Eine schneckenlahme Bearbeitung von Steuererklärungen und monatelanges Warten auf den Steuerbescheid – das nervt die Steuerzahler im Landkreis gewaltig. Doch auch sonst lassen sie kaum ein gutes Haar an ihrem Finanzamt.
Die Rangliste der schnellsten Finanzämter Deutschlands hat es schonungslos offenbart: Das Finanzamt in Villingen-Schwenningen und auch seine Außenstelle in Donaueschingen gehören nicht dazu.
Im Gegenteil: vor allem das Finanzamt am Hauptsitz im Oberzentrum Villingen-Schwenningen gehört zu den langsamsten in der Republik und ist sogar das drittletzte in Baden-Württemberg, wenn es um die Schnelligkeit bei der Bearbeitung von Einkommensteuererklärungen im Jahr 2024 geht. Sein Ableger in Donaueschingen steht zwar besser da, ist aber von einer glanzvollen Platzierung im vorderen Bereich der Statistik auch noch weit entfernt.
Doch damit nicht genug: Nicht nur Lohnsteuer kompakt, ein Anbieter für Online-Steuererklärungen, hat das Finanzamt schonungslos bewertet, auch die Bürger im Schwarzwald-Baar-Kreis tun das immer wieder.
Den Finger in die Wunde
Per Mausklick – und häufig einher gehend mit ausufernden schriftlichen Klagen – legen sie den Finger mitten in die Wunde, wenn es um Bearbeitungsdauer, Freundlichkeit oder auch die Service-Orientierung im Finanzamt der Region geht.
Überraschend ist zunächst die Bewertung, welche Lohnsteuer kompakt aufführt: In seiner Auswertung liegt nämlich die eigentlich schnellere Finanzamtsaußenstelle in Donaueschingen in der Beliebtheit bei den Bürgern sogar noch hinter dem Finanzamt Villingen-Schwenningen, welches durch ausnehmend lange Bearbeitungszeiten Minuspunkte sammelte: Nur 1,8 von fünf möglichen Sternen vergaben die Nutzer für die Donaueschinger Außenstelle – jeweils nur einen Stern vergaben die User bei ihrer Bewertung in den Kategorien Bearbeitungsdauer, Rückerstattung und Kommunikation. Kleiner Wermutstropfen: Immerhin in Sachen Freundlichkeit war den Donaueschingern eine mit vier Sternen überdurchschnittlich gute Bewertung sicher.
Anders bei der Hauptstelle des Finanzamtes Villingen-Schwenningen: 2,4 Sterne für die Bearbeitungsdauer, 3,3 Sterne für die Rückerstattung, 2,5 für die Kommunikation und nochmals 2,5 Sterne in Sachen Freundlichkeit – mit 2,7 Sternen insgesamt ist das Ergebnis zwar besser als das der Außenstelle Donaueschingen, im Grunde aber dennoch durchwachsen.
Was die User nervt
Wo es in den Augen der Bürger hapert, das zeigt ein Blick in zahlreiche und teilweise recht detaillierte Google-Bewertungen des Finanzamtes Villingen-Schwenningen.
„Würde gerne 0 Sterne geben… Man versucht zwei Stunden lang jemanden zu erreichen jedoch erfolglos“, ärgert sich beispielsweise Sven K., während Michael F. zu unrecht mutmaßt: „Seeehr sehr langsames Finanzamt, wahrscheinlich das langsamste Finanzamt in BW.“ Wie er zur Fehleinschätzung kommt – denn VS ist nicht das langsamste, sondern das drittlangsamste Finanzamt im Land laut Aufstellung von Lohnsteuer kompakt, erläutert er anhand seiner Erfahrungen: „Für die Einkommenssteuererklärung beträgt die Bearbeitungszeit momentan mehr als sechs Monate... Selbst ein Stern ist hier definitiv zu viel.“
Es gibt auch Bestnoten
Radikal anders sieht das Burkhard R., der zu den wenigen Rezensenten gehört, die dem Finanzamt Bestnoten gaben: „5 Sterne sind noch zuwenig“, findet er nämlich, denn: „Ich habe schon öfters mit dem Finanzamt in Villingen Kontakt gehabt (...) Und ich muss sagen, ob das in der Zentrale war oder unsere Sachbearbeiterin die ich um 9 Uhr angerufen habe, total freundlich, sehr offen für meine Fragen, und ich habe die Auskunft bekommen, die ich brauchte. Also total freundlich, und diese Damen, das muss man mal gesagt haben sind sehr zuvorkommend gewesen.“
Auch ein gewisser Deniz lobt das Finanzamt der Doppelstadt: „Ich habe nur gute Erfahrungen mit dem Finanzamt gemacht. Telefonischer Kontakt ob mit dem Empfang oder meiner Sachbearbeiterin Frau xy kann ich nur ein ganz großes Lob aussprechen! Frau xy ist eine sehr kompetente und freundliche Sachbearbeiterin. Ganz ganz großes Lob und ein riesiges Dankeschön.“
Solch positive Bewertungen allerdings sind seltener unter den Einträgen bei Google. Vielfach ärgern sich die Bürger über die lange Bearbeitungszeit der Steuererklärungen durch die Finanzbehörde bei gleichzeitig enger Auslegung von Fristen. „Steuererklärung einer Privatperson benötigt vier bis sechs Monate Bearbeitungszeit. Eine Nachzahlung beziehungsweise Vorauszahlung muss innerhalb von zehn Tagen erfolgen“, kritisiert beispielsweise Bernhardt E.
Ein unbekannter User reklamiert, dass er „jeden Tag Briefe vom Finanzamt“ erhalte, dort aber niemand ans Telefon gehe, wenn er dort anrufe. Und auch Anton D. hadert mit einer schlechten Erreichbarkeit des Finanzamts: „Versuche seit drei Tagen vergeblich zu erreichen. Es fühlt sich an, als ob die damit sagen wollen, dass das Geld überwiesen werden soll und die wollen nichts anderes wissen. Obwohl ich schon längst überwiesen habe und bekomme trotzdem eine Mahnung.“ Ähnlich sieht das Ulrike S. in ihrem Kommentar: „Es ist eine volle Katastrophe mit der Bearbeitung der Steuererklärungen in diesem Finanzamt. Aber wehe das Finanzamt würde Geld bekommen, dann wären sie fix bei der Sache.“
Im Kern sind es immer wiederkehrende Kritikpunkte: Lange Wartezeiten, Probleme in der Kommunikation oder schlechte Erreichbarkeit.