Hotelgäste – hier die nachgestellte Szene einer Buchung – bekommen nicht mit, wie die Software von „Happyhotel“ die Preiskalkulation immer wieder an die Einflussfaktoren anpasst. Foto: Goltz

Das Start-up unterstützt Hotels, Umsatz und Auslastung zu maximieren. Den Gründern ist es nun gelungen, in einer Finanzierungsrunde 6,5 Millionen Euro einzusammeln

Steigende Kosten, schwankende Nachfrage, Personalmangel und die Abhängigkeit von Online-Buchungsportalen erschweren es vielen Betrieben, profitabel zu wirtschaften. Hier kommt „Happyhotel“ ins Spiel. Das Offenburger Start-up will Hoteliers mit automatisierter Preisoptimierung in Kombination mit Expertenwissen und künstlicher Intelligenz unterstützen.

 

„Happyhotel“ hat eine Software entwickelt, die mit Faktoren wie Hotel- und Marktdaten, Mitbewerber und Veranstaltungsdaten kontinuierlich die Preiskalkulation anpasst. Das Ziel: In Zeiten hoher Nachfrage werden die Zimmerpreise automatisch erhöht, bei niedriger Nachfrage werden sie abgesenkt – um möglichst einen hohen Umsatz zu erzielen, volles Haus zu gewährleisten.

Bereits heute optimiert das Unternehmen nach eigenen Angaben den Vertrieb von mehr als 50 000 Hotelzimmern in zwölf Ländern – und steigert damit den durchschnittlichen Hotelumsatz um rund 15 Prozent, so die selbstbewusste Ansage.

Bügelbrett muss als Schreibtisch herhalten

Angefangen hat beim 2019 gegründeten Start-up alles ganz klein in einer Wohnung im Friesenheimer Ortsteil Heiligenzell. „Damals haben wir nachts viel programmiert, weil wir noch Vollzeitjobs hatten“, erinnert sich Rafael Weißmüller, Geschäftsführer und einer der drei Gründer von „Happyhotel“, an die erste Zeit mit seinem Mittüftler Marius Müller.

Die beiden Wirtschaftsinformatiker arbeiteten teilweise die Nächte durch an dem Software-Prototypen, der später die Basis für „Happyhotel“ werden sollte. Beide kannten sich vom Fußball – Weißmüller wuchs in Schuttern auf, Müller in Friesenheim.

Die Wochenenden gehörten dem Austausch mit dem Dritten im Bunde – Betriebswirt Sebastian Kuhnhardt. „Wenn Sebastian da war, hat er in der ersten Zeit das Bügelbrett als Schreibtisch benutzt, weil ich nur zwei Schreibtischplätze hatte“, erinnert sich Weißmüller zurück.

Betriebswirt trifft auf Wirtschaftsinformatiker

Kuhnhardt war es auch, der die ursprüngliche Idee zum Produkt von „Happyhotel“ hatte. Auf der Hotelfachschule erkannte er, dass viele Hoteliers Probleme mit unklaren Preisgestaltungen hatten, berichtet Weißmüller. Der Hotelfachmann begann erste Versuche zur Kalkulation von Zimmerpreisen. Im elterlichen Hotelbetrieb sammelte er Erfahrung und erzielte erste Erfolge beim „Revenue Management“ – also Methoden zur Ertragsoptimierung.

Große Hotelketten haben dafür eigenes Personal, wieder andere Hotels binden sich zu dem Zweck an große Buchungsplattformen – sind dann aber nicht mehr unabhängig. Als Kuhnhardt schließlich im beruflichen Umfeld auf Weißmüller traf, war dieser sofort Feuer und Flamme für das Thema.

Foto: Lena Biegert

„Da hat er mich mit überzeugt und ich hab’ ihm gesagt: Da bauen wir ein Unternehmen draus“, sagt Weißmüller. Er hatte bis dahin zwar Erfahrung mit dem erfolgreichen Start-up Sevdesk des Schutterner Fabian Silberer – bislang aber nur als Mitarbeiter der ersten Stunde, nicht als eigentlicher Gründer. Das sollte sich nun ändern.

