Mara Karcher (links) und Anna Gärtner unterstützen als Medizinstudentinnen die mobilen Impfteams und waren am Sonntag im Tailfinger Seniorenheim der Augustenhilfe im Einsatz. Foto: Eyrich

Seniorenheim sucht ehrenamtliche Helfer. Tailfinger Einrichtung feiert Jubiläum im kleinen Kreis.

Für Impfbereitschaft werben wollen die Mitglieder des mobilen Impfteams aus Tübingen, das am Sonntag in der Augustenhilfe Tailfingen im Einsatz war. Bei Heimbeirätin Ingeborg Maier haben sie offene Türen eingerannt.

Albstadt-Tailfingen - Silvia Merz ist dankbar: Noch kein einziger Covid-19-Fall ist in der zweiten Corona-Welle im Tailfinger Haus der Augustenhilfe aufgetreten, "und das soll auch so bleiben", betont die Hausleiterin. Bei der Routine-Testung im Frühjahr seien zwei Bewohner und eine Mitarbeiterin positiv getestet worden, dann habe man das Ganze aber im Griff gehabt und die Betroffenen seien genesen. "Ich hoffe, dass uns dieses Glück erhalten bleibt."

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Um das zu gewährleisten, müssen sich Mitarbeiter – 62 zählt die Tailfinger "Auguste" derzeit – zwei Mal pro Woche einem Schnelltest unterziehen, Bewohner dann, wenn sie Symptome aufweisen, und Besucher vor jedem Zutritt. Zeitlich sei das freilich aufwendig, und so suche die Augustenhilfe derzeit Ehrenamtliche, "sonst schaffen wir das personell nicht". Eine Zahnarzthelferin gehöre zu jenen, die sich bisher gemeldet hätten, doch alle würden entsprechend geschult, auch wenn der Test nicht kompliziert ist: Stäbchen in die Nase, Abstrich auf den Teststreifen, 15 Minuten warten, dann liegt das Ergebnis vor.

Im Café-Raum spricht die Ärztin Anne-Kathrin Salomon, die von den Medizinstudentinnen Anna Gärtner, Mara Karcher und Alisha Klostermann im mobilen Impfteam unterstützt wird, mit Bewohnern und Mitarbeitern, die sich impfen lassen, beantwortet alle Fragen. Sie will dazu beitragen, anhand wissenschaftlicher Fakten über die Corona-Impfung aufzuklären. Was sie von den Behauptungen bestimmter Gruppierungen halten, die "kein einziges Argument enthalten", lassen die Mitglieder des Impfteams durchblicken. "Wir wollen keine Werbekampagne machen, sondern eine Impfkampagne anhand wissenschaftlich fundierter Aufklärung", sagt Mara Karcher mit dem "guten Gefühl, etwas gegen die Pandemie zu tun".

Im Krankenhaus ist der persönliche Kontakt doch weitgehend verloren gegangen

Die Atmosphäre im Pflegeheim, den Kontakt mit den Bewohnern, genießen die vier Frauen: Im Krankenhaus gehe der coronabedingt doch weitgehend verloren, bedauert Alisha Klostermann.

Alle Vier sind schon selbst geimpft und haben dasselbe beobachtet wie ihre bereits geimpften Bekannten: dass der Impfstoff "sehr gut verträglich" sei. Kurzzeitige Schmerzen im Arm, in den die Nadel gesetzt wurde, seien das einzige gewesen, so Salomon. "Aber das ist nach jeder Impfung normal."

75 Prozent der zurzeit 58 Bewohner und 33 Prozent der Mitarbeitenden würden geimpft, berichtet Silvia Merz. Zu Ersteren zählt Ingeborg Maier, die im Heimbeirat mitarbeitet und andere Bewohner motiviert hat, sich impfen zu lassen: "Das ist doch besser, als wenn ich Corona bekäme", sagt die gebürtige Tailfingerin entschieden. "Ich bin froh, dass es jetzt so weit ist." Denn die 88-Jährige vermisst nicht nur Besuch – zwei Söhne und zwei Töchter hat sie –, sondern auch ihre Ausflüge in die Innenstadt. "Im Garten laufen, immer im Ring herum, das kann ich nicht mehr", sagt Ingeborg Maier mit Blick auf die Eintönigkeit. Doch die Spaziergänge seien wichtig für ihre Gesundheit, sie selbst dadurch wieder fitter geworden.

Ingeborg Maier hofft auf ein Ende der Pandemie – und will selbst dazu beitragen

Derzeit, da der Schnee hoch liegt, ist auch kein Spaziergang im Garten möglich, und so bleiben Ingeborg Maier nur das Sonntagskonzert – schöne Operetten gibt es da zu hören – und ab und an das Gespräch mit dem Sohn einer inzwischen verstorbenen Mitbewohnerin, um die sie sich auf Bitten des Sohnes mit gekümmert habe. "Daraus ist ein schöner Kontakt zu ihm entstanden", berichtet sie lachend.

Etwas Ähnliches wie die Coronavirus-Pandemie hat Maier noch nie erlebt und hofft, dass es bald vorbei ist. "Am 7. Februar werde ich zum zweiten Mal geimpft", berichtet sie und hofft, im Frühjahr wieder in die Stadt spazieren zu können.

Das kleine Jubiläum der Tailfinger "Auguste" ist indes nur im kleinen Rahmen begangen worden: "Am 13. Januar vor 20 Jahren sind wir mit 29 Bewohnern aus Ebingen hierher umgezogen", erinnert sich Silvia Merz noch genau: Es war ein "herrlicher Samstag" – und ihr Geburtstag. "Drei Kolleginnen der ersten Stunde und ich sind heute noch dabei", sagt Merz und ist dankbar, dass alle ihre Kollegen – auch in ihrer Freizeit – sehr vorsichtig seien, um sich nicht mit Covid-19 zu infizieren. Denn das Glück gesunder Bewohner und Mitarbeiter – es soll dem Haus auch 2021 hold bleiben.

Am Sonntag hat das mobile Impfteam dazu beigetragen und dabei die Atmosphäre im Haus sehr genossen, wie die Frauen betonen. Sie alle waren schon mehrfach im Einsatz, treffen sich dann immer um 7.30 Uhr und reisen zusammen an. Wie lange werden sie mitarbeiten? "So lange es dauert", sagt Anne-Kathrin Salomon. Dann wendet sie sich der nächsten Impf-Kandidatin zu und klärt sie auf: auf Basis wissenschaftlicher Fakten, also so, wie es sein soll.

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