Vielen Menschen fällt es schwer, sich von Dingen zu trennen. Neun Fragen können diese Entscheidung erleichtern, meint Aufräum- und Minimalismuscoach Angela Keller aus Freudenstadt.
Weihnachten ist vorbei. Der Weihnachtsbraten ist verputzt, die Deko abgerüstet und der Christbaum verliert seine Nadeln. Was bleibt sind die Erinnerungen an die besinnlichste Zeit des Jahres – und die Geschenke.
Doch auch wenn der ulkige Rentierpullover von Tante Sabine und das achtteilige Heidi-DVD-Set von Oma Waltraud vielleicht gut gemeint waren, stellt sich dennoch die Frage: Wohin damit?
Wegwerfen, verschenken oder verkaufen, meint Angela Keller. Sie ist Aufräum- und Minimalismuscoach in Freudenstadt und weiß genau, wie schwierig es ab und an sein kann, sich von Dingen zu trennen. Doch nur anderen zu Liebe sollte man sich nicht gezwungen fühlen, Dinge aufzuheben. „Mit dem Schenken ist die Sache erledigt“, erklärt sie. Kein schlechtes Gewissen nötig.
Diese Fragen sollte man sich stellen
Um es etwas leichter zu machen, hat Keller neun Fragen auf Lager, die helfen sollen, zu entscheiden, ob ein Gegenstand bleibt oder geht:
1. Nützt mir dieser Gegenstand und nutze ich ihn regelmäßig, mindestens einmal im Jahr?
2. Freue ich mich, ihn zu besitzen?
3. Ist der Gegenstand kaputt? (Der Gegenstand sollte nur behalten werden, wenn er zeitnah repariert und dann benutzt wird.)
4. Kann ich den Gegenstand durch einen anderen vorhandenen ersetzen? (Viele Dinge können multifunktional eingesetzt werden.)
5. Würde ich den Gegenstand wieder kaufen?
6. Behalte ich den Gegenstand nur, weil ich ihn von jemandem geschenkt bekommen habe, obwohl er nicht zu mir passt? (Was zählt ist der Gedanke.)
7. Ist der Gegenstand nur noch da, weil er mal viel Geld gekostet hat? (Das Geld ist bereits weg und der Gegenstand wird im Schrank oder Keller nicht besser.)
8. Fällt die Entscheidung bei diesem Gegenstand sehr schwer? (Dann sollte der Gegenstand in den Alltag integriert oder in einer „Unsicher-Kiste“ mit Datum im Keller verwahrt werden. Wird er drei bis vier Monate nicht vermisst, darf er gehen.)
9. Möchte ich, dass sich meine Kinder einmal hiermit auseinandersetzen müssen? (Das sei eines der wichtigsten Dinge, die es zu bedenken gibt, um nicht so viel Ballast zu hinterlassen.)
Über emotionale Sachen, wie etwa Erbstücke, sollte man erst ganz zum Schluss entscheiden, rät die Expertin. „Wenn man bereits in einem Flow ist“. Bei zu langem Überlegen gingen sonst zu viel Zeit und Energie flöten.
Wohin mit dem Ausgemisteten?
Ist die Entscheidung, den Gegenstand zu entsorgen, getroffen, bedeutet das jedoch nicht, dass dieser auch im Müll landen muss. Eine Zu-Verschenken-Box vor der Haustür oder die Weitergabe an Secondhand-Läden sei oft sehr hilfreich. Man könne auch versuchen den Gegenstand zu verkaufen, doch der Markt sei sehr überlaufen, meint Keller.
Wenn die erwachsenen Kinder aus dem Haus sind, könne man diese auch zu sich einladen. Dann könnten diese sagen, welche Dinge sie entweder jetzt, zu Lebzeiten oder später, als Erbe gerne hätten und welche nicht. Das erspare diesen später viel Kraft und Energie in der Trauerphase, meint Keller.
Es sollte allerdings nicht nur ausgemistet werden, damit wieder Platz für Neues ist. Keller empfiehlt daher auch, über das eigene Kaufverhalten nachzudenken, etwa: „Habe ich Geld investiert in etwas, das ich eigentlich gar nicht brauche?“ Sie empfiehlt, statt in Dinge lieber in Erlebnisse zu investieren und während des Ausmistens einen Einkaufsstopp einzulegen.