Der neue Gemeinderat steht fest. Die Vertreter der neu- oder wiedergewählten Listen melden sich nun zu Wort. Ein Thema beschäftigt Räte gleichermaßen.
Aus der diesjährigen Gemeinderatswahl in Calw geht die Liste Gemeinsam für Calw (GfC) erneut mit acht von 26 Sitzen hervor. Zwar konnten sie, anders als zur letzen Wahl 2019 nicht an Plätzen zugewinnen, aber weniger geworden sind es immerhin auch nicht.
Jürgen Ott, aktuell Fraktionsvorsitzender im Gemeinderat (GR), zeigt sich im Gespräch mit unserer Redaktion „extrem glücklich und zufrieden, dass es uns, der GfC, wieder gelungen ist, mit Abstand stärkste Kraft zu werden“.
Das Ergebnis sehe er vor allem als eine Bestätigung für die bisherige kommunalpolitische Arbeit in den vergangenen fünf Jahren. Gleichzeitig sei es auch ein Ansporn, weiterhin eine bürgernahe und bürgerorientierte Kommunalpolitik zu gestalten.
Aus sechs Frauen von 26 Ratsplätzen werden zwei
Für Ott gibt es auch zwei Aspekte am Wahlergebnis, die er bedauerlich findet. Zum einen, dass es nicht viele junge Gesichter in den GR geschafft hätte. Darum sei er froh, dass zumindest „Philipp Schäuble, mit seinen 24 Jahren, es gelungen ist“. Zum anderen bedauert er, „dass der Frauenanteil im Gremium noch deutlich weiter zurückgegangen ist! Viel besser und wichtiger wäre es gewesen, dass der Anteil deutlich ansteigt“. Tatsächlich gab es im bisherigen GR sechs Frauen. In Zukunft sind es nur noch zwei. Die ersten beiden großen Listen sind ganz ohne Frauen besetzt.
Die Freien Wähler (FW) sind ebenfalls wie auch bisher mit sieben Mandaten im GR vertreten. Der Abstand, von dem Ott spricht, ist also zahlenmäßig gar nicht so groß. Der aktuelle Fraktionsvorsitzende der FW, Dieter Kömpf, stimmt Ott bei der Frauen- und Jungkandidatenthematik voll und ganz zu, als unsere Redaktion ihn zum Wahlausgang befragt. „Schade finde ich, dass der Frauenanteil im Gemeinderat geschrumpft ist und, obwohl viele junge Kandidaten und Kandidatinnen kandidiert haben, wenige von ihnen gewählt wurden“, fast er es zusammen.
Dennoch sei Kömpf zufrieden mit dem Ergebnis: „Wir konnten unseren Stimmenanteil im Gemeinderat halten und haben wieder sieben Sitze bekommen, auch im Kreis sind wir wieder mit drei Sitzen aus Calw vertreten“. Kömpf sagt abschließend, dass er sich auf die konstruktive Zusammenarbeit für Calw „mit den vielen neuen Gesichtern“ freue.
Der Neuzugang im Gremium
Fast ein Drittel der Personen im GR sind neue Gesichter. Eines davon gehört Ralf Recklies. Er sitzt in Zukunft gemeinsam mit Gudrun Mogler für die SPD im Gremium. Mogler war bisher für die Neue Liste Calw im GR. Und auch sie bedauert im Gespräch mit unserer Redaktion den geringen Frauenanteil: „Traurig macht mich, dass nun so wenige Frauen im Gemeinderat sitzen, obwohl so viele Frauen auf den Listen waren.“ Darum freut sie sich umso mehr, dass es viele Unterstützer gab, „die mir ihre Stimme gegeben haben. Ich weiß, dass es in diesen Zeiten gar nicht so einfach ist, sich zu positionieren und eindeutig zu entscheiden. Dafür bedanke ich mich. Das macht mich auch ein bisschen stolz.“
Mogler ist übrigens die einzige angefragte Gemeinderätin, die den Neuzugang anspricht: Erstmals in der Geschichte des Calwer Gemeinderats wird es in Zukunft auch zwei Sitze für die AfD geben. „Gerechnet hatte ich mit der AfD als neue Ratsmitglieder, also bin ich nicht besonders überrascht über diesen Fakt, so Mogler. „Wie ich damit umgehe, wird sich zeigen. Für mich persönlich steht die gute Entwicklung unserer Stadt wesentlich im Vordergrund. Ich will mich darauf konzentrieren und mich dafür einsetzen, nach wie vor.“
Grüne Liste ist nach 20 Jahren Pause dabei
Auch neu im Gremium, beziehungsweise nach 20 Jahren zurückgekehrt ist die Grüne Liste mit zwei Sitzen im GR. Einen davon konnte sich Johannes Schwarz, der bisher im Kreistag war, sichern. Auf Anfrage erklärt Schwarz: „Wir freuen uns, dass wir die Grünen im zukünftigen Calwer Gemeinderat vertreten dürfen“.
Auch Räte aus den gewählten Listen CDU, Die Linke und AfD wurden um ein Statement zum Wahlausgang gebeten. Diese lagen jedoch zum Redaktionsschluss nicht vor.