Heidrun Schäfer aus Balingen hat sich mit „dein Ordnungszauber“ selbstständig gemacht und gibt als Aufräumcoach Tipps für den Alltag. Foto: Vera Bender

Die Balingerin Heidrun Schäfer kennt die verschiedenen Ordnungstypen und gibt Tipps für mehr Übersichtlichkeit.

Jeder Mensch hat ein anderes Gefühl von Ordentlichkeit. Und das ist ja auch in Ordnung, wenn man dieses Wortspiel gebrauchen will. Heidrun Schäfer hilft Menschen als Aufräum-Coach und muss es wissen.

 

Die einen wollen es fast steril, die anderen vermissen einfach eine Grundordnung, um Dinge leichter wiederzufinden. Die Ausgangslagen sind unterschiedlich. Aber immer sind es Frauen, die sich bei „‚Dein Ordnungszauber“ in Balingen melden. Unter diesem vielsagenden Namen hat sich die Dreifachmama selbstständig gemacht.​

Mit Zaubern hat Ordnung dennoch wenig zu tun. „Es ist wie ein Muskel, den man regelmäßig trainieren muss“, erläutert die 38-Jährige. Wer denkt, man ruft einfach bei Heidrun Schäfer an, damit sie mal eben den völlig überquellenden Kleiderschrank aufräumt oder die Rumpelkammer auf Vordermann bringt, der ist schief gewickelt. Das ist nämlich nicht nachhaltig, klärt die Mentorin auf. Sie gibt Hilfestellung, damit die vom Kunden oder der Kundin gewünschte Grundordnung hergestellt und auch gehalten werden kann. Und dazu bedarf es eben mehr als nur ein paar helfender Hände.

Antrieb auf den Grund gehen

Zunächst führt Heidrun Schäfer ein Gespräch – gerne am Telefon oder per Videocall, damit die Hilfesuchenden eine gewisse Distanz wahren können. Die alles entscheidende Frage ist dabei: Warum? Warum will man etwas verändern? Das leitet dann den gesamten übrigen Prozess. „Viele müssen erst mal nachdenken. Denn man hat zuerst einmal nur das Ergebnis vor Augen“, erklärt der Aufräum-Coach. Aber nur mit diesen Fragestellungen kann man für jeden Einzelnen die individuell passende Struktur finden. Denn diese Ordnung sollte ja nachhaltig sein und man muss sich selbst wohlfühlen.

Manchmal gibt es auch Hindernisse, weiß Heidrun Schäfer. Beispielsweise wenn die Mitbewohner etwas so gar nicht wollen. Oft fragen Familienangehörige bei Heidrun Schäfer um Hilfe an. Doch der Wunsch nach Veränderung muss von einem selbst kommen, nicht von anderen. Und wenn es um einen Messiehaushalt geht, für den Heidrun Schäfer bisher jedoch noch nicht angefragt wurde, dann kann sie nicht weiterhelfen. Denn ein sogenannter „Messie“ hat andere Probleme als die, keine Ordnung halten zu können. Das hat mit der Psyche zu tun, und dafür ist die Balingerin weder ausgebildet noch zuständig.

Vielfach erklären die Kundinnen, dass sie viel zu oft etwas in ihrem Haushalt suchen und sich mit dem momentanen Zustand nicht wohlfühlen oder sich schämen, wenn sich Besuch ankündigt beziehungsweise vor der Tür steht.

Oft helfen schon kleine Routinen und veränderte Gewohnheiten, um etwas mehr Ordnung in den Alltag zu bringen und diese auch zu halten. Weshalb Heidrun Schäfer meist nach vier bis acht Wochen nochmals Kontakt aufnimmt und nachfragt, wie es mittlerweile klappt. Sie kann nämlich nur unterstützen und einen Denkprozess anregen sowie kleine Tipps geben.

Alles läuft ganz ohne Zwang

„Es braucht keine Perfektion“, beruhigt „der Ordnungscoach für den Zollernalbkreis“, wie sich die dreifache Mutter nennt. Man brauche ein alltagspraktisches System, in dem jedes Ding seinen Platz hat und alle Familienmitglieder wissen, was wo hingehört. Mit etwas Klarheit und Leichtigkeit kann man so den Alltag erleichtern und ein Erfolgserlebnis spüren.

Es geht auch nicht darum, dass man sich plötzlich von liebgewonnenen Erinnerungsstücken trennen oder „ausmisten“ muss. Bei Heidrun Schäfer gibt es keinen Zwang. Ihr Motto lautet: „Keiner muss, jeder darf.“ Sie drängt sich nicht auf, verbreitet keinen Druck. Das Erstgespräch ist ohnehin immer kostenlos. Dann muss man sichten.

„Minimalismus ist ein Trend“, weiß Schäfer. Es gibt ältere Menschen, die ihren Besitz reduzieren möchten. Manche wünschen sich einfach mehr Struktur. In Zeiten, in denen sich alles immer schneller bewegt, steigen auch der Konsum und das Gefühl, mit anderen mithalten zu müssen. Das Überangebot führt oft zu Überforderung. Dann hilft der Gedanke: „Weniger ist mehr.“

Fakt ist auch, dass sich viele mehr Zeit für sich selbst wünschen und keine ständige Rotation im Haushalt mehr wollen – zumal mit Kindern. So kam Heidrun Schäfer letztlich auch zu ihrem seit 2024 angemeldeten Kleingewerbe. Ihr eigenes Zuhause war irgendwann der „Versuchshaushalt“, in dem sie viel optimiert hat. Und dann kamen Freundinnen mit ihren Wünschen auf sie zu. Dem Aufräum-Coach macht es Spaß, anderen zu einem Erfolg zu verhelfen.