Plastikmüll wird zum Thema in der kommenden Sitzung des Schömberger Gemeinderats. Foto: Robert Michael/dpa

Hat Schömberg ein Müllproblem? Das legt ein Antrag der CDU-Fraktion nahe, über den bei der kommenden Sitzung des Gemeinderats beraten und beschlossen werden soll. Die zuständige Entsorgungsfirma wiederum verteidigt sich.

Schömberg - Konkret geht es um den Abtransport von Plastikmüll, der im Antrag der CDU-Fraktion als "zeitlich sehr unzuverlässig" beanstandet wird. Für die regelmäßigen Sammelaktionen ist zurzeit im Landkreis Calw die Firma Remondis verantwortlich. Diesem Privatunternehmen hat die CDU-Fraktion nun eine "mangelhafte Dienstleistung" attestiert.

 

"Wenn solche terminierten Sammlungen dann zum Beispiel noch für Donnerstag vorgesehen waren, aber erst am Samstag letztendlich abgeholt werden – oder noch später – ergibt sich ein verschandeltes Ortsbild", heißt es im Antrag weiter.

Lose Plastikteile sorgen für großen Ärger

Der "nahezu reibungslose" Ablauf bei der Abfuhr von Papier-, Bio- und Restmüll hingegen wird im Kontrast zu diesen Zuständen als "Vorbild" gegenübergestellt. Vorbildhaft ist diesbezüglich jedoch nicht die Firma Remondis, sondern die Abfallwirtschaft Landkreis Calw GmbH (AWG).

Bei übervollen Containern und Säcken, die mehrere Tage "am Straßenrand vor sich hin gammeln", besteht nun die Gefahr, dass diese sich selbstständig öffnen oder beschädigt werden. Und deshalb Plastikteile aller Art durch die Gegend fliegen und durch Luftwirbel breit über Straßen, Bürgersteige, Vorgärten und Felder geweht würden oder dass dies bei schwierigen Wetterlagen wie Schneefall, Starkregen oder Orkanwinde ausgelöst würde.

Das sei für die Bürger der Glücksgemeinde und seiner Gäste ein "großes Ärgernis", eine "immer wiederkehrende Verärgerung", die so nicht mehr hingenommen werden könne. Die CDU-Fraktion fordert in ihrem Antrag daher, dass ein verantwortlicher Vertreter zu einer der kommenden Gremiums-Sitzungen einbestellt wird. Das Ziel: Eine Lösung finden, die eine "verlässliche und pünktliche Abfuhr des Plastikmülls" garantiert, und dies obendrein auch bei verschärften Wetterverhältnissen. Als eine mögliche Abhilfe, wenn sich die Situation nicht bessert, schlägt die Fraktion Folgendes vor: "Konkret könnte bei Nichtabholen des Plastikmülls der Bauhof samt Mitarbeitern und Kehrmaschine zum Einsatz kommen um das gute Erscheinungsbild der Kommune nach außen zu wahren. Die Rechnung würde in diesem Falle der Firma Remondis zugestellt werden."

Als letzte, drastische Option, wenn alles andere nicht fruchte, könne auch noch über die Kreisratsmitglieder auf einen Wechsel der Partnerschaft eingewirkt werden. Oder aber eine Wiedereingliederung der Plastik-Müll-Entsorgung als behördliche Aufgabe in Erwägung gezogen werden, heißt es in dem Antrag, der an Schömbergs Bürgermeister Matthias Leyn weitergeleitet wurde.

Zusatzmengen nicht in Planungen einkalkuliert

Doch was sagt die Entsorgungsfirma zu dem beschriebenen Abfuhr-Problem? "Wir erfassen seit dem 1. Januar 2020 circa 300 Tonnen pro Jahr zusätzlich an Weißblech/Dosen in der Gelben Tonne/Gelben Sack", teilt Michael Schneider, Sprecher von Remondis auf Anfrage unserer Zeitung mit. "Diese Menge war bis Ende 2019 in den Depotcontainern zur Erfassung von Glas beziehungsweise im System zur Glaserfassung."

Remondis sei nicht rechtzeitig über eine Systemumstellung zum Jahreswechsel 2020 informiert worden und schiebt den Schwarzen Peter daher weiter: "Über diese Systemumstellung wurden wir erst Ende 2019/Anfang 2020 vom AWG Calw informiert."

Zudem sei die Umstellung der Dosenerfassung auch nicht in der zugehörigen Ausschreibung berücksichtigt gewesen. Gemeint ist die Ausschreibung zur Sammlung von Leichtstoffverpackungen im Landkreis Calw, also der Abtransport von Plastikmüll.

"Diese zusätzlichen Mengen waren somit in unseren Tourenplanungen 2019 für 2020 nicht berücksichtigt", so Schneider. Und: Da die so hinzugekommenen Dosenmengen erhebliche Auswirkungen auf die Tourenplanung beziehungsweise den notwendigen Fahrzeugeinsatz gehabt habe, "mussten wir innerhalb der Touren improvisieren und haben hierzu auch einen Unterauftragnehmer eingesetzt." Obendrein sei im vergangenen Jahr noch eine pandemiebedingte Mengensteigerung an Leichtstoffverpackungen in Höhe von circa 1,5 Prozent hinzugekommen.

Gespräch mit Remondis bereits im August 2019

Jedoch: Der notwendige zusätzliche Fahrzeugeinsatz sei inzwischen auf der Agenda, heißt es vom Remondis-Sprecher. Und: "Wir wollen künftig proaktiv auf die Gemeinde Schömberg zugehen, sollte es durch Fahrzeugausfall zu Verspätungen kommen."

Helge Jesse, Sprecher der AWG Calw, teilt dagegen im Gespräch mit unserer Zeitung mit, dass es bereits Mitte August 2019 – und nicht erst zum Ende dieses Jahres – einen Termin mit Remondis über die Erfassungsänderung von Dosen gegeben habe. Es sei kommuniziert worden, dass für die Recycling- und Entsorgungsanlagen Container gebraucht werden, die die Dosen aufnehmen. Anfang November habe die AWG dann eine E-Mail an Remondis geschrieben, mit dem Inhalt, die Container für die Anlagen doch bitte bereitzustellen.