Georg Barta verlor seinen Dackel Camillo nach einem mutmaßlichen Giftanschlag in Stammheim. Jetzt will er mit seiner Geschichte die Öffentlichkeit sensibilisieren.
Es war eine spontane Entscheidung von Georg Barta, eine neue Route für die tägliche Gassirunde zu wählen. Ein Weg in Calw-Stammheim, auf dem er und sein Dackel Camillo sonst selten unterwegs sind. Diese Entscheidung sollte fatale Folgen haben.
Denn genau dort wurden später Köder gefunden, die nach ersten Erkenntnissen mit Alpha-Chloralose präpariert waren. Ein Rattengift, das aus einer Mischung des Traubenzuckers Glucose und dem starken Narkosemittel Chloralhydrat besteht.
„Köder mit Rasierklingen in Gechingen – bitte achtet auf eure Hunde“
Offenbar kein Einzelfall. In dieser Woche warnte auch der Tierschutz Calw und Umgebung auf seiner Facebook-Seite im Internet: „Rattengift-Köder in Calw-Stammheim (Galgenberg) und Köder mit Rasierklingen in Gechingen – bitte achtet in diesen Gebieten auf eure Hunde.“ Einige Tiere seien bereits mit Vergiftungserscheinungen eingeliefert worden.
So auch Dackel Camillo.
Das Heimtückische an diesem Fall: Unmittelbar nach der Aufnahme des Giftes zeigte Camillo keinerlei Auffälligkeiten. Erst einen Tag später verschlechterte sich sein Zustand rapide. Es begann mit heftigem Erbrechen. Zu diesem Zeitpunkt kämpfte der Organismus des Tieres bereits gegen die fortschreitende Intoxikation.
Georg Barta suchte umgehend seinen Haustierarzt auf, der aufgrund der Schwere der Symptome und der bekannten Vorfälle in der Region sofort handelte. Seit Jahren gibt es in Calw und Umgebung immer wieder Berichte von Giftködern und vergifteten Tieren.
Der Tierarzt überwies den Dackel zur intensivmedizinischen 24-Stunden-Überwachung in eine Tierklinik. In der Klinik versuchten die Veterinärmediziner alles, um den kleinen Hund zu stabilisieren.
Da das Gift massiv in den Stoffwechsel eingriff, kam es zu einem fortschreitenden Organversagen, das sich klinisch durch eine Gelbverfärbung der Schleimhäute und der Ohreninnenseiten bemerkbar machte.
Mehrere Bluttransfusionen wurden demnach verabreicht, um den Zerfall der roten Blutkörperchen auszugleichen und das Leben von Camillo zu retten. Doch trotz des mehrtägigen Kampfes der Spezialisten reichten die Kräfte des Tieres nicht aus. Camillo starb.
Bereits acht Hunde unter ähnlichen Umständen verendet
Der Fall verdeutlicht die extreme Gefahr von Alpha-Chloralose: Der Wirkstoff, der eigentlich als Rodentizid gegen Mäuse zugelassen ist, führt bei Hunden zu einer lebensgefährlichen Störung der Thermoregulation und zu neurologischen Ausfällen – oft mit einer zeitlichen Verzögerung, die eine schnelle Hilfe erschwert.
Bereits acht Hunde seien in der vergangenen Zeit unter ähnlichen Umständen verendet, berichtet der Tierarzt – was auf eine gezielte Ausbringung von Giftködern hindeuten könnte.
„Warten Sie nicht ab“
Die Polizei hat davon indes offenbar noch keine Kenntnis. Wie Benjamin Koch, Leiter der Stabsstelle Öffentlichkeitsarbeit beim Polizeipräsidium Pforzheim, auf Nachfrage unserer Redaktion erklärte, seien in den vergangenen Wochen keine Vorfälle gemeldet worden.
Tierärzte raten dringend dazu, bei unklarem Erbrechen – auch wenn der Spaziergang bereits Stunden zurückliegt – sofort medizinischen Rat einzuholen. „Warten Sie nicht ab, ob es von allein besser wird“, warnt der behandelnde Haustierarzt. „Bei Alpha-Chloralose zählt der Faktor Zeit, auch wenn der Ausbruch der Symptome verzögert stattfindet.“
Georg Barta möchte mit seiner Geschichte die Öffentlichkeit sensibilisieren. Sein Verlust ist schmerzhaft, doch er hofft, dass andere Halter nun noch wachsamer sind, wenn sie mit ihren Hunden in den Wäldern rund um Calw unterwegs sind.