Fotos von Anwohnern zeigen, dass die Katzen am Haus häufig missgebildete oder fehlende Augen haben, wie es bei der Katze hinten rechts der Fall ist. Foto: privat

In Kippenheimweiler sind Bürger besorgt über eine Katzenpopulation in der Wylerter Hauptstraße. Ihr Vorwurf: Obwohl die Tiere in einem schlechten Gesundheitszustand sind, wird ihnen zu wenig geholfen.

Die Katze ist eines der beliebtesten Haustiere in Deutschland. Doch was passiert, wenn es zu viele von den Samtpfoten an einem Ort gibt und sie sich unkontrolliert vermehren? Dieses Problem besteht offenbar auf einem Anwesen in der Wylerter Hauptstraße. Laut den Hinweisen einer LZ-Leserin werden dort Katzen in großer Zahl gehalten und gefüttert, von denen viele in einem sehr schlechten Gesundheitszustand seien.

 

Laut der Leserin sei ihr eine Katze von dort zugelaufen, die epileptische Anfälle bekomme. Ein weiteres Tier, dem sich eine Anwohnerin angenommen habe, sei taub. Einige Nachbarn hätten sogar tote Katzen in ihrem Hof gefunden. Die Leserin vermutet, dass es sich dabei um die Folgen von schlechter Haltung und möglicher Inzucht handelt. „Die Tiere leben unter Qualen“, sie hätten zum Teil Tumore, Räude und seien sehr mager, was auf Wurmbefall schließen lasse.

Unsauberes Fell und aus der Nase triefender Eiter sprechen für einen schlechten Gesundheitszustand dieser Katze. Foto: privat

Laut ihr habe das Veterinäramt 2021 eingegriffen und zwei der Katzen kastrieren lassen, doch würde sich die Lage seitdem wieder verschärfen: Allein im Herbst habe es zwei neue Würfe sowie einen weiteren im Frühjahr gegeben. Doch trotz der Katzenschutzverordnung, die seit August 2022 in Lahr gilt und durch welche das Ordnungsamt freilaufende Katzen kastrieren lassen könne, geschehe nichts – dabei stehe sie bereits seit Jahren mit dem Tierheim und dem Veterinäramt in Kontakt. Sie vermutet, dass das Ordnungsamt den Bewohnern des Hauses immer wieder neue Fristen zur Kastrierung der Tiere setze, ohne dass etwas geschehe – und deshalb auch das Tierheim nicht eingreifen könne.

Ein Besuch des Berichterstatters vor Ort zeigt, dass sich sehr viele Katzen direkt am Haus aufhalten: neun allein nahe der Haustür, darunter mehrere Jungkatzen. Ein weiteres Tier schaut aus einem Fenster. Auffällig ist, dass nicht nur mehrere Katzen ein ungepflegtes Fell haben, zwei von ihnen fehlt auch jeweils eine Auge.

Mehrere Tiere haben schwere Missbildungen

Dabei scheint es sich nicht um Einzelfälle zu handeln: Mehrere Anwohner haben unserer Redaktion Bilder von Katzen am Haus geschickt, die schockieren: Sie zeigen Katzen und ein Kätzchen mit schweren Missbildungen und Tumoren an Augen und Ohren. Einer Katze fließt Eiter aus der Nase, ein anderes Tier liegt scheinbar reglos und mit herausgefallener Zunge auf dem Boden. „Langsam übersteigt das sämtliche Vorstellungen – ich weiß nicht, ob das etwas mit Tierliebe zu tun hat“, erklärt ein Anwohner in der Nähe des Hauses. Er berichtet, dass die meisten Katzen erst nachts aus dem Haus gelassen werden – deswegen würden gerade Mitarbeiter von Ämtern bei Kontrollen nur Tiere zu Gesicht bekommen, denen es nicht ganz so schlecht geht. Auf mehrere Klingelversuche zwecks einer Stellungnahme reagierten die Bewohner des Hauses nicht.

Die Stadt erklärt auf Nachfrage, dass die Zuständigkeit für die Katzenschutzverordnung bei der Stadt liege, weshalb zunächst weder das Tierheim noch das Veterinäramt tätig werden könnten. Die Situation in Kippenheimweiler sei bekannt und „entsprechende Maßnahmen wurden und werden getroffen“. Genaueres sagt die Stadt mit Verweis auf den Datenschutz nicht.

Dieses Tier, das vor der Haustür gefüttert wird, hat neben einem unsauberen Fell mehrere Verletzungen im Gesicht. Foto: privat

Vom Lahrer Tierheim heißt es, dass der Fall bekannt sei, aber man sich nicht weiter dazu äußern werde. Eine ausführlichere Antwort gibt das Landratsamt, bei dem auch das zuständige Veterinäramt angesiedelt ist: Die Katzenpopulation sei durch Tierschutzmeldungen und amtstierärztliche Vor-Ort-Kontrollen bekannt. „Einige Tiere werden von den Haltern explizit als eigene Katzen bezeichnet und haben Zugang zur Wohnung. Daneben hält sich eine Population weiterer Tiere dort auf, deren Besitzverhältnisse unklar sind.“

Laut Landratsamt kommen „bei festgestellten Verstößen von Tierhaltern gegen das Tierschutzgesetz neben Belehrungen, Anhörungen, Verfügungen auch eine Fortnahme von Tieren in Betracht“. Bei „wilden“ Katzenpopulationen ohne ermittelbaren Halter sei es schwieriger, hier sei die Kommune in der Pflicht, die Katzenschutzverordnung umzusetzen. Zwischen dem Veterinäramt und der Stadt Lahr gebe es bereits Gespräche, heißt es. Genauere Auskünfte könnten nicht erteilt werden, da es ein laufendes Verfahren sei.

Info: Katzenschutzverordnung

Die Verordnung der Stadt sieht vor, dass freilaufende Katzen von ihren Haltern zu kastrieren sind. Unkastrierte Katzen, die draußen angetroffen werden und deren Halter nicht ermittelt werden kann, kann die Stadt kastrieren lassen. Seit Inkrafttreten der Verordnung im August 2022 seien sieben Katzen auf Veranlassung des Ordnungsamts kastriert worden, so die Stadt.