Die Kächeles traten in Schenkenzell auf. Foto: Herzog

Bereits zum elften Mal präsentierte der Handball-Förderverein Schenkenzell im Rahmen von „Kult im Dorf“ das schwäbische Mundartduo „Die Kächeles“.

Die beiden urigen Vollblutschwaben mit bürgerlichem Namen Ute Landenberger und Michael Willkommen aus dem Zollernalbkreis waren anlässlich ihres Bühnenjubiläums mit dem Programm „20 Jahre Kächeles – und die Ehe hält“ nach Schenkenzell gekommen.

 

Nachdem sich Käthe und Karl-Eugen Kächele über zwei Stunden lang – sehr zur Freude und Begeisterung des Publikums – sich gegenseitig bloßstellen, herumkritisieren und Vorwürfe machen, musste man sich wundern, was das ungleiche Paar eigentlich zusammenhält.

Wahrscheinlich die Gegensätze oder inneren Werte, die gemäß der Redewendung „man sieht nur daran und nicht hinein“ geheim bleiben.

Zwei Sichten auf Eheverlauf

Im Laufe des beseelten Abends streift das Paar zahlreiche Themen des Alltags und der Gesellschaft und hält mit ihrer Meinung dazu nicht hinterm Berg. Dies wird mit Situationskomik, Wortspielerei und zweideutigem Hintersinn glänzend inszeniert und das Publikum auf eine Reise voller Emotionen und Geschehnisse nahe der Realität mitgenommen.

Ihren „Gatten“ bezeichnet Käthe, die von Beginn mit ihrer nicht enden wollenden Schwertgosch das Kommando auf der Bühne übernimmt, fortan mit „Dicker“, worüber Karl-Eugen nur schmunzeln kann.

Wie er versichert, sei er mit dem bisherigen Verlauf der Ehe ganz zufrieden, sie natürlich nicht. Und wenn sich Käthe tierisch aufregt, punktet Karl-Eugen als Ruhepol. Er stellt den Rasenmäher mangels leerem Tank wieder in die Garage und lässt den Rasen aus „naturschutzrechtlicher Belange“ wachsen.

Badener „regeln genau“

„Bei den Badenern“, lobt Käthe zweideutig, „ist alles genau geregelt. Da hat jedes Kind seinen eigenen Vater“. Dass Käthe mit dem Nachbarn öfters flirtet, stört Karl-Eugen nicht. „Der will doch keine Frau, bei der er nicht zu Wort kommt“.

Die Esskultur von Karl-Eugen sieht Schlachtplatte schon frühmorgens um 5 Uhr vor. Zur Vorbereitung darauf ein Obstler, damit der Magen jubiliert und hinter ein Weizenbier. „Das sind Glücksgefühle, das müssen die Jungen erst noch lernen“, ist Karl-Eugen sich sicher.

Früher seien ihm die Frauen zu Füßen gelegen, worauf Käthe kontert: „Da hast du auch noch nach unten sehen können“, spielt sie auf sein jetziges Übergewicht an. Den Einwand von Karl-Eugen, er habe immerhin drei Kilo abgenommen, erklärt Käthe so: „Aber nur, weil du mit einem Bein auf der Waage gestanden bist.

Wenn sich koche, könne ihr Dicker aus sich rausgehen, „weil Liebe im Alter durch den Magen geht“. Wenig begeistert ist Karl-Eugen von der angekündigten Essensumstellung auf Grünkernbratlinge, Eiweißbrot und Rohkostsalat. Nach vier Wochen veganer Ernährung sieht er sich tot.

Zugabe mit Frau am Steuer

„Mit einem Bergsteigermüsli könntest du den Mülleimer und den Wäschekorb auf einmal tragen“, sieht Käthe nur Vorteile. Vom Waldbaden mit Bäume umarmen hält Karl-Eugen wenig und ist mit Käthe einmal auf gleicher Wellenlänge.

Um das Sexleben wieder aufzufrischen kauft sich Käthe Reizwäsche, allerdings nicht in Schwarz, weil sie seit 30 Jahren schon einen Trauerfall hat. Auch nicht in Gelb. Da fällt ihr plötzlich ein: Der gelbe Sack muss rausgestellt werden.

Mit viel Applaus entlockt das mit Lachsalven überzogene Publikum den beiden Protagonisten noch eine Zugabe, die es beim Autofahren mit Frau am Steuer noch mal in sich hat.