haben. Unter dem Strich ist außerdem mit Stand 1. September vermerkt: "5,5 Arbeitskräfte mit 123 Überstunden und 16 Tage Urlaub pro Arbeitskraft."

Bürgermeister Albrecht merkt an, dass die Zahl des Bauhofpersonals in den vergangenen 20 Jahren gleich geblieben sei. Im Gegensatz dazu sei das Personal im Kindergarten von zwölf auf 30 gestiegen. Hier jedoch seien Gemeinden Getriebene vom Gesetzgeber.

Wenn dann Ideen der Bürgerumfrage, wie die Gesamtgemeinde attraktiver gestaltet werden könne, in die Tat umgesetzt werden, vermehrt sich automatisch das Arbeitsfeld des Bauhofs.

Eben diese Ideen, die im Laufe des Sommers im Rathaus eingegangen sind, veranlasst das Gremium, über das weitere Vorgehen nachzudenken. Die Verwaltung will einen Fahrplan aufstellen und anmerken, was zum Beispiel in den kommenden sechs Monaten umgesetzt werden kann. Und es sollen Vorhaben in die Rubriken mittelfristig und langfristig eingeteilt werden.

Lob für all die Ideen

Keine Frage, die Gestaltung des Rathausplatzes und vor allem der Brunnenwasen nehmen dabei eine Sonderstellung ein. Zum Brunnenwasen trafen auch die inhaltsschwersten Anregungen ein. Deshalb wird im Ratsrund über die Einbindung der Bürger gesprochen, vor allem jene, die sich gegen eine Bebauung dieses ehemaligen Festplatzes ausgesprochen haben und für ein Naherholungsareal für alle Generationen, über einen Workshop mit interessierten Bürgern in der Festhalle, über die mögliche Gründung eines Fördervereins, über viele kleinere Arbeiten – so sagt Ulrike Roth, dass sie jederzeit bereit sei, Rasen zu mähen oder Rosenbeete zu jäten –, kurz: über Gemeinschaft, über die Einbindung vieler für eine (noch) schönere Gesamtgemeinde.

Die bisherigen Ideen werden ausdrücklich gelobt. Kleinere wie das Pflanzen von Bäumen sollten zeitnah umgesetzt werden, um ein Zeichen zu setzen.

Weitere Gewerke

Doch noch einmal zurück zum Anbau Kinderzentrum. Folgende Arbeiten vergibt der Gemeinderat: Bodenbelagsarbeiten Firma Schätzle-Botex (Villingen), 22 003,81 Euro (Kostenberechnung: 26 831,08 Euro); Fliesenarbeiten Firma Ißbrücker (Gomaringen) 31 239,19 Euro (30 733,58 Euro); Estricharbeiten Firma Bea (Schramberg) 43 193,28 Euro (46 872,32 Euro); Trockenbauarbeiten Firma Karl Mauch (Dunningen) 96 626,02 Euro (108 360,10 Euro); Akustikdecke Firma Holzbau Weiss (Gosheim) 108 910,98 Euro (83 492,02 Euro); Fenster Metallbauarbeiten und Sonnenschutz Firma Hewe (Lahr) 267 369,20 Euro (222 494,30 Euro). Die Mehrkosten bei den zwei letzten Gewerken seien laut Thomas Scherlitz (MKS-Architekten, Trossingen) der "extremen Preissteigerung aufgrund der Corona-Pandemie geschuldet".

Beitrag für "Wilde Welle"

Beim Komplex Kinderzen­trum nimmt die Änderung der Benutzungsordnung der Kindertageseinrichtungen der Gemeinde Wellendingen lediglich einen kleinen zeitlichen Rahmen ein. Hier ist neben anderen Dingen hauptsächlich der neue Waldkindergarten Wilde Welle berücksichtigt. (Die Jurte ist beim ehemaligen Sportplatz noch nicht gesichtet worden.) Er ist unter "VÖ-Betreuung 5 Tage" zu finden. Die monatlichen Beiträge belaufen sich dort je nach Kinderzahl einer Familie unter 18 Jahren zwischen 153 Euro pro Monat bei einem Kind und 26 Euro bei vier und mehr Kindern.

Essen über eine App

Eine Entscheidung über die Digitalisierung bei der Essensbestellung für Kindergarten und Schule fällt der Gemeinderat an diesem Abend nicht. Erst sollen die jeweiligen Elternbeiräte beraten. Es habe laut Kämmerer Phillippe Liebermann eine Anregung von außerhalb gegeben. Idee sei, dass über die App einer Firma der komplette Bestell- und Bezahlvorgang der Mittagessen über die Bühne gehen soll. Dies bedeute, dass die Verwaltung von dieser Aufgabe, die mit viel Zeitaufwand, einer beachtlichen Zettelwirtschaft und Organisation verbunden sei, entbunden werde. Dafür koste dann ein Essen 0,25 Euro mehr.

Im Gemeinderat gibt es Stimmen, die sich vehement dagegen aussprechen, aber auch – gefühlt einige mehr –, die dieses Prozedere im Sinne der Sache unter den Bedingungen der heutigen, modernen Zeiten sich sehr gut vorstellen können.

Noch kein Bauplatzpreis

Ebenfalls keine Entscheidung fällt über den Bauplatzpreis für das Wilflinger Baugebiet "Große Äcker II" (Wohnbaufläche: 11 421 Quadratmeter). Nach aktuellen Berechnungen kommt die Verwaltung auf Kosten von 114,29 Euro pro Quadratmeter.

Da jedoch laut Verwaltung einer Gewinnerzielungsabsicht beim Verkauf von Bauplätzen rechtlich nichts im Wege stehe, empfiehlt sie 125 Euro. Der Ortschaftsrat habe sich am Vorabend ausführlich darüber unterhalten, berichtet der Bürgermeister.

Um einen Konsens zwischen den bevorzugten 115 und den gewünschten 125 Euro zu finden, landet der Rat bei 120 Euro. Erst einmal. Da jedoch ein Entschluss aktuell nicht eilt, soll erst die Kostenberechnung der Baufirma eingeholt werden, die sich derzeit um die Erschließungsarbeiten verdient macht.

Eine Entscheidung will der Gemeinderat wahrscheinlich in der November-Sitzung treffen.