Ihr Trinkwasser macht die Oberndorfer zunehmend sauer. Seit zweieinhalb Monaten ist eine Enthärtungsanlage gestört. Darunter leiden jetzt auch schon die Wasserleitungen.
„Es kann doch nicht sein, dass wir künftig alle selber Enthärtungsanlagen vorhalten müssen“, äußert sich eine Leserin am Telefon.
Der Ton klingt weniger vorwurfsvoll. Eher verzweifelt scheint die Dame aus der Dachau. Inzwischen müsse sie wöchentlich die Perlatoren reinigen, beklagt sie sich.
Schäden an Haushaltsmaschinen
Sie ist nicht die einzige. Es gab bereits eine Anfrage im Gemeinderat, bis wann das Problem behoben sei. Unter anderem auch an den Ortschaftsrat von Altoberndorf wurde das Thema herangetragen: Seit Monaten weise das Wasser einen hohen Kalkanteil auf. Dies sei nun nicht mehr hinnehmbar, da viele Haushaltsmaschinen dadurch erheblichen Schaden nähmen, wurde berichtet.
Stadt informiert über Störung
Tatsächlich ist das Problem bekannt. „Aufgrund technischer Störungen und Reparaturarbeiten an der Enthärtungsanlage im Wasserwerk Mühlberg kann bis auf weiteres keine Enthärtung des Trinkwassers erfolgen“, teilte die Stadt Anfang Februar mit.
Und grenzte ein: Im Versorgungsgebiet Kernstadt, Lindenhof und Altoberndorf erhöhe sich die Wasserhärte deshalb „vorübergehend auf circa 20° dH, was dem Härtebereich ‚hart‘ entspricht.“
Härtegrad deutlich höher als normal
Das ist deutlich höher als die zuletzt berichteten 15° dH, die eine Trinkwasseranalyse für die Versorgung aus dem Wasserwerk Mühlberg ergeben hatte. Mit denen liegt man zwar auch bereits im Bereich „hart“, erreicht im landesweiten Vergleich aber nur einen Platz im oberen Mittelfeld.
Ein schwacher Trost, denn berichtet wird unterdessen auch von einer angespannten Lage in Boll. So habe in der Birkenwaldstraße bereits der Klempner anrücken müssen, um Leitungen zu entkalken.
Mancher greift zu Hausmitteln
Wer nicht aufpasst, riskiert teure Schäden auch an Waschmaschine und Co. Nervig ist zudem die hohe Frequenz, mit der der heimische Wasserkocher nach besonderer Zuwendung verlangt: Sauer soll es sein, um den Kalkablagerungen den Garaus zu machen.
Das steht einer Bürgerin am Talplatz durchaus vor Augen. Das Thema Waschmaschine hat sie daher schon lange abgehakt: „Ich gebe immer ein bisschen Essig hinzu“, erklärt sie. Probleme mit verkalkten Heizstäben – diese bedeuten zunächst verringerte Leistung, ein schlechteres Waschergebnis und höheren Energiebedarf, bevor das Aus kommt – hat sie deshalb nicht. Auch das Thema Wasserkocher oder Kaffeemaschine erträgt sie mit Fassung. Es werde eben einmal pro Woche entkalkt.
Ärgerlicher findet die leidenschaftliche Teetrinkerin im Alltag, dass der Aufguss natürlich auch an Qualität einbüßt. Und die deutlich sichtbare kleine Veränderung, die sich auf in Gläsern auf dem Trinkwasser schnell bildet, mag zwar nicht gefährlich sein, lecker sieht aber anders aus.
Ende ist in Sicht
Während es im Haushalt im Zweifelsfall auch robust zugehen kann, regen sich andernorts Sorgen ganz anderer Art. Sensible Geräte, etwa für den medizinischen Bereich, können natürlich ebenso Schaden nehmen – mit teuren Folgen.
Ist die Stadt da in der Pflicht? „Mehr als zu informieren ist seitens des Wasserversorgers nicht verpflichtend“, erklärt Bürgermeister Matthias Winter auf Anfrage. Das abgegebene Trinkwasser entspreche nach wie vor den Kriterien der Trinkwasserverordnung. Wenn der Regelbetrieb wieder angefahren wird, werde es dazu auch wieder eine Information geben. „Nach heutiger Einschätzung wird das vermutlich in KW 19 sein“, konkretisiert Winter am Donnerstag.