Tipsy Peucker vom Aktivierungshof bei Burladingen mit ihrem Pferd Avila. Foto: Kauffmann

Auch eine Spendenaktion hat dem Aktivierungshof auf der Ziegelhütte geholfen, die Coronazeit zu überstehen. Wie geht es dem Hof inzwischen?

Pferde grasen, Alpakas schauen neugierig, ein Hund bellt: Tipsy Peuckers Tierwelt auf der Ziegelhütte ist für Menschen gemacht, die Hilfe benötigen. Aber nicht nur: In den vergangenen drei Wochen machte sie mit Kindern ein Ponycamp als Ferienfreizeit.

 

In der Putzbox liegen noch die knalligen Fingerfarben, Bastelsachen sind auch noch da. Es sieht noch nach „ein bisschen Chaos“ aus, sagt Peucker beim Vor-Ort-Termin. „Ordnung ist das halbe Leben“, besagt ein Sprichwort, aber eben nur das halbe.

Peucker: „Wer hier her kommt, darf keine Angst haben, schmutzig zu werden.“ Es ist ein Ort, an dem sich Kinder ausprobieren dürfen. Wer auf den Baum klettert und Angst sollte dann doch lieber keine Angst haben, dass Flecken auf die Hose kommen. Peucker: „Sonst bleibt das Naturerlebnis auf der Strecke.“

Schwerpunkt liegt auf therapeutischem Angebot

Die Ponyfreizeit hat ihren festen Platz im Kalender, indes ist sie ein Ausnahmefall. Der Aktivierungshof spezialisiert sich seit Corona nämlich vor allem auf die therapeutische Arbeit mit den Tieren. Das ist konsequent, denn die Einzelhilfe war auch während der Pandemie möglich geblieben.

Seit Corona gibt es demnach kaum noch Angebote wie Reitkurse oder Ponyreiten. Peucker: „Wir sind jetzt ziemlich ausgebucht mit Therapie.“ Die Ponycamps sind daher „umso cooler“, weil sie ohne Therapieziel stattfinden, sondern einfach aus Spaß an der Freude.

Die Freude an der Arbeit mit Tieren und Menschen hat sich Peucker neu erkämpft. Als die Steuerberaterin vor Weihnachten 2021 der Hofinhaberin eröffnete, sie müsse die Corona-Soforthilfe zurückzahlen, zwar nicht der Gewinn, aber der Umsatz sei zu hoch gewesen, war das ein bitterer Moment für die Reitlehrerin. Zahlreiche Menschen zeigten sich solidarisch und nahmen an einer Spendenaktion teil. Peucker rückblickend: „Ich war mehr als gerührt.“

Tipsy Peucker hat die Zukunft im Visier

Dabei gibt es einen Wermutstropfen, den man erstmal fassen muss: Auf die Spenden musste Peucker auch noch Steuern zahlen. Sie habe jüngst die letzte Rate eines Kredits zurückgezahlt, den sie wegen der Corona-Ausfälle aufgenommen hatte. Sie hat die Zukunft im Visier.

Und die Zukunft ist es, die sie gemeinsam mit ihren „Co-Therapeuten“ – den Tieren – für die Patienten verbessern will. Menschen mit verschiedensten Lebensgeschichten suchen den Aktivierungshof auf. Da sind die, die ein Trauma erlitten, autistische Menschen, Kinder mit Selbstmordgedanken, Menschen, die misshandelt wurden.

Ein Kind mit ADHS, das sich nichts zutraut, kann neues Selbstvertrauen auf dem Rücken des Pferds schöpfen. Peucker: „Dann merkt das Kind, man traut ihm etwas zu.“ Es hat die ersten Erfolgserlebnisse, die Hoffnung auf Besserung geben.

Peucker ist im Hauptberuf Kunsttherapeutin. Sie ist darauf geschult, Krankheiten zu erkennen und Strategien zur Verbesserung zu entwerfen. Dazuhin hat sie eine Ausbildung zur Voltigierwartin absolviert. Sie ist also auch Reitlehrerin, hat neben den sieben Pferden aber auch zwei Esel, drei Alpakas, Ziegen, Schildkröten und Hühner – es ist eine Tierwelt, die Betroffenen neue Perspektiven eröffnet.