Die kleinen Bodenbewohner haben es aktuell gar nicht so leicht. Foto: Pixabay/Alexas_Fotos

Vielerorts haben die Aufräumarbeiten in den Gärten wieder begonnen – dabei sollte jedoch vermehrt auf ruhende Igel geachtet werden.

„Sie werden teilweise aufgespießt, durchgeschnitten oder ihnen werden Körperteile abgetrennt“, erzählt Bärbel Münchau, und ihr ist anzuhören, wie sehr sie das Thema belastet. Die Rede ist von Igeln, die unter den Folgen des Klimawandels und den viel zu früh beginnenden Aufräumarbeiten im Garten leiden.

Der Frühling kam in diesem Jahr wieder viel zu früh, und das macht sich insbesondere bei den Winterschläfern bemerkbar. „Sie wachen früher auf – falls sie aufgrund der wärmeren Temperaturen überhaupt geschlafen haben –, irren durch die Gegend und finden kein Futter.“ Dazu kommen noch die frühen Aufräumarbeiten im Garten – dabei sind die Folgen für die kleinen Lebewesen fatal.

Bärbel Münchau lebt in Hochdorf und betreibt dort als pensionierte Tierärztin eine kleine Tierfarm mitsamt Igelstation. Rund 200 Igel werden hier jährlich behandelt, und es werden immer mehr.

Igel werden bei Gartenarbeiten teilweise schwer verletzt

„Ich verstehe nicht, warum alle der Ansicht sind, ihr Garten müsse wie geleckt aussehen. Man kann auch etwas Natur stehen lassen“, meint die 75-Jährige. Es käme nicht selten vor, dass bei frühen Gartenarbeiten Igel verletzt werden. „Beispielsweise durch Laubgabeln, Heckenscheren oder elektronisch gesteuerte Rasenmäher. Ich hatte schon den Fall, dass jemand mit einem Igel zu mir kam, der an einer Laubgabel aufgespießt war.“

Dabei sei die Lösung simpel: „Einfach etwas Laub zusammenfegen und an einem geschützten Ort im Garten liegen lassen – und natürlich aufpassen, ob da nicht bereits ein Igel drunter schläft.“ Denn diese verbringen gerne die Wintermonate unter Laubhaufen, da sie gut isoliert und für die Vierbeiner ein gemütlicher Unterschlupf sind.

Und auch mit elektronischen Rasenmähern sollte man etwas vorsichtig sein, da diese oftmals keine Sensoren für Igel oder andere Kleintiere haben. „Dadurch werden die Igel schwer verletzt und je nach Gerät auch ganz durchgeschnitten.“ Wer das Laub direkt verbrennt, achte oftmals auch nicht darauf, ob sich noch ein Igel unter dem Haufen befindet.

Die „Rote Liste“ naht

Mittlerweile stehen die kleinen stacheligen Wald- und Wiesenbewohner auf der Vormerkliste für die sogenannte „Rote Liste“. Sie beinhaltet alle Tierarten, die vom Aussterben bedroht sind.

„Schuld daran ist auch der Klimawandel - und ja, den gibt es wirklich. Und wir haben ihn verursacht“, stellt Münchau klar. „Mittlerweile ist es viel zu warm, wir haben teilweise neun bis zehn Wochen Dürre im Sommer. Die Igelmamas finden dann weder genügend Essen noch Trinken. Ihre Babys sterben.“ Oft werden die Igelmütter aufgrund natürlicher, hormoneller Bedingungen nochmals befruchtet, was dazu führt, dass Ende Oktober erneut Babys zur Welt kommen. Ihre Überlebenschancen sind gering.

Der Klimawandel beeinträchtigt zusätzlich

„Sie haben gar keine Möglichkeit, bis zum Winter genug an Gewicht zuzulegen. Ein gesundes, normales Igelbaby wiegt bis zum Winter etwa 600 Gramm.“ Der zweite Wurf in einem Jahr bringe aber oftmals deutlich weniger als die Hälfte auf die Rippen. Die Folge: „Entweder sterben sie noch vor dem Winter, oder werden im Frühjahr aus dem Winterschlaf geschreckt und sterben kurz danach.“

In der Igelstation hat die 75-Jährige kaum noch einen freien Tag. Vier Stunden Schlaf sind normal, Zuschüsse gibt es nicht. Aktuell sind 21 Igel vor Ort und werden aufgepäppelt, weil sie verletzt sind, schon wach oder gar keinen Winterschlaf gemacht haben.

„Etwas mehr Aufmerksamkeit wäre schön“

„Die Natur braucht wieder mehr Aufmerksamkeit“, wünscht sich Bärbel Münchau. „Nicht nur auf die Vögel achten, sondern auch auf die Lebewesen am Boden. Etwas Wasser bei einem Blumentopf hinstellen und beim Aufräumen darauf achten, keine eventuell schlafenden Igel zu verletzen. Das wäre schön.“