Vier Shelter auf dem Lahrer Flughafenareal werden derzeit abgerissen. Der Zweckverband IGP will dort auf einer Fläche von 44 Hektar ab 2028 neue Firmen ansiedeln. 29 Millionen Euro werden investiert mit dem Ziel, den Wirtschaftsstandort zu stärken.
Der aufmerksame Beobachter wird es bereits festgestellt haben: Im nördlichen Bereich des sogenannten „Startklahr“-Areals rund um den Flughafen tut sich etwas. Unter dem Einsatz von sehr großen Baggern werden derzeit vier Shelter – so die offizielle Bezeichnung für die Flugzeugbunker – abgebrochen. Wie der Zweckverband Industrie- und Gewerbepark Raum Lahr mitteilt, ist dies der sichtbare Auftakt für eine der größten Flächenentwicklungsprojekte im süddeutschen Raum.
Unter der offiziellen Bezeichnung „Bebauungsplan Industrie- und Gewerbepark Raum Lahr III“ beziehungsweise prägnanter „IGP III“ wird der nördliche Bereich des Westareals am Flughafen zwischen A 5 und Landebahn entwickelt. Für den Zweckverbandsvorsitzenden OB Markus Ibert ist die Entwicklung gerade vor dem Hintergrund der aktuell schwierigen, gesamtwirtschaftlichen Lage ein positives Signal für die Zukunft der gesamten Region: „Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen werden sich wieder verbessern und dann bieten wir mit diesen zusätzlichen 44 Hektar Nettobaufläche eine große Chance für ansiedlungswillige Unternehmen.“ Verbandsdirektor Daniel Halter erläutert hierzu: „Die Abbrüche dieser vier Shelter und die entsprechenden Flächenentsiegelungen sind der erste sichtbare Schritt für die Entwicklung des nördlichen Zweckverbandsgebietes.“
Die umfangreichen und vorbereitenden Planungen für die Entwicklung dieses Gebietes, so der Zweckverband weiter, laufen bereits seit mehr als drei Jahren – nur eben im Hintergrund. Dabei seien mehrere Fachplanungsbüros eingebunden. Halter führt weiter aus: „Dieses Projekt übertrifft in seiner großen Komplexität und aufgrund der vielen zum Teil neuen Themen alle bisherigen Flächenentwicklungsprojekte im ,Startklahr’-Areal.“
Flächenentwicklung erstmals auch auf Friesenheimer Gemarkung
Doch neben Friesenheim sind auch die anderen Nachbargemeinden Meißenheim und Schwanau eng in die konkreten Themenstellungen eingebunden, informiert der Zweckverband. Es gebe eine enge Abstimmung mit den Kommunen. Für Meißenheims Bürgermeister Alexander Schröder hat dies große Bedeutung: „Ich sehe die Entwicklung dieses Gebiets als ganz große Chance für die Region. Aufgrund der Größe ist es auch wichtig, dass die berechtigten Interessen der direkt angrenzenden Kommunen einfließen können. Daher ist diese Abstimmung, die wir praktizieren, grundlegend.“
Für die Entwicklung dieses Gebietes werden circa 29 Millionen Euro investiert, gibt der Zweckverband einen Einblick in die Finanzen. Das Geld werde benötigt um die Fläche zu erschließen, das heißt die Ver- und Entsorgungsleitungen zu legen, Entwässerungsbauwerke zu errichten und die Straßen- und Radwege zu bauen. Darüber hinaus müssen große Investitionen für den ökologischen Ausgleich und in Maßnahmen des besonderen Artenschutzes getätigt werden. So werden beispielsweise als Maßnahme mehr als 100 sogenannte Ersatzhabitate auf einer Gesamtfläche von 16 Hektar für Eidechsen angelegt, was alleine mit etwa 400 000 Euro zu Buche schlägt.
Diese Investitionen sind für Ibert die Grundlage für die Erträge von morgen: „Wir haben im vergangenen Jahr erstmalig die Ausschüttung des Jahresgewinns beschlossen und knapp 4,4 Millionen Euro an die Verbandsmitglieder ausgeschüttet. Dazu kommen Tausende Arbeitsplätze, die in den letzten Jahren im Zweckverbandsgebiet entstanden sind. Mit der Entwicklung dieser zusätzlichen Flächen werden durch die Ansiedlung von Unternehmen noch weitere Arbeitsplätze entstehen. Die Früchte wird dann die nachfolgende Generation ernten können – das ist für mich wirtschaftliche Nachhaltigkeit.“
Zweckverband stellt Zeitplan vor
Was ist das Zeitfenster für die Entwicklung? Den Aufstellungsbeschluss hat die Zweckverbandsversammlung am 29. November gefasst. Wenn weitere Punkte geklärt sind, soll im Laufe des Jahres die frühzeitige Beteiligung der Öffentlichkeit beschlossen werden, so der Zweckverband. Parallel werden ökologische und Maßnahmen des besonderen Artenschutzes vorangetrieben. Dies sei auch die Voraussetzung dafür, dass ab Mitte oder Ende 2026 in großem Stil mit den erforderlichen Abbruch- und Entsiegelungsmaßnahmen begonnen werden kann. Die Erschließungsarbeiten werden dann ab Ende 2027 beginnen, sodass wahrscheinlich ab 2028 die ersten Unternehmensansiedlungen möglich sind, schätzt der Zweckverband.
Die Gewinnausschüttung
Der Zweckverband hat im vergangenen Jahr erstmals seinen Jahresgewinn an die Mitgliedskommunen ausgeschüttet. Nach Lahr flossen dabei rund 2,1 Millionen Euro, Friesenheim erhielt knapp 680 000 Euro. Es folgten Kippenheim, Seelbach und Schwanau mit je rund 215 000 Euro. Ettenheim und Schuttertal konnten sich über rund 172 000 Euro freuen, nach Mahlberg, Meißenheim, Rust und Ringsheim flossen 129 000 Euro. Zudem wurden an den Ortenaukreis rund 158 000 Euro ausgeschüttet.