Die Elisabethschwestern waren zu Besuch in Oberweier, dem Geburtsort ihrer Ordensgründerin Mathilde Otto. Foto: Bohnert-Seidel

In diesem Jahr feiern die Elisabethschwestern ihr 100-jähriges Bestehen. Zu diesem Anlass hat die Gemeinschaft den Geburtsort ihrer Ordensgründerin Mathilde Otto in Oberweier besucht.

„Für uns ist das heute ein ganz besonderer Tag“, sagte Generaloberin Schwester Lincy aus Freiburg. Großes Interesse galt dem Geburtsort Oberweier und dem Ort, in dem die Ordensgründerin groß geworden ist. Mathilde Otto war die Tochter von Julius Otto und dessen Frau Katharina, geborene Himmelsbach, Tochter von Josef Himmelsbach dem früheren Holzhändler und Fabrikanten von Oberweier.

 

Im Handeln, Denken und in der Fürsorge steht bei den Elisabethschwestern stets die Familie, Mütter und Kinder, kranke, arme, und alte Menschen im Fokus. Daran hat sich seit der Ordensgründung im Jahr 1925 nichts geändert. Der klare Blick auf den Menschen und dessen Not, sei so aktuell wie vor 100 Jahren, betonte Ortsvorsteher Andreas Bix, der die Schwestern in Oberweier empfangen hat.

Historisch ist das Rathaus von Oberweier, es ist die „Villa Otto“ wie einige Oberweirer auch sagen. „Dass sie alle heute uns hier besuchen und ist eine ganz besondere Ehre für mich und unseren gesamten Ort“, erklärte der Ortsvorsteher.

Am 18. Dezember 1875 wurde Mathilde Otto in Oberweier geboren

Gekommen ist auch Josef Eisenbeis, der frühere und langjährige Vorsitzende des Förderkreises Oberweirer Heimatgeschichte, der die Schwestern bereits zu zahlreichen Anlässen im Heimatmuseum willkommen geheißen hat. Ulrich Weschle, der neue Vorsitzende, wartete im Heimatmuseum auf den Besuch der Schwestern, die im Rathaus nur eine kurze Stippvisite machten. Danach ging es ins Heimatmuseum und in die Kirche, in der Mathilde Otto Chorleiterin und Organistin war.

Ordensgründerin Mathilde Otto (1875 bis 1933) lebte nach dem Motto: „Den Gott der Liebe in sich tragend, um selbstlos zu dienen.“ Am 18. Dezember 1875 wurde Mathilde Otto in Oberweier geboren. Früh hat sie sich in der häuslichen Krankenpflege eingebracht. Sie besuchte ein Schwesternpensionat bei Genf. Nach der Internatszeit kehrte sie nach Oberweier zurück, um dort ihren Vater Julius Otto zu pflegen. Im Privatstudium bereitete sich Mathilde Otto auf die Lehrerinnenprüfung vor. In Oberweier war sie von 1891 bis 1907 in der häuslichen Krankenpflege tätig und ehrenamtliche Organistin in der St. Michaelkirche sowie Chorleiterin des Katholischen Kirchenchores von Oberweier. Nach dem Tod des Vaters zog sie mit ihrer kranken Mutter nach Freiburg und wurde im Jahr 1910 Vorsitzende des St. Elisabeth-Vereins Freiburg St. Martins.

Mathilde Otto gründete mehrere Gemeinschaften

1912 gründet sie das Freiburger Kapitel und wurde Vorsitzende. In der Hauptaufgabe erkennt der Verein, sich um kinderreiche und Familien in Not zu kümmern. 1914 nahm Mathilde Otto die Stelle der Jugendsekretärin beim Diözesan-Präsidium der katholischen, weiblichen Jugendvereine in Freiburg an und setzte sich für katholisch-soziale Frauenbildung ein. Vier Jahre später wurde sie Generalsekretärin der Elisabeth- und Frauen-Vinzenz-Vereine und Referentin für Armen- und Familienpflege beim Deutschen Caritasverband. 1919 zog Mathilde Otto in die Badische Nationalversammlung für die Deutsche Zentrumspartei ein. Schon ein Jahr später legte sie ihr Amt nieder, weil ihr für ihre Verbandsaufgaben zu wenig Zeit blieb. Vier Jahre bis 1926 gehörte sie dem Freiburger Stadtrat an und 1924 erhielt sie von Papst Pius XI das Ehrenkreuz „Pro Ecclesia et Pontifice“ für ihr soziales Engagement.

1925 gründete sie mit acht weiteren Schwestern die „Schwesternschaft St. Elisabeth“. Vier Jahre später gründete sie die Einrichtung des Wöchnerinnenheims für mittellose Mütter. Noch in der Gründungszeit des Elisabethordens erkrankte Mathilde Otto an Brustkrebs. Sie starb am 20. August 1933 und ist auf dem Freiburger Hauptfriedhof beigesetzt.

Ortsverwaltung

Das Rathaus in Oberweier wurde 1888 im französischen Stil von Julius Otto und seiner Ehefrau Katharina, geborene Himmelsbach, erbaut. In dem Gebäude ist Mathilde Otto aufgewachsen. Im Jahr 1952 kauft die Gemeinde Oberweier das Gebäude, um es als Rathaus zu nutzen. Heute ist es der Sitz der Ortsverwaltung Oberweier.