Für zwei Jahre haben Dennis und Anastasia Schneider die Heimat Hallwangen gegen die 24-Millionen-Metropole Shanghai getauscht. Doch der Fußball kommt für beide nicht zu kurz.
China gehört nicht unbedingt zu den großen Fußballnationen. Trotzdem war dem Ehepaar Dennis und Anastasia Schneider klar, als es aus beruflichen Gründen für sie nach Shanghai ging, dass das Fußballspielen nicht zu kurz kommen darf. Dennis spielte jahrelang beim SV Wittendorf, vergangene Saison wechselte er aber zurück zu seinem Heimatverein SG Dornstetten, wo er Spielertrainer wurde. Anastasia kickt ebenfalls. Zuletzt bei der SG Glatten/Hopfau. Aufgrund der Geburt ihrer Tochter Lynn, trat sie allerdings kürzer.
Doch dann kam das einmalige Angebot. Über seinen Job bekam Dennis die Möglichkeit, für zwei Jahre nach Shanghai (China) zu gehen und musste sein Spielertrainer-Amt abgeben. Aber so lange ohne Fußball? Für beide war schnell klar: Auch dort wird gekickt. Allein schon um Anschluss in der Millionenstadt zu finden.
So spielt Dennis inzwischen bei den „Shanghai Krauts“. Ein vor 30 Jahren von Deutschen gegründetes Fußballteam. „80 Prozent im Team sind Deutsche. In der Liga spielen wir gegen andere europäische, aber auch gegen chinesische Teams“, erzählt der 29-Jährige. Allerdings wird auf ein Kleinfeld im Modus sieben gegen sieben gespielt. Immer auf Kunstrasen. Zweimal 25 Minuten. „Es gibt auch Großfeld Teams, aber dafür wären wir nicht genug.“
Zuletzt waren es zwölf Mannschaften in der Division B. Doch die „Krauts“ stiegen ab. „Das war ein bisschen unglücklich. Es wäre deutlich mehr drin gewesen“, sagt Dennis Schneider. Im September geht es wieder los. Aktuell ist Sommerpause, denn über drei bis vier Monate herrschen teilweise Temperaturen über 40 Grad und eine extrem hohe Luftfeuchtigkeit.
Treffpunkt beim Österreicher
Nach der Pause will der 29-Jährige wieder fit sein, der vier der Spiele wegen eines Muskelfaserrisses verpasst hatte. „Es macht echt Spaß. Wir sind eine super Truppe.“ Nach den Spielen trifft man sich immer in einem österreichischen Restaurant. „Da wir kein Sportheim haben, gehen wir immer dort hin.“
Trainiert wird einmal in der Woche. „Aber nicht wie bei uns. Es geht nicht wirklich um Taktik, sondern wir kicken halt.“ Die Liga bewege sich auf „Kreisliga A, maximal untere Tabellenhälfte Bezirksliga“-Niveau. „Manche Teams haben Ausnahmespieler, bei denen man dann gleich sieht, dass sie schon mal höher gekickt haben.“ Dagegen hat die Kleinfeld-Liga sogar Linienrichter, denn es wird mit abseits gespielt. Aber: „Die sehen gar nichts“, sagt Dennis lachend.
Das gibt es dagegen bei Anastasias Frauenteam nicht. Die 28-Jährige spielt beim FC Eagles. „Das war früher auch eine deutsche Mannschaft, bis alle abgereist sind. Inzwischen ist es international.“ Eine Deutsche hat sie im Team, der Rest sind Engländerinnen, Brasilianerinnen oder Spielerinnen direkt aus Shanghai. „Wir reden alle auf englisch. Aber das war am Anfang schon komisch mit den Kommandos. Was heißt Hintermann auf englisch? Bis ich überlegt hatte, war die Situation schon vorbei“, sagt sie lachend. Die „Eagles“ haben sogar den Aufstieg geschafft. Sie spielen nun in der Division I. Ana, die als Stürmerin spielt, freut sich über den herzlichen Empfang von ihrem Team.
Große Umstellung
Für die 28-Jährige war die Umstellung auf das Kleinfeld nicht ganz leicht. „Toll ist, dass man so viele Aktionen hat, aber technisch ist es anspruchsvoll. Außerdem hat man kaum Zeit und wenig Platz.“ Auch Dennis stimmt zu: „Ich freue mich wieder auf einen normalen Rasen und elf gegen elf.“
Der Dornstetter plant nach seiner Zeit in China wieder bei der SG einzusteigen. Den Aufstieg seines Teams hatte er mit einem lachenden und einem weinenden Auge verfolgt. „Ich habe das Spiel per Livestream gesehen und wäre gern dabei gewesen. Es fehlt mir Spielertrainer zu sein.“
Im Spätsommer wird die Familie Schneider der Heimat einen Besuch abstatten. Dann freuen sie sich unter anderem auch wieder auf das Essen. „Die chinesische Küche ist wirklich sehr sehr lecker. Aber ich will einfach auch mal wieder Spätzle“, sagt Anastasia. Und Dennis? „Ich hab einfach mal wieder Bock auf einen Döner.“