Was läuft falsch in der Arbeitswelt? Wie kann eine Arbeitswelt entstehen, die dem Menschen dient?
Mit diesen Fragen beschäftigten sich die Organisatoren und Teilnehmer des Defakto Projekts Lörrach in einer Aufführung namens „Worktopia“. Das Dreiländermuseum Lörrach stellte die Räumliche samt Bühne zur Verfügung.
Die Defakto Projekte finden in vielen Städten in Deutschland statt, in Lörrach residiert das Team in angemieteten Räumen im Nellie Nashorn und hat zum Ziel, Menschen in besonders belastenden persönlichen Situationen beim Wiedereinstieg in die Arbeitswelt mit Gesundheitscoaching, Theaterpädagogik und Sozialpädagogik zu unterstützen. Mit im Boot ist auch das Jobcenter Lörrach, welches das Projekt finanziert.
Das Theaterstück ist unter der Regie des Theaterpädagogen Holger Wagner als Performance angelegt worden, in der drei Teilnehmer des Projekts mitspielten. Da ein Teilnehmer erkrankt ist, musste Katja Emmert, Gesundheitscoach und Sozialpädagogin bei Defakto Lörrach, einspringen.
Unterstützung beim Wiedereinstieg bieten
Etwas mehr Zuschauer hätte die Darbietung verdient gehabt, denn die Teilnehmer und der Regisseur des Theaterstücks hatten ein schwieriges und gesellschaftlich hochaktuelles Thema in eine humorvolle und lustig-zynische Aufführung verpackt.
Gespielt wurde ein Gerichtsverfahren für menschenwürdige Arbeitsbedingungen mit drei Anklägern, einer Richterin und dem Publikum als Jury. Saskia Vogt spielte die Richterin, Antje Kessler, Katja Emmert und Dirk Buntenbach die Ankläger, die in jeweils verschieden Rollen als Anwälte für menschenwürdige Arbeitsbedingungen und Zeugen der Anklage schlüpften.
Diese Zeugen waren Polizisten, Krankenpfleger und Bauarbeiter, die alle eines gemeinsam hatten: Alle waren mehr oder weniger erschöpft von zu viel Arbeit, Stress und körperlicher sowie psychischer Belastung. Sie lieben ihren Job und gleichzeitig würden sie oft lieber zuhause bleiben, da es einfach zu anstrengend ist, was es aber nicht unbedingt sein müsste, wenn die Arbeit auf mehrere Schultern verteilt, besser bezahlt und nicht auf Quantität, sondern auf Qualität ausgelegt wäre – mit mehr Fürsorge für die Arbeitnehmer, mehr Wertschätzung und genug Freizeit zum Ausgleich. Nachdem die Beweisführung abgeschlossen war, folgte das Plädoyer der Anwälte, die dafür eintraten, dass die Arbeitsleistung der Zukunft nicht auf der Kosten der Gesundheit gehen dürfe, sondern allen Arbeitnehmern und sonstigen Arbeitern Halt, Struktur und einen guten Lebensstandard ermöglichen müsse.
Die Arbeitswelt menschenwürdig gestalten
Daraufhin empfahl auch die Richterin eine grundlegende Reform der Arbeitswelt, die wieder wertschätzend, emphatisch und sinnstiftend werden müsse. Dann war das Publikum an der Reihe, das sich mit der Frage auseinander setzen musste, wie die Utopie einer menschenwürdigen Arbeitswelt Realität werden könnte. My Ngoc Kim, Jobcoach bei defakto Lörrach, führte durch die Gesprächsrunde, die schnell an Fahrt aufnahm. Auf die Frage, unter welchen Bedingungen die Anwesenden gerne arbeiten würden, gab es viele Meldungen. Unter anderem war den Anwesenden ein gutes Betriebsklima wichtig, gefolgt von einer höheren Wertschätzung der geleisteten Arbeit, Spaß und Freude bei der Arbeit, Vereinbarkeit mit der Familie und Freizeitgestaltung und einer angemessenen Bezahlung.
Auf die Frage was bei der Arbeit stärkt und was schwächt, gingen die Meinungen auseinander, aber auf eine sinnstiftende Arbeit konnten sich alle Beteiligten einigen. Einig waren sich alle Beteiligten auch nicht zuletzt darüber, dass Termindruck, Stress und Mobbing die häufigsten Gründe sind, warum Arbeitnehmer schlussendlich kündigen oder krank werden.
Für Saskia beispielsweise ist die Teilnahme an dem Integrationsprojekt eine gute Sache, die sie wieder in die Spur gebracht hat. Sie habe sich in der Gruppe angenommen gefühlt, man habe sie nicht für irgendetwas verurteilt und einfach machen lassen. Sie ist dankbar für die Chance, bei dem Projekt mitmachen zu dürfen, und hofft darauf, nächstes Jahr nochmals dabei sein zu dürfen und dann vielleicht auch wieder einen Job entweder auf Minijob-Basis oder im Ehrenamt zu finden. Der abschließende Tenor lautete: Es bleibt zu hoffen, dass dieses Projekt für Langzeitarbeitslose auch weiterhin gefördert und unterstützt wird.