In der Mühlbachhalle hat die Gemeinde seit Mitte März ein kommunales Testzentrum eingerichtet. Dieses wird auch noch im April weiterbetrieben. Foto: Herzog

Sind Schnelltests, wie sie Eschbronn in der Mühlbachhalle Mariazell und viele andere Kommunen derzeit anbieten, Volksverdummung? Diese Ansicht vertrat der Eschbronner Gemeinderat Fred Zehnder in der Ratssitzung am Dienstag.

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Eschbronn - Zehnder fuhr schweres Geschütz gegen die Politik in Berlin auf. Seit zwei Wochen böten nahezu alle Kommunen Schnelltests an. Die Frage müsse erlaubt sein, was damit bewiesen werden solle, wenn man sich alle 48 Stunden testen lasse.

Immer mehr Firmen gingen dazu über, ihre Angestellten zu testen, bevor sie zur Arbeit gingen. Auch bei seinem Arbeitgeber sei dies ein Thema gewesen, Experten hätten jedoch davon abgeraten. "Je mehr wir testen, umso mehr steigen die Infektionszahlen und umso verrückter werden die Menschen. Das ist Volksverdummung. Deutschland bekommt es nicht mal hin, die Alten zu impfen. Andere Länder sind uns da meilenweit voraus und impfen schon Schüler und Kinder", wurde Zehnder in seiner Kritik mehr als deutlich.

Es werde nur noch Kosmetik betrieben. Am Montag seien die Politiker in Berlin lange zusammengesessen und nichts Gescheites sei dabei herausgekommen. "Mit dem Thema bin ich durch", schimpfte Zehnder.

Bürgermeister hält Tests für sinnvoll

Bürgermeister Franz Moser räumte ein, kein Virologe zu sein, hielt aber dagegen. "Wenn jemand positiv getestet wird und aus dem Verkehr gezogen werden kann, steckt er niemanden mehr an. Deshalb halte ich die Tests für sinnvoll", urteilte Moser und fügte an: "Diesem Thema muss man langfristig begegnen. Bei der Bekämpfung der Pandemie ist der Lockdown die einzige Strategie der Bundesregierung und das ist halt zu wenig. Es braucht dringend eine weitere Strategie", forderte der Schultes.

Es gebe Länder, die sehr viel testeten. Diese hätten dann kurze Zeit hohe Inzidenzen, aber danach werde es besser.

"Ich nehme in Kauf, dass die Zahlen nicht immer so stimmen. Ein Fehler war, dass wir das nicht so wie Südkorea gemacht haben."

Er wisse von Fällen, ließ Zehnder nicht locker, bei denen negativ getestete Personen trotzdem ansteckend gewesen seien.

"Lasst das doch einfach durchlaufen, danach wird es besser wie bei der Grippe. Als 2017/2018 mehr als 25 000 Menschen daran gestorben sind, hat das keinen gejuckt und wurde hingenommen", erinnerte sich das Ratsmitglied.

Strategie ist Streitthema

Ratskollege Christoph Meyer-Sander argumentierte, über die Corona-Strategie könne man trefflich streiten, sie sei aber nicht die Aufgabe des Gemeinderats. "Wir müssen sehen, dass wir bald Lehrkräfte, Schüler und Kinder impfen. Mehr können wir nicht tun", wollte Meyer-Sander die Diskussion beenden.

Auslöser für Zehnders Frust-Befreiungsschlag war der Bericht des Bürgermeisters über das in der Mühlbachhalle eingerichtete Bürgertestzentrum. Seit dem 12. März werden dort mittwochs und freitags von 17.30 Uhr bis 19 Uhr für Bürger kostenlose Schnelltests ohne Voranmeldung angeboten. Es gibt kaum Wartezeiten.

Die Gemeinde wird dabei vom DRK-Ortsverein Schramberg, der Feuerwehr Eschbronn, Verein Bürger für Eschbronn (BüfE) sowie den volljährigen Ministranten der katholischen Kirchengemeinde unterstützt.

Bisher wurden laut Moser über 60 Personen getestet, alle mit negativem Ergebnis. Am Anfang sei die Verwaltung davon ausgegangen, dass ab April Schnelltests in ausreichender Menge auf dem Markt erhältlich seien und die Nachfrage nach Testungen im kommunalen Testzentrum gegen null tendieren werde. "Das ist leider nicht so. Nach der jüngsten Gesprächsrunde zwischen Bund und Ländern werden kommunale Testzentren weiterhin als erforderlich angesehen. Wir werden deshalb unsere Einrichtung auch im April betreiben", gab der Bürgermeister bekannt.

Nach wie vor biete die Gemeinde mit den Regiodocs Lehrern und Erziehern regelmäßig ein niederschwelliges Testangebot in der Turn- und Festhalle Locherhof an. Für die Belegschaft der Kindergärten erfolge dies während der Arbeitszeit, um eine hohe Akzeptanz zu erreichen, informierte Moser.

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