Das Liebespaar hat in dem Stück einige Prüfungen zu bestehen – hier muss es etwa einen Wettbewerb im Seilziehen für sich entscheiden. Foto: Baublies

Die „Ba-Rock-Oper“ ist eine Mischung aus Barock, Rock und Pop, einer erzählten Geschichte sowie reichlich Komik. Die Vorstellung war ein unterhaltsames Spektakel.

Eine recht einfache Geschichte haben das Barockorchester der Musikschule, zwei Gesangssolisten, französische Gastmusiker und das Groovelab (ebenfalls Musikschule) zu einem bunten Gemisch aus echter Oper, Musical und reichlich Klamauk vermischt. Der Beifall – teilweise mit den Füßen – nach drei Akten und dem unabdingbaren Happy End war hochverdient. Das Parktheater, war zu drei Vierteln gefüllt, für einen Sonntagabend ist das sehr gut.

 

Die Geschichte hinter dem Stück, zum überwiegenden Teil waren es Opernarien von bekannten und unbekannten Barockmusikern, handelt von der Liebe der Muse Calliope (Marie Köberlein, Sopran) zu Paris (Uli Bützer, Bariton). Drei andere Musen – Euterpe, Urania und Thaleia (Musikerinnen des Ensembles als Pantomimen) – sind mit diesem Glück nicht einverstanden. Also müssen die Liebenden einen Wettkampf im Seilziehen gewinnen, das Kinderspiel Blinde Kuh bewältigen und einen Orkan überstehen. Im dritten Akt ist Paris ein Nashorn, das durch die Liebe und einen Trick wieder zu seiner eigentlichen Gestalt zurückfindet.

Es waren zum einen die sehr gut einstudierten Stücke, unter anderem von Georg Friedrich Händel, Antonio Vivaldi, Henry Purcell, Philipp Telemann oder Jean-Philippe Rameau, die einen großen Reiz des gesamten Spiels ausgemacht haben. Der Clou war, dass Annabelle Cavalli, die das Barockorchester gegründet hat und seitdem leitet, hier auf die großen oder bekannten Stücke aus der Musikepoche verzichtet hat. Ein großes Lob geht an das gesamte Ensemble für das harmonische Zusammenspiel mit den zwei Solisten wie auch mit den Gastmusikern des Konservatoriums aus Palaiseau in der Nähe von Paris.

Die schnellen Wechsel zwischen barocker, anspruchsvoller Musik und mitunter totaler Anarchie haben zum Flair dieser „Ba-Rock-Oper“ genauso viel beigetragen wie die Musik. Sicher hat es auch für das Chaos Noten gegeben, als das Ensemble am Anfang das „Te Deum“ Marc-Antoine Charpentiers bis zur Unkenntlichkeit zerfetzt hat. Das, was das Orchester hier inszeniert hat, erinnert an ein ganz großes Vorbild: Die Beatles haben mit ihrem Song „A Day in the Life“ genau das vorgemacht. Die Londoner Philharmoniker benötigten seinerzeit Noten, um ein musikalisches Chaos zu orchestrieren.

Unterschiede zwischen den Genres werden vollständig aufgelöst

Das Groovelab ist eine feste Größe in der Musikschule und der Lahrer Musikszene. Lisette Noelia (E-Piano, Gesang), Cosima Klenk (akustische Gitarre, Gesang) und Jan Hutnik (E-Gitarre) haben die Elemente Rock und Pop zu der Oper beigetragen. Teilweise wurden Eigenkompositionen der zwei Musikerinnen gespielt.

Sarah Huber am Schlagzeug hat das Trio ergänzt. Hier zeigte sich deutlich, wie die Verschränkung zwischen den verschiedenen Ebenen funktioniert. Denn wenn sie gerade nicht an den Drums saß, gehörte Huber bei den barocken Teilen des Konzertes zur Gruppe der Celli.

Bei der brillanten Mischung aus Barockmusik, Geschichte mit Handlung, Rock und Komik musste zum Ende noch eine Zugabe sein. „La Vie en Rosé“ hat Édith Piaf bekannt gemacht. Im Lahrer Parktheater war das Lied eine Arie mit Orchesterbegleitung und ein Rocksong. Genial war, dass die Unterschiede zwischen den Genres hier vollständig aufgelöst wurden.

Eine Feuertaufe

Die Aufführung der „Ba-Rock-Oper“ im Lahrer Parktheater war ursprünglich die Generalprobe für Auftritte des Ensembles in Bayreuth am kommenden Wochenende. Aus der Generalprobe wurde ein Konzert mit Anspruch. Das Barockorchester ist für den deutschen Jugendorchesterpreis nominiert. Zur Generalprobe waren Juroren gekommen.