Helene Herzog liebt ihre Arbeit in ihrem Hofladen in der Lahrgasse. Foto: Bohnert-Seidel

Seit gut 35 Jahren betreibt Helene Herzog ihren Hofladen in der Lahrgasse in Friesenheim – erstmals wurde sie nun bestohlen. In ihre Kundschaft hat sie größtes Vertrauen, allerdings hat sie einen Tag vor der Plünderung ein eigenartiges Gespräch geführt.

„Noch nie ist etwas weg gekommen“, sagt die 84-Jährige gegenüber der Lahrer Zeitung. Am Freitag ist aus einem kleinen Pappbehälter das Münzgeld geklaut worden, das sie eigentlich nur als Wechselgeld für ihre Kundschaft bereithält. „Gut 20 Euro dürften es gewesen sein“, schätzt Herzog. Nachgezählt habe sie es nicht, aber sie weiß selbst wie viele Münzstücke, sich in der Regel in dem Behälter befinden.

 

Herzog kennt ihre Kundschaft und hat großes Vertrauen in sie. Ein Tag bevor Herzog der Diebstahl auffiel, habe sie eine seltsame Begegnung gehabt: Eine junge Frau sei auf den Hof gekommen, die gemeint habe, sie sei vom Zirkus, der sich am Bahnhof aufhalte. Geld habe sie erbettelt. Am Bahnhof war jedoch weit und breit kein Zirkus aufgeschlagen. Die Frau habe wohl den Hof in der Lahrgasse ausgekundschaftet und das Geld an sich genommen, vermutet Herzog. „Anders lässt sich mir das nicht erklären“, fügte sie hinzu.

Herzog wird an ihrem Konzept trotz des Vorfalls nichts verändern

Sie zuckte mit der Schulter und sagte: „Trotzdem werde ich nicht anders als bisher agieren.“ Generell vertraue sie den Menschen und wenn es jetzt nach 35 Jahren zum ersten Diebstahl gekommen sei, dann ist das eben so.

Der Hof der Friesenheimerin liegt offen und von allen Menschen einsehbar in der Lahrgasse. Kunden kommen, um dort unter anderem Kartoffeln, Eier, Gemüse, Äpfel, Petersilie, Salat, Zitronen, Orangen, Ingwer, Paprika oder auch Gurken zu erwerben. Wer Herzog und ihre Liebe zur Dekoration im Hof kennt, erheischt auch immer einen Blick in das historische Ambiente. Noch ist die Winterdekoration sichtbar. Sie schaute in den Hof und sagte: „Erst Ende März, Anfang April kommt wieder der Blumenschmuck.

Herzog liebt es mit den Menschen in Kontakt zu treten. Das Hoftor ist täglich schon frühmorgens geöffnet. Die Menschen sollen wissen, dass Herzog da ist. Trotz des Vorfalls habe sie das Vertrauen in die Menschen nicht verloren. Vorsichtig sei sie schon immer gewesen. Ans Aufhören denke sie nicht. Viel mehr liebe sie nach wie vor ihre Arbeit, die sie als solche nicht einmal bezeichnen möchte. Mal hier ein Schwätzle mit der Kundschaft, dort ein liebes und freundliches Wort. Herzog lachte herzhaft und sagte: „Das bleibt alles so, solange ich kann.“ Daran hindern sie auch nicht die Gehhilfen, die oben an der Treppe stehen oder unten im Hof griffbereit sind. Klagen kommen dieser Frau ohnehin nicht über die Lippen.

Das sagt die Polizei

Herzog hat den Vorfall nicht zur Anzeige gebracht. Die LZ hat dennoch einmal bei den Beamten nachgefragt, was man bei solch seltsamen Begegnungen machen kann. „Grundsätzlich schwierig, da Betteln allein noch keine Straftat ist“, erklärt ein Pressesprecher des Polizeipräsidiums Offenburg. Zu weiteren Vorfällen – bei denen Betteln im Zusammenhang mit anschließendem Diebstahl steht – sei es in der Region in jüngster Vergangenheit nicht gekommen. Kleinere Diebstähle bei Hofläden kämen aber immer mal wieder vor.