Das Jugendtheater Rheinfelden von Tempus Fugit bei den Proben zu „Siehst du mich nicht?“ Foto: Veronika Zettler Foto:  

Im Georg-Büchner-Gymnasium Rheinfelden zeigen Jugendtheater und Musikschule das Stück „Siehst du mich nicht?“.

„Siehst du mich nicht?“, fragt das Jugendtheater Rheinfelden von Tempus Fugit gemeinsam mit der Musikschule am Sonntag, 15. März, im Georg-Büchner-Gymnasium. Und Georg Büchner hätte vermutlich seine Freude gehabt an dem Stück – könnte es doch unmittelbar der Gedankenwelt eines Woyzeck oder Lenz entsprungen sein. In der Ankündigung heißt es: „Die Geschichte ist traurig und dunkel. Es gibt kein Happy End.“

 

Eigene Texte

Schwarze Mäntel, Kerzenlicht, konzentrierte Mienen: Wer am Mittwochabend einen Blick in den Lichthof des Gymnasiums warf, traf auf eine intensive Probenatmosphäre. Für Paul Holler aus dem aktuellen Spielzeitensemble von Tempus Fugit ist es die erste Regiearbeit „mit allem Drum und Dran“, wie er erzählt. Schon als Schüler übernahm er Regieaufgaben in der Theatergruppe, nun ist ein ganzes Stück seine Baustelle.

Die Idee sei ihm „abends am Küchentisch“ gekommen, erzählt der 19-Jährige. Er wollte ein stimmungsvolles Theaterstück schaffen – anfangs mit dem Leitmotiv Kälte, das sich während der Arbeit ausweitete: „Kälte“, sagt er, „ist inzwischen eher ein Unterton, der dem Ganzen durchgängig Unbehaglichkeit verleiht.“ Vielmehr gehe es um emotionale Instabilität, Erinnerung und Leere – aber nicht ohne kleine Momente der Hoffnung. Inspiriert haben Holler vor allem Fantasy-Bücher. Die Texte stammen größtenteils von ihm selbst, teils auch aus der Feder der insgesamt acht Spielenden.

Im 45-minütigen Werk kehrt Hauptfigur Frederic (Julika Imhof) nach unbestimmter Zeit nach Hause zurück und durchlebt Erinnerungen an den abwesenden Vater – eine Figur, die nur gedanklich anwesend scheint. Die Mutter (Johanna Kübler, Hannah Feistkorn) und das Schwesterchen (Rebecca Pfeiffer) nehmen ebenso Gestalt an wie ein düsteres „Alpvolk“ – Wesen aus Alpträumen, verkörpert unter anderem von Emma Hobrecker, Jeremiah Heiler, Milo Zauritz und Magomed Leon Virgadamo: keine Figuren im klassischen Sinn, sondern körpergewordene Zustände, innere Stimmen, Schatten von Erinnerungen. Die offenen Treppenaufgänge werden dabei zur kafkaesken Kulisse. Ein Satz aus dem Stück bringt die Atmosphäre auf den Punkt: „Schon als er eintrat, brachte er sie mit – die Kälte.“

Spannende Projekte

Während Holler und Co-Regisseurin Casiopea Vaca Maldonado letzte Details verfeinern, bringt Theaterleiterin Karin Maßen ihre Erfahrung ein: „Lauter bitte, und das T deutlicher artikulieren“, ruft sie in den Raum. Auf der anderen Seite des Lichthofs probt parallel Augustin Nazzetta mit jungen Musikern der Musikschule Rheinfelden: Tarik Bagci (Klarinette), Tom Braun (Oboe), Lev Khudiakov (Klavier) sowie Maximilian Zamfir und Samuel Philipp (Gitarre). Bernward Braun, Leiter der Musikschule, wird die Aufführung zusätzlich am Klavier begleiten.

„Wir haben mit Tempus Fugit schon mehrfach zusammengearbeitet“, berichtet Braun. „Diese Projekte sind immer spannend, weil sich oft erst wenige Tage vor der Aufführung alles zum Ganzen zusammenfügen muss.“ Die Musik – mal konkret wie im Leiermann aus Schuberts „Winterreise“, mal als Klangflächen oder improvisierte Geräusche – spiegelt Frederics Innenleben wie das „Dröhnen der Stille“ und das Rauschen der Erinnerung wider.

Wenn die jungen Schauspielerinnen und Musiker am Sonntag, 15. März, um 19.30 Uhr das Ergebnis dieser intensiven Wochen öffentlich aufführen, wird das Gymnasium erneut zum eindringlichen Theaterraum.

Infos unter www.fugit.de.