Viele Szenen mit Brigitte Liebelt wurden ein ums andere Mal im Stadtarchiv in VS gedreht und aus vielen unterschiedlichen Perspektiven aufgenommen. Foto: Stadt VS/Nina Schmidt

Ein Hauch von Filmset-Atmosphäre gab es im sonst ruhigen Stadtarchiv an der Villinger Lantwattenstraße. Zwei Frauen standen im Mittelpunkt: Brigitte Liebelt und Margarete Hoffer.

Ein österreichisches Fernsehteam des ORF war vor Ort, um Szenen für eine Dokumentation über Margarete Hoffer, eine Widerstandskämpferin des Dritten Reichs, zu drehen.

 

Mit konzentrierter Präzision richtet der Kameramann seine Linse auf ein Kompaktregal, während sein Kollege das Mikrofon justiert. „Uuund bitte!“, schallt es aus dem Hintergrund, während die Neonröhren flackernd den Archivraum erhellen.

Inmitten dieser Kulisse betritt Brigitte Liebelt die Szene, kurbelt ein Regal auf und entnimmt eine Archivschachtel – eine von vielen sorgsam aufbewahrten historischen Quellen. „Danke – die Szene ist im Kasten!“

An Schwenninger Kirche

Margarete Hoffer, eine österreichische Theologin, die 1941 als Vikarin auf Kriegsdauer an die Johanneskirche in Schwenningen kam, spielte eine entscheidende Rolle im kirchlichen Widerstand. Sie unterstützte verfolgte Jüdinnen und Juden, indem sie ihnen durch die sogenannte „Württembergische Pfarrhauskette“ Schutz und eine Fluchtmöglichkeit über die Schweizer Grenze bot.

Der Kameramann des ORF macht eine Nahaufnahme aus der Zeitung „Der Schwarzwälder“ mit Schlagzeilen zum Anschluss Österreichs am 13. März 1938. Foto: Stadt VS/Nina Schmidt

Brigitte Liebelt, Diplom-Bibliothekarin, Mutter von sechs Kindern und Autorin, hat diese beeindruckende Geschichte in ihrem biografischen Roman „Die Vikarin – Margarete Hoffer – Widerstand im Dritten Reich“ verarbeitet. Ihre umfangreichen Recherchen führten sie auch ins Stadtarchiv nach Villingen. Dorthin wo sie auch während der Dreharbeiten in alten Zeitungsausgaben blätterte, Akten studierte und sich suchend durch die Regalreihen bewegte.

Geduldig wiederholte sie Abläufe, um verschiedene Perspektiven für die ORF-Dokumentation zu ermöglichen. Sie selbst sagt während der Dreharbeiten, dass sie sich nie erträumen hätte können, jemals vor der Kamera zu stehen.

Nach zwei intensiven Stunden, in denen zahlreiche Szenen mit historischen Dokumenten eingefangen wurden, packt das Filmteam sein Equipment zusammen und bricht zum nächsten Drehort auf.

Die fertige Dokumentation wird am 6. Mai im ORF ausgestrahlt und anschließend in der ORF-Mediathek verfügbar sein.