Prinzessin Alice war von Mai bis Juni 1876 in Wolfach zu Besuch. Foto: Wikicommon

Vor 150 Jahren verbrachte Prinzessin Alice von Großbritannien mehrere Wochen zur Kur in Wolfach. Briefe an ihren Mann schildern Eindrücke vom Kinzigtal.

Die englische Prinzessin Alice von Großbritannien weilte vor 150 Jahren zur Kur im Wolfacher Gasthof „Zur Krone“. Während ihres Aufenthalts vom 27. Mai bis zum 15. Juni 1876 berichtete sie täglich ihrem Mann, dem Großherzog Ludwig IV. von Hessen und bei Rhein (1837-1892) in Darmstadt, in Briefen von ihren Erlebnissen im Schwarzwald. Diese Briefe befinden sich heute im Großherzoglichen Familienarchiv im Hessischen Staatsarchiv Darmstadt und wurden durch den hessischen Historiker Jörg Schüttler transkribiert, der sich in den letzten Jahren intensiv mit dem Leben und Wirken der Prinzessin beschäftigt hat.

 

In ihrem ersten Brief schrieb Alice ihrem Mann, dass die Gegend ab Offenburg sehr schön sei, die Berge „sehr steil mit schmalen grünen Matten zwischen Wäldern“ und „sehr grün“. Wolfach sei wie so „viele kleine süddeutsche Städtchen“ mit einem „Brunnen in der breitesten Straße, wo dieses Haus“ stehe, ein „niedriges gewöhnliches Gasthaus“. Sie lobte das Mittagessen in der „Krone“, bemängelte jedoch die sehr altmodischen, niedrigen und spärlich möblierten Zim-mer.

Begleitet wurde Alice bei ihrem Besuch von ihrem damals achtjährigen Sohn Ernst Ludwig (1868-1937), dem späteren Großherzog von Hessen, und ging mit ihm beispielsweise zusammen einen „zig-zag-Weg den Berg hinauf durch ein Eichenwäldchen hinter dem Haus“, wo sie die „sehr hübsche Aussicht auf die zwei grünen Thäler“ genossen. In seinen Lebenserinnerungen schreibt Ernst Ludwig, dass er beim Wolfacher Fronleichnamsfest unbemerkt von hinten in den Altar in der Hauptstraße kroch, um alles genau ansehen zu können. Da der Priester lateinisch sprach, verstand er kein Wort und hatte dabei Angst, man würde ihn entdecken. Es ging aber alles gut aus und er konnte wieder unbemerkt herausschlüpfen.

Am 2. Juni 1876 fuhr Alice zusammen mit ihrem Sohn, ihrer Hofdame Katherine MacBean und deren Vater Colonel Forbes MacBean zum Tee das Kinzigtal hinauf. Sie sahen dort ein Floß, das gerade abfahren sollte. Prinzessin Alice stieg zusammen mit den MacBeans kurzerhand auf das Floß, um ein Stück mitzufahren. Die beiden Damen wurden dabei durch die Flößer, die vermutlich aus Schiltach stammten, unterstützt, damit sie nicht ins Wasser fielen, wenn das Floß über die Wehre fuhr. Ihr Sohn fuhr zusammen mit der Hofdame Emily Hardinge auf der Landstraße dicht nebenher in einer Kutsche.

In einem Brief an ihre Mutter Queen Victoria in London schrieb Alice am 7. Juni 1876, dass die Hitze in Wolfach außerordentlich sei. Die „wilden Blumen, von denen jedes Feld bedeckt“ sei, seien „wundervoller, als ich sie je irgendwo gesehen habe, solche Massen großer Vergissmeinnicht“. Die Bäche würden sehr den schottischen gleichen und sie „bewundere die Gegend sehr“. Der großen Hitze folgte in den Tagen danach kühles Regenwetter, das sich sehr negativ auf Alices Stimmung und Gesundheit auswirkte, weshalb sie am 15. Juni 1876 wieder nach Darmstadt zu ihrem Mann zurückkehrte. Zwei Jahre nach ihrem Aufenthalt in Wolfach starb Alice im Alter von nur 35 Jahren an Diphterie.

Zur Person

 Prinzessin Alice von Großbritannien und Irland (25. April 1843 - 14. Dezember 1878) war eine Tochter der britischen Königin Victoria und ihres Gemahls Albert von Sachsen-Coburg und Gotha. Durch ihre Ehe mit Ludwig IV. war Alice Großherzogin von Hessen und bei Rhein. Sie engagierte sich Alice für die öffentliche Gesundheitspflege und insbesondere um die Verbesserung der hygienischen Bedingungen für Wöchnerinnen. In Darmstadt gründete sie 1867 gemeinsam mit Luise Büchner den nach ihr benannten Kranken- und Armenpflegeverein. Unter Mitwirkung der Prinzessin entstand von 1866 und 1870/71 das Alice-Hospital Darmstadt.