Immer wenn in Freudenstadt Sperrmüll ist, sieht es aus, als wäre eine Bombe eingeschlagen. Noch Tage danach liegt Müll auf den Gehwegen, der nie hätte auf den Sperrmüll gelegt werden dürfen. Nun zieht der Landkreis offenbar Konsequenzen.
Ob es Sperrmüllsammlungen in der jetzigen Form auch künftig noch geben wird, ist zumindest fraglich. Alternativ dazu käme nämlich auch eine kostenpflichtige Sperrmüllsammlung auf Abruf in Betracht. Kontrovers wurde dieses Thema nun im Technischen Ausschuss des Kreistags diskutiert.
Am Ende sprach sich nur eine Minderheit von fünf Kreisräten bei neun Gegenstimmen und zwei Enthaltungen dafür aus, das jetzige System beizubehalten. Die Mehrheit war damit für die Einführung einer kostenpflichtigen Sperrmüllsammlung auf Abruf. Der Ausschuss ist damit der Empfehlung des Abfallwirtschaftsbetriebs gefolgt. Die endgültige Entscheidung trifft aber der Kreistag.
Grund für die der Empfehlung vorausgegangenen Analysen sind die zum 31.März 2027 auslaufenden Verträge über Sammelleistungen für Restabfall, Bioabfall und Altpapier, die deshalb europaweit neu auszuschreiben sind. Die Verwaltung hatte deshalb die Firma Econum aus Stuttgart mit ins Boot geholt, um über das künftige Vorgehen zu entscheiden.
Abfuhr auf Bestellung
Das Ergebnis der Untersuchung präsentierte Jens Petschel von Econum im Ausschuss. Demnach verfügt der Landkreis zwar über ein leistungsfähiges und bürgerfreundliches Holsystem bei den Abfallsammlungen insgesamt, die Sperrmüll- und Möbelholzsammlung funktioniere aber nur suboptimal, bilanzierte der Experte. Der Grund: die Vermüllung des öffentlichen Raums vor, während und nach der jeweiligen Abfuhr. Genau das haben offenbar auch zahlreiche Bürgermeister rückgemeldet.
Empfohlen werde deshalb eine Abrufsammlung mit Expressmöglichkeit und Vollservice, die den Bürgern auch eine größere Flexibilität ermögliche. Das führe bei den Kommunen auch zu geringeren Kosten, da diese rechtlich verpflichtet seien, den bei den Sammlungen nicht abtransportierten Müll zu entsorgen, ergänzte Ulrich Hanfstein, der Leiter des Abfallwirtschaftsbetriebs.
Prozess wird digitalisiert
Zusätzliche Kosten durch die Vorsortierung des Sperrmülls nach der Abfuhr und vor der Verwertung würden dann auch vermieden. Auch Sammelplätze für die Müllabfuhr brauche man dann nicht. Aus Sicht des Abfallwirtschaftsbetriebs sei von Vorteil, dass man den Müllerzeuger bei Abrufsammlungen kenne, Gebühren könnten in dem Fall verursachungsgerechter erhoben werden.
Der gesamte Prozess werde digitalisiert. Anmeldungen erfolgten deshalb über die dann einzuführenden Bürgerdienste oder die Abfall-App. Im Anschluss werde der Gebührenbescheid an die jeweiligen Auftraggeber verschickt.
Dieter Bischoff (Freie Wähler) wunderte sich über den Änderungsvorschlag, zumal man vor nicht langer Zeit erst eine Umfrage durchgeführt habe, die zum Ergebnis gekommen sei, das bisherige und bewährte System beim Sperrmüll beizubehalten.
Alternativ komme aus Bischoffs Sicht eher eine nur einmalige Abfuhr pro Jahr in Betracht. Ihn störten auch die Kosten, zumal andere Landkreise die Abfuhr kostenlos anböten.
Neue Probleme befürchtet
Zudem gingen Bischoff und sein Fraktionskollege Wolfgang Kronenbitter davon aus, dass bei der Abfuhr auf Abruf Müll aus der Nachbarschaft einfach dazugestellt wird. Die Entsorgung dieses Mülls müsse dann auch noch der Auftraggeber bezahlen. „Da gibt es deshalb schon noch Diskussionsbedarf“, so Bischoff.
Uwe Hellstern (AfD) befürchtet, dass die Gebührenpflicht beim Sperrmüll auf Abruf zur illegalen Entsorgung und Wildablagerungen führen könnte „Das überzeugt mich deshalb gar nicht.“
Ferdinand Truffner (CDU) betonte, mit der Sperrmüllabfuhr auf Abruf positive Erfahrungen als Ortsvorsteher im Landkreis Esslingen gesammelt zu haben.
Auch Ernst Wolf (FDP) argumentierte für die neue und „innovative“ Lösung, die die Situation nachhaltig verbessere und künftig auch die alljährlichen Diskussionen um Kastenwagen verhindere.