Das traditionelle Scheibenschlagen auf dem Kappelberg lockte Hunderte Menschen an, die das Schauspiel verfolgten. Foto: Bohnert-Seidel

Die Abteilung Heiligenzell der Feuerwehr Friesenheim lud erneut zur traditionellen Wintervertreibung auf den Kappelberg ein. Hunderte ließen sich das Schauspiel nicht entgehen.

Hunderte von Menschen aus der Großgemeinde und der Region sind am Samstagabend zum traditionellen Scheibenschlagen auf den Kappelberg in Heiligenzell gekommen. Jede Scheibe war begleitet von guten Wünschen, Zuversicht, Segen und Glück für die Menschen. In einem großen Halbkreis in Dreier- und Viererreihen versammelten sich die Menschenmassen um eines der größten Feuer in der Region. Es sind mehr Menschen gekommen, als die Feuerwehr nach den langen Regenfällen erwartet hätte.

 

Eingeladen hat die Freiwillige Feuerwehr Friesenheim, Abteilung Heiligenzell. „Ursprünglich war das Scheibenschlagen ein Brauch der Heiden zur Tag und Nachtgleiche, um die finsteren Wintergeister aus dem Ort zu vertreiben“, erklärte Abteilungskommandant Andreas Reichenbach zur Begrüßung der zahlreichen Gäste. Der Brauch wurde von den Christen übernommen und seither in der Nacht auf den ersten Fastensonntag gefeiert, weshalb er auch Funkensonntag genannt wird.

In Heiligenzell sind am Samstagabend ganz schön viele Funken in die Nacht geflogen. Die Funken ersetzten die Sterne, die am dunklen, teils wolkenverhangenen Himmel nicht zu sehen waren. Eine erste urkundliche Erwähnung eines Scheibenschlagens dürfte ins Jahr 1090 zurückdatieren, als im hessischen Lorsch der Einschlag einer fliegenden Scheibe ein Kloster niederbrannte, erinnerte Reichenbach.

Das Scheibenschlagen wurde schon 1090 urkundlich erwähnt

Nach der langen Regenzeit waren die Wiesen durchdrungen von Wasser und die glühenden Scheiben waren im Nu in der Feuchte des Grases verglüht. Trotzdem versammelten sich Kinder am Fuße des Kappelbergs, um eine Scheibe für sich aufzusammeln.

Paul Manach übernahm die Leitung des Scheibenschlagens und hat mit den Gästen das Angelusgebet gesprochen, das dem Entzünden des riesigen Strohkreuzes vorausgeht. Mitglieder der Feuerwehr haben das Strohkreuz in den Maßen vier auf neun Meter geschultert und begleitet vom Musikverein und einem endlos scheinenden Tross von Menschen, vom Feuerwehrhaus über die Waldstraße auf den Kappelberg geschultert. Oben auf dem Berg warteten neben vielen Menschen auch mehr als 1000 ausgediente Christbäume, um mit dem Strohkreuz lichterloh in Flammen aufzugehen.

Offiziell flogen 19 glühende Scheiben begleitet von den besten Wünschen für die Kirche, Vereine, Kranke, alte Menschen, Institutionen, öffentliche Einrichtungen und Menschen den Kappelberg hinunter. An den Anfang gestellt, wird stets der Segensspruch auf die Dreifaltigkeit. Paul Manach hat die Texte, Wünsche und Erinnerungen der Vereine und Institutionen vorgelesen. Die Menschen genossen es gemeinsam um das riesige Lagerfeuer zu stehen. Danach waren alle Gäste zur Gulaschsuppe ins Feuerwehrhaus in Heiligenzell eingeladen.