Die Polizei durchsuchte 18 Objekte in mehreren Landkreisen. Foto: David Inderlied/dpa

Einsatzkräfte haben am Mittwochmorgen Wohnungen von Mitgliedern der Neonazi-Vereinigung „Brothers of Honour“ durchsucht. Drei Beschuldigte sind aus der Ortenau.

Die Einsatzkräfte, unter ihnen auch Spezialkräfte, rückten in den frühen Morgenstunden in fünf Landkreisen an. Neben der Ortenau wurden auch im Landkreisen Karlsruhe, Sigmaringen und Waldshut sowie im Schwarzwald-Baar-Kreis Razzien durchgeführt. Die Ermittlungen richten sich laut der Pressemitteilung der Generalstaatsanwaltschaft Stuttgart und des Landeskriminalamts gegen Mitglieder der rechtsextremen Vereinigung „Brothers of Honour - Chapter Süddeutschland“.

 

Es handelt sich dabei um eine Nachfolgeorganisation der im Jahr 2000 verbotenen rechtsextremen Organisation „Blood & Honour Division Deutschland“.

Insgesamt werde gegen neun beschuldigte Männer ermittelt, so Oberstaatsanwalt Robin Schray im Gespräch mit unserer Redaktion. „Drei der Beschuldigten kommen aus dem Ortenaukreis“, erklärte Schray. Alle Beschuldigten seien deutsche Staatsangehörige. Insgesamt wurde 18 Objekte durchsucht. Neben Wohnungen auch Arbeitsplätze. Das habe den Hintergrund, das sei gängige Praxis, da die Beschuldigten am frühen Morgen bereits schon an ihrem Arbeitsplatz seien könnten, so Schray.

Nazi-Konzerte in der Ortenau veranstaltet

Den Beschuldigten im Alter von 35 bis 53 Jahren wird vorgeworfen, die verbotene Vereinigung mindestens seit dem Jahr 2022 unter dem Deckmantel der Vereinigung „Brothers of Honour“ fortgeführt zu haben. Unter anderem sollen sie seitdem eine Reihe von rechtsextremistischen Konzerten im Ortenaukreis und dem Schwarzwald-Baar-Kreis veranstaltet haben. Wo genau in der Ortenau die Wohnungen durchsucht wurden, könne er aus ermittlungstaktischen Gründen nicht sagen, erklärte der Oberstaatsanwalt. Das gelte auch für die Orte, wo die rechtsextremen Konzerte stattfanden.

In die umfangreichen Ermittlungsarbeiten des Staatsschutz- und Antiterrorismuszentrums des Landeskriminalamts und des Staatsschutzzentrums Baden-Württemberg der Generalstaatsanwaltschaft Stuttgart waren auch die Polizeipräsidien Offenburg, Freiburg, Karlsruhe, Konstanz und Ravensburg sowie das Landesamt für Verfassungsschutz mit intensiven Voraufklärungsmaßnahmen eingebunden.

Auch Waffen gefunden

„Vor allem eine größere Menge an Datenträgern wurde gesichert“, so Schray. Unter den beschlagnahmten Gegenständen befänden sich Kleidungsstücke mit Bezug zur Vereinigung, diverse NS-Devotionalien, ein NS-Dolch und eine Vielzahl sogenannter Rechtsrock-CDs, rund 50 elektronische Geräte, darunter circa 30 Mobiltelefone, mehrere Messer, Schreckschusswaffen, Schlagringe und sogenannte „Totschläger“, eine Armbrust mit Zielfernrohr sowie ein nicht geladenes Luftdruckgewehr.

Hintergrund

Bei der Organisation „Blood & Honour“ handelt es sich um ein international agierendes Netzwerk von zum Teil auch gewaltbereiten Rechtsextremisten. Gegründet wurde „Blood & Honour“ im Jahr 1987 in Großbritannien von Ian Stuart Donaldson, dem 1993 verstorbenen Sänger der Rechts-Rock-Band „Skrewdriver“. Ziele von „Blood & Honour“ sind die weltweite Koordinierung rechtsextremer Musik und Propaganda sowie die internationale Vernetzung der rechtsextremistischen Szene. Der Name ist eine Übersetzung des Mottos „Blut und Ehre“ der Hitler-Jugend. Die deutsche Division der Organisation (“Blood & Honour Division Deutschland“) war mit über zweihundert Mitgliedern eine der größten „Divisionen“ in Europa. Sie wurde am 14. September 2000 durch das Bundesministerium des Inneren und für Heimat verboten, da sie sich gegen die verfassungsgemäße Ordnung und den Gedanken der Völkerverständigung richtete.