Die schwarze Kluft bei 30 Grad lässt keinen Zweifel: Diese zwei jungen Frauen sind auf der Walz. Da fragen wir doch mal nach, was sie zu erzählen haben.
Sie strahlen eine besondere Gelassenheit und Offenheit aus – neugierig auf das, was ihre Reise ihnen noch bieten wird. Kein Wunder also, dass wir die zwei jungen Frauen in traditioneller Handwerkskluft sofort ansprechen, als sie uns in der Rottweiler Fußgängerzone begegnen.
Theresa, 26 Jahre alt, und die 24-jährige Sophia sind seit knapp zwei Wochen gemeinsam unterwegs, wie wir erfahren. Die auf der Walz erfahrene Zimmerin Theresa hat Sophia bei ihrem Aufbruch zuhause in Dörrebach im Hunsrück abgeholt und ist mit ihr die Bannmeile gelaufen – hinaus auf die Walz.
„Ich bin Tischlerin“, erklärt Sophia auf Nachfrage. Denn so ganz schnell lässt sich das Gewerk in diesem Fall für den Laien nicht erkennen. Während für die 24-Jährige das Abenteuer jetzt erst beginnt und mindestens drei Jahre und einen Tag dauernd wird, ist Theresa aus Lollar – das liegt zwischen Marburg und Gießen – schon zwei Jahre und drei Monate unterwegs. Die beiden haben dann gleich noch eine weitere Kollegin in Freiburg abgeholt und auf den ersten Kilometern der Walz begleitet.
Ohne Handy und mit Kontaktverbot
Jetzt sind sie in Rottweil gelandet. „Wir kennen hier jemanden, bei dem wir übernachten können – und jetzt suchen wir grade was zu futtern“, schmunzelt Theresa. Mal kurz googeln, wo es etwas Leckeres gibt in der Stadt, das geht nicht. Beide haben kein Handy. Und Sophias Familie erfährt nun vielleicht erst durch dieses Interview, wo sie gerade ist. „In den ersten drei Monaten gilt Kontaktverbot“, sagt die 24-Jährige. Wie schmerzlich sie zuhause vermisst wird, weiß sie also nicht.
Mit ihrer Mentorin Theresa jedenfalls hat sie jemanden an der Seite, der die Walz-Tradition voll und ganz lebt. „Ich mache das auf jeden Fall länger als drei Jahre und einen Tag“, sagt die 26-Jährige. Diese besondere Freiheit, die sie jetzt hat, das könne man später nie wieder reproduzieren, sagt sie mit einem Strahlen.
Begeistert von der schönen Stadt
Und es hätte sie wohl sonst auch nie nach Rottweil verschlagen: „Das ist eine Hammer-Stadt. Also ich hab ehrlich gesagt noch nie vorher von Rottweil gehört – nur natürlich mal von Rottweiler Hunden. Ich hätte nicht gedacht, dass es hier so eine wunderschöne Innenstadt gibt“, schwärmt die Zimmerin. Und das Freibad hätten sie heute auch schon getestet. „Richtig schön“, so das Urteil.
Sie muss es wissen, denn sie hat schon viel gesehen. Auch im Ausland war sie schon mehrfach, unter anderem in Großbritannien, Polen, Frankreich, in der Schweiz und Österreich.
Nächstes Ziel ist der Bodensee
Das nächste Ziel für beide ist der Bodensee, verraten sie. Dort genießen sie noch einige Tage den Sommer, dann sind sie zu einem Fachwerkschnitzkurs angemeldet. Sich weiterbilden, dazulernen, das ist fester Bestandteil der Walz. Und die „Magie der Freiheit“, wie es Theresa ausdrückt, die übt auch auf viele Außenstehende eine ganz besondere Faszination aus. Wir wünschen weiter eine gute Reise.