Johannes, Tamara und Jürgen Hummel (von links) bewirtschaften in Obereschach einen Hühnerhof. Foto: Birgit Heinig

Landwirtschaft sei immer ein Eingriff in die Natur, sagt Johannes Hummel. Diesen so verträglich wie möglich zu gestalten, dafür sei er Landwirt geworden.

Mit seinen Eltern betreibt er einen Hof in Obereschach, auf dem die Hühnerhaltung zum Schwerpunkt geworden ist.

 

Der 26-Jährige hätte auch Polizist, Metzger oder Landmaschinen-mechatroniker werden können, doch er entschied sich für einen Beruf, für den bundesweit gerade heftig demonstriert wurde.

Auch Johannes Hummel war mehrfach dabei, denn „mir macht die Arbeit Spaß, doch dass sie nicht wertgeschätzt wird, das finde ich schon zum Heulen“. Davon später mehr.

Seiner Ausbildung zum Landwirt folgte ein Praxisjahr, in dem er als Betriebshelfer andere Höfe unterstützte und auch drei Monate lang mit der Freundin Australien bereiste. Dann folgte die zweijährige Weiterbildung zum staatliche geprüften Techniker für Landbau in Nürtingen.

In elterlichen Betrieb eingestiegen

Vor drei Jahren stieg er offiziell in den elterlichen Betrieb ein. Jürgen und Tamara Hummel führen den Hof in dritter Generation, aber nicht in Vollzeit. Der 53-Jährige ist zu einem Drittel Betriebshelfer und den Rest eines stets langen Tages rund um den Hof im Einsatz, seine aus Epfendorf stammende Frau hat eine halbe Stelle im Rathaus von Königsfeld. Danach kümmert sie sich um die Buchhaltung und die Produktvermarktung.

Den einstigen Bullenmastbetrieb stellten sie auf Fersenmast (weibliche Rinder, die noch nicht gekalbt haben) um. Wirtschaftlich rechnet sich das zwar nicht, aber ihr Herz hängt an den Tieren, geben sie zu. Sie führen zudem einen Marktfruchtbetrieb, das heißt, produzieren Raps, Lupinen und Getreide sowie Kartoffeln und halten mittlerweile 1600 Hühner.

Idee zur Hühnerhaltung schon 2012

Die Idee zur Hühnerhaltung hatte ihr ältester der beiden Söhne, Johannes, schon 2012. Was mit 20 Tieren eher als Hobby und für den Eigenbedarf begann, wuchs sich in den vergangenen Jahren zum Hauptbestandteil des Hofes aus. Auf dem Gelände des Hofes steht ein Automat, außerdem beliefern sie viele Bäckereien, Metzgereien und Lebensmittelgeschäfte der Umgebung.

Johannes Hummel setzt auf Freilandhaltung – „das Tierwohl ist mir sehr wichtig“ - und baute dafür aus einem Baucontainer den ersten Stall selbst aus. Inzwischen stehen mobile Freilandställe etwas außerhalb des Ortes.

Nachfrage nach Eiern steigt

Jede Henne legt darin fast täglich ein Ei, rund 280 im Jahr, und die Nachfrage steigt. Besonders jetzt, zu Ostern, kann sie kaum gestillt werden. Die Tiere erhalten Futter aus dem eigenen Getreide und den Lupinen sowie genfreiem EU-Soja.

„Sie sind außerdem das ganze Jahr über draußen und dadurch kräftig und gesund“, sagt Tamara Hummel und Johannes ist davon überzeugt, dass auch die hofeigene Kreislaufwirtschaft dazu beiträgt. Die Kunden schätzen den Geschmack der Eier und stellen bei Lebensmittelunverträglichkeit fest, dass sie die Hummel-Eier bedenkenlos essen können. Im Hause Hummel gilt das Sechs-Minuten-Frühstücksei als der größte Genuss.

Agrarpolitik bereitet viele Sorgen

Zurück zur deutschen Agrarpolitik: Sie bereitet den Hummels die größten Sorgen. Es flattern immer neue Vorschriften auf den Tisch, deren Folgen zumeist schlechter ausfallen als das, was vom Gesetzgeber erreicht werden will.

Ein Beispiel von vielen: Das Verbot, Gülle auf gefrorenem Boden auszubringen, führt dazu, dass durch Fahrzeuge auf nassen und daher weichen Böden massive Schäden entstehen. „Ein vernünftiger Landwirt weiß, was für seinen Betrieb das Beste ist“, sagt Jürgen Hummel und schüttelt den Kopf. „Wir haben die Praxis gelernt, wer diese Vorschriften macht, wissen wir nicht.“ Besonders bitter sei, dass mit neuen Regelungen fast immer Mehrkosten verbunden seien, der Landwirt dadurch aber nicht automatisch mehr verdiene, beklagt sein Sohn.

Dass es gerade ruhiger im Lager der protestierenden Landwirte geworden ist, führt er darauf zurück, dass mit Beginn des Frühjahres jetzt keine Zeit mehr zum Demonstrieren sei. Außer dem erneuten Versprechen des Bürokratieabbaus, einer langsameren Fälligkeit der Agrardieselsteuer sowie der Abkehr von einer Landmaschinensteuer habe der Bauernstand nicht viel bewirkt.

Umbau des Hofes läuft

Entmutigen lassen sich die Hummels dadurch aber nicht. Im Gegenteil. Sie haben ein Ziel. In wenigen Jahren wollen sie als konventioneller Betrieb noch nachhaltiger und naturverträglich sein. „No till“ lautet das Schlagwort. Das bedeutet kompletten Verzicht auf Bodenbearbeitung, permanente Gründüngung und Direktsaat. Ein bisschen stolz ist die Familie darauf, dass sie damit in der Region als Vorreiter gelten. Der Umbau läuft.