3,4 Millionen Euro fließen in die Sanierung der Helios-Arena – offenbar, weil sonst der Spielbetrieb gefährdet ist. Möglicherweise haben Fehlentscheidungen die Schäden beschleunigt.
Innerhalb eines Monats bringt die Kunsteisbahn GmbH (KEB) eine 3,4 Millionen Euro teure Maßnahme für die Helios-Arena auf den Weg, für die die Stadt bürgt. Wird die Brisanz und Notwendigkeit des Projekts von den Verantwortlichen heruntergespielt? Einiges deutet darauf hin, dass Fehlentscheidungen den Schadensverlauf der alten Betonpiste beschleunigt haben.
Schon seit Monaten häufen sich die kritischen Aussagen zur Eisqualität auf Bahn 1 in der Helios-Arena. Für die Profis der Schwenninger Wild Wings, die in der DEL auf perfekte Rahmenbedingungen angewiesen sind, ein Super-GAU. Immer wieder dringen Informationen von Krisensitzungen nach außen – über die Inhalte wird der Mantel des Schweigens gelegt. Klar ist nur: Die Probleme in der Helios-Arena sind massiv, könnten gar den Spielbetrieb gefährden. Das heißt es von gleich mehreren Stellen gegenüber unserer Redaktion.
Mehr noch: Die Zustände schränken mehrere Mannschaften, darunter aus dem Nachwuchsbereich, ein. Vor Heimspielen der Wild Wings, so wird berichtet, werde die Bahn 1 gesperrt. Aufgrund eines parallel laufenden öffentlichen Eislaufs auf Bahn 2 gebe es an einigen Tagen keine Ausweichmöglichkeiten. Die Folge: reduzierte Trainingszeiten für teils hochklassige Jugendmannschaften und damit einhergehend massiver Unmut hinter den Kulissen der Eisarena.
Für Insider kommt es schließlich nicht überraschend, als sich die KEB mit einer Pressemitteilung an die Öffentlichkeit wendet. Angekündigt wird eine 3,4 Millionen Euro teure Maßnahme, die unter anderem den Neubau der Betonpiste unter der Eisfläche beinhaltet. Dies habe sich aus Ergebnissen eines seit 2021 durchgeführten Monitorings ergeben, heißt es in der Mitteilung.
Warum wird die Maßnahme so schnell abgesegnet?
Überraschend ist hingegen: Es wird nicht näher begründet, warum die eigentlich erst für 2029 angepeilte Maßnahme nicht nur vorgezogen, sondern auch in Rekordzeit abgesegnet wird. Denn eine derart hohe Summe in wenigen Wochen vom Monitoring-Ergebnis bis zum Beschluss durch alle Gremien zu bringen, erscheint ungewöhnlich.
Die Rede ist von einer „Modernisierung des Untergrunds“ und einer „zukunftssicheren und nachhaltigen Sanierung, die aktuelle Qualitäts- und Sicherheitsstandards gewährleistet“. Offiziell wird nicht erläutert, welche akuten Schäden konkret den Zeitdruck erzeugten, die Maßnahmen noch in diesem Jahr durchzuführen.
KEB sieht „Zusammenspiel vieler Faktoren“
Recherchen unserer Redaktion machen deutlich, dass die Probleme vor wenigen Monaten massiv zugenommen haben. In einer Stellungnahme von Gregor Gülpen, der nicht nur Chef der Stadtwerke VS, sondern auch Geschäftsführer der KEB ist, heißt es dazu: In den vergangenen beiden Jahren habe sich herauskristallisiert, dass sich die Beschaffenheit der Betonpiste verschlechtert habe – seit Dezember 2025 sehe man nach den neuesten Analysen Handlungsbedarf.
Die Rede ist von feinen Rissen, über die sich das Wasser seinen Weg in die Betonschicht geebnet hat. Zudem habe sich die 60 Jahre alte Betonpiste angehoben. Weitere Faktoren wie die starken Regenfälle im Sommer, die sich auf die Beschaffenheit des Untergrunds auswirken, hätten ebenso Auswirkungen wie die Anhebung des Mooruntergrunds durch veränderte klimatische Bedingungen – und das alles gepaart mit einer hohen Frequenz beim Spiel- und Trainingsbetrieb. „Es ist also ein Zusammenspiel vieler Faktoren“, so Gülpen.
Wasser drückt sich durch die Matten
Wie unsere Redaktion erfuhr, halten jedoch Insider insbesondere eine Entscheidung für maßgeblich, warum es nun dringenden Handlungsbedarf gibt, um den Eishockeystandort zu sichern. So soll das erstmalige Sommereis auf Bahn 1 im vergangenen Jahr den Schadensverlauf im 60 Jahre alten Untergrund deutlich beschleunigt haben. Gleich von mehreren Stellen werden entsprechende Rückschlüsse gezogen.
Dafür sprechen demnach die Indizien: Für die Street Games sei die Kühlung, so wird aus verlässlichen Quellen berichtet, ganz offensichtlich nicht ausreichend eingestellt gewesen, sodass Kondenswasser durch die Abdeckmatten nach oben gedrückt wurde. Die Vermutung liegt nahe, dass sich das Wasser auch einen Weg durch die feinen Risse im Beton gebahnt hat – durch späteres Gefrieren könnte so der Druck auf das Betongefüge gestiegen sein.
Schäden im Beton durch Wassereintritt
Auch aus dem aktiven Bereich wird unserer Redaktion Entsprechendes berichtet: Grundwasser auf dem Beton habe nicht richtig ablaufen können und sei von oben ständig gekühlt worden. Experten sprechen in einschlägiger Fachliteratur von Frost-Tau-Wechseln, die insbesondere bei alten Betonplatten den Schadensverlauf durch Abplatzungen, Risse und Absackungen deutlich verschärfen können. Gerade in den Sommermonaten, wenn die äußere Temperatur deutlich höher ist als die Betontemperatur, könne so Tauwasser und Feuchtigkeit in die oberflächlichen Betonschichten eindringen und Schäden verursachen.
Hinsichtlich dieser Gefahren sollen Verantwortliche gewarnt worden sein – vor allem aufgrund der Tatsache, dass bei der 60 Jahre alten Betonpiste aufgrund der schwierigen Rahmenbedingungen bereits Vorschäden ersichtlich waren. Unsere Redaktion konnte jedoch nicht verifizieren, ob eine entsprechende Warnung tatsächlich ausgesprochen wurde.
„Sommereis nicht hauptursächlich“
Gregor Gülpen bestreitet in seiner Stellungnahme, dass in erster Linie die Eisaufbereitung im Sommer zu der prekären Situation geführt hat. „Das Sommereis sehen wir nicht als hauptursächlich für diese Maßnahme“, betont er abermals und verweist auf „das Zusammenspiel mehrerer Faktoren und die Tatsache, dass die Betonpiste nach knapp 60 Jahren ganz automatisch erneuert werden muss“.
Dass sich der Zustand ausgerechnet nach der erstmaligen Aufbereitung des Sommereises derart verschlechtert hat und es kurz darauf zu den beschriebenen Auffälligkeiten kam, steht hierzu im Gegensatz. Bemerkenswert ist außerdem, dass bei der nun geplanten Sanierung ausdrücklich ein Unterfrierschutz vorgesehen ist – ein Hinweis darauf, dass Frostprozesse im Untergrund technisch als relevantes Risiko berücksichtigt werden. Klar ist: Es muss schnell gehandelt werden, um den Eishockey-Standort zu sichern.