Dieser Kran in Todtnauberg sorgte für zwei Jahre für Aufsehen, weil er sich nicht rührte. Foto: Ulrike Jäger

Ein Baukran in Todtnauberg stand zwei Jahre still. Der Unmut von Anwohnern und Ortsvorsteherin wurde immer größer. Nun aber bewegt sich endlich was.

Ein Baukran ragt in die Höhe mitten im idyllischen Ortsbild von Todtnauberg. Zunächst nichts Außergewöhnliches. Aber: Der Kran stand gut zwei Jahre still. Kein Baufortschritt war an dem ehemaligen Sparkassen-Gebäude zu erkennen. Noch dazu: Vor den Augen aller verfiel das Gebäude mehr und mehr. Nun aber bewegt sich der Kran und im Ort keimt wieder Hoffnung auf. Die Geschichte eines Aufregers.

 

Kran bewegte die Gemüter

Von „Verschandelung des Ortsbildes“ war die Rede. Von Stillstand. Und auch von der Gefährdung der Verkehrssicherheit. Und zudem hätten sich auch die Anwohner beschwert, da der große Kran über ihre Grundstücke schwenkte, wie Ortsvorsteherin Franziska Brünner noch vor wenigen Wochen im Gespräch mit unserer Redaktion erzählte.

Baufortschritt war nicht sichtbar

Der Todtnauberger Ortschaftsrat, die Stadt Todtnau – alle hatten sich mit dem still stehenden Kran beschäftigt. Auch das Landratsamt sei eingeschaltet worden. Die Frage, ob die Baugenehmigung bei Stillstand überhaupt noch gelte, stand im Raum. „Man konnte nicht widerlegen, dass der Bauherr noch aktiv ist“, erklärte Brünner. „Auch wenn für uns keine bauliche Aktivität durch den Bauherren wahrnehmbar war, war es nicht so einfach, ihm das nachzuweisen“, erläuterte die Ortsvorsteherin. Die Stadt Todtnau habe das direkte Gespräch mit dem Bauherrn gesucht – er wolle im September dieses Jahres mit dem Bau beginnen, war die Antwort damals. Doch dies passierte nicht – zumindest nicht sichtbar.

Der Kran stand zwei Jahre still. Jetzt bewegt er sich. Foto: Ulrike Jäger

„Uns waren die Hände gebunden“

Sie hätten es kooperativ versucht, alles rechtlich geprüft und seien nicht weiter gekommen. „Wir stießen an unsere Grenzen“. Und: „Wir hatten keinerlei Einflussmöglichkeit.“ Auch die Aussichten bei einer zivilrechtlichen Klage durch die Anwohner seien nicht erfolgversprechend gewesen. „Rechtlich waren uns die Hände gebunden“, so Brünner. Dass diese Machtlosigkeit kein Einzelfall sei, macht die Ortsvorsteherin aber auch klar: „Es gibt Fälle, da steht der Kran zehn Jahre, und sie bekommen ihn nicht weg.“

Landratsamt nicht zuständig

Torben Pahl, Pressesprecher des Landratsamts, erklärte auf Nachfrage unserer Redaktion: „Die Baugenehmigung erlischt, wenn nicht innerhalb von drei Jahren nach Erteilung der Genehmigung mit der Bauausführung begonnen oder, wenn sie nach diesem Zeitraum ein Jahr unterbrochen worden ist.“ Krananlagen würden jedoch nicht unter den Anwendungsbereich der Landesbauordnung fallen und daher auch nicht in den Bereich des Fachbereichs Baurecht. Und auch die Gewerbeaufsicht sehe hier keine Eingriffsmöglichkeit, da der Kran eben nicht im Rahmen einer Baustelle mit Arbeitnehmern genutzt werde, erklärte Pahl.

Es bewegt sich etwas

Nun aber nimmt die Geschichte doch noch eine glückliche Wendung: „Der Kran bewegt sich“, freut sich Franziska Brünner nun. Jetzt werde er endlich seiner Funktion zugeführt.

„Vielleicht hat der Druck von außen und die öffentliche Aufmerksamkeit doch noch etwas nachgeholfen“, vermutet die Ortsvorsteherin. Denn immerhin sei es das Interesse aller gewesen, dass der Bauherr mit den Arbeiten beginnt und diese zu Ende bringt. Und negativ in den Schlagzeilen zu landen, sei sicher nicht der Wunsch des Bauherren, vermutet Brünner.

Gäste ärgerten sich über maroden Zustand

Lange sei im Eingangsbereich noch das alte Sparkassen-Schild gehangen und Gäste hätten vermutet, dass das Gebäude in städtischer Verantwortung sei und Brünner als Ortsvorsteherin auf den maroden Zustand angesprochen. Sie konnte dem nur widersprechen.

So blätterte die Rückseite des Hauses jahrelang vor sich hin. Foto: Gabriele Hauger

Nun aber werde mit dem Start der Bauarbeiten auch der weitere Verfall des Gebäudes aufgehalten.

Hoffnung keimt wieder auf

„Ich sehe es positiv, dass er nun begonnen hat, so dass sich die Maßnahme nicht ins Unendliche ziehen wird.“ Die Hoffnung der Ortsvorsteherin steigt, dass der von Weitem sichtbare Kran bald wieder aus dem Todtnauberger Ortsbild verschwinden wird.

Eine andere Geschichte

Was dann aber bald mit dem umgebauten Gebäude das Ortsbild verändern wird, stößt auch nicht überall auf Freudensprünge. Denn die ehemalige Sparkasse soll um ein Stockwerk aufgestockt und zu einem Wohn- und Geschäftshaus umgebaut werden. Diesen Antrag hatte der Ortschaftsrat 2019 abgelehnt.

„Die Aufstockung wäre eigentlich 30 Zentimeter zu hoch gewesen, dazu hat das Landratsamt aber gesagt, dies falle in die Toleranz, weil die Straße steil ist – da scheiden sich die Geister“, blickt Brünner zurück. Zuvor aber hatte auch der Todtnauer Gemeinderat dem Vorhaben zugestimmt. Und sollte der Bau nun tatsächlich voran gehen, müssen die Todtnauberger mit dem Ergebnis leben.