„Im ersten Corona-Jahr 2020 sind wir Vollzeit eingestiegen“, erinnert sich Weißmüller. Die ersten drei Jahre seien voller Herausforderungen und langer Tage gewesen. „Gründen tut schon auch weh“, sagt der 36-Jährige und lacht. Zunächst habe niemand außer den drei Gründern selbst so recht an ihre Idee glauben wollen. Der Austausch mit Hotels habe aber gezeigt, dass es einen Markt für ihre Software gibt.

Investor Carsten Maschmeyer ist beteiligt

Im Technologie-Park Offenburg bezog „Happyhotel“ erste eigene Räume – und ging von dort aus auf Wachstumskurs. Anfang 2021 sammelten die Gründer einen sechsstelligen Betrag von Investoren ein, im März desselben Jahres stieß das Team bereits auf den 100. Kunden an. Im Oktober 2023 folgte in einer mittlerweile dritten Finanzierungsrunde das erste Investment in Millionenhöhe: Insgesamt zwei Millionen Euro steckten Investoren, angeführt vom Start-up-BW-Innovation-Fond, in „Happyhotel“.

Im Februar 2024 knackte das Start-up die 1000-Kunden-Marke, kurz darauf folgte der Umzug in neue Büroräume. Unternehmer und Investor Carsten Maschmeyer – unter anderem bekannt aus der Vox-Sendung „Die Höhle der Löwen“ – ist laut Weißmüller bereits seit 2023 in „Happyhotel“ investiert.

„Als Gründer erlebt man schon ein Auf und Ab der Gefühle“, erklärt er mit Blick auf die vergangenen Jahre. „Immer wieder hat man auch Zweifel, ob die Software sich verkaufen lässt – etwa, wenn man gerade auf einen Kunden getroffen ist, der nicht positiv reagiert hat. „Jetzt wissen wir aber, wir haben ein funktionierendes Geschäftsmodell.“ Mittlerweile beschäftigt das Unternehmen 52 Mitarbeiter – und will noch größer werden.

KI-Agent soll komplexe Aufgaben übernehmen

In einer weiteren Finanzierungsrunde sammelte „Happyhotel“ nun 6,5 Millionen Euro ein. Angeführt wird diese Runde vom Venture-Capital-Fonds Reimann Investors. Auch bestehende Investoren wie der schon genannte Start-up-BW-Innovation-Fonds, „Seed and Speed Ventures“ sowie das „Family Office Wecken & Cie“ haben erneut investiert.

Mit dem frischen Kapital will „Happyhotel“ seine Expansion in Europa vorantreiben und investiert in die Weiterentwicklung seines „Commercial-KI-Agenten“. Der soll die professionellen Nutzer – etwa größere Hotels mit Mitarbeitern für das „Revenue Management“ – unterstützen, die richtigen Preis- und Vertriebsentscheidungen zu treffen, sukzessive komplexere Aufgaben übernehmen und schlussendlich Personal einsparen. Der KI-Agent analysiere in Echtzeit eine Vielzahl an Markt- und Nachfragedaten, berichtet Geschäftsführer Weißmüller, der für „Happyhotel“ ein klares Ziel vor Augen hat: „Wir wollen weltweit die Nummer eins im Bereich ‚Revenue Management‘ werden.“

Technologiepark

Das „Flow 1986“ ist Nachfolger des Technologieparks Offenburg. Am Mühlbach nahe der Innenstadt – deutlich zentraler als die alten Räumlichkeiten am Stadtrand – entstand auf 5000 Quadratmetern ein Projekt mit modernen Büroräumen, Hightech-Laboren, Co-Working-Spaces und Networking Areas. Das Gebäude richtet sich an Start-ups und Firmen, deren Geschäftsmodell technologieorientiert ist.