Julian Schuster geht in seine zweite Saison als Cheftrainer des SC Freiburg und wird erneut viele schwierige Personalentscheidungen treffen müssen. Foto: Harry Langer/dpa

Es ist offiziell: Ritsu Doan wechselt vom SC Freiburg nach Frankfurt. Sein Abgang reißt eine Lücke und bedeutet für den Trainer Julian Schuster: Viele schwere Entscheidungen.

„Ritsu war auf und neben dem Platz ein wirklich besonderer Spieler für uns.“ Mit diesen und weiteren netten Worten verabschiedete Jochen Saier, Sportvorstand beim Bundesligisten SC Freiburg, am Donnerstagmorgen Ritsu Doan in Richtung Eintracht Frankfurt.

 

Der Japaner kam 2022 in den Breisgau, nun macht er den nächsten Schritt und hat beim hessischen Champions-League-Teilnehmer einen Vertrag bis 2030 unterschrieben. „Er hat sein Spiel in den letzten drei Jahren eindrucksvoll komplettiert und unseres damit spürbar bereichert“, sagt Saier, wünscht Doan „persönlich sowie sportlich nur das Beste“ und bedankt sich „für die tolle und so erfolgreiche gemeinsame Zeit“.

Es ist das letzte Kapitel in einem Transfer-Poker, der sich über Monate hinzog – und nun zur Zufriedenheit der drei Parteien beendet ist. Die Frankfurter bekommen ihren Wunschspieler für den rechten Flügel, der SC Freiburg Berichten zufolge eine Sockelablöse von 21 Millionen Euro und Doan selbst spielt kommende Saison mit der Eintracht erstmals in seiner Karriere in der Königsklasse.

Topspieler der Vorsaison muss ersetzt werden

Auf SC-Trainer Julian Schuster, der im vergangenen halben Jahr mehrfach betont hatte, dass er Doan gerne halten würde, wartet nun die große Aufgabe, seinen Topspieler der vergangenen Saison (zehn Tore, acht Assists) zu ersetzen. Einfach dürfte das nicht werden, Spieler dieser Kategorie gibt es in der Bundesliga nicht allzu viele. Das weiß man auch beim SC, Steine legte man Doan aber nicht in den Weg.

Künftig bei Eintracht Frankfurt aktiv: Ritsu Doan. Foto: Philipp von Ditfurth/dpa

Frühzeitig mit Neuzugängen für Alternativen gesorgt

Stattdessen haben Saier und Co. bereits früh für Alternativen gesorgt. Bereits im Winter kam Jan-Niklas Beste aus Lissabon, im Sommer wurden zudem Yuito Suzuki (Bröndby IF), Cyriaque Irié (ESTAC Troyes) und Derry Scherhant (Hertha BSC) verpflichtet. Alles Spieler für die Offensive, wobei Scherhant eher für die linke Seite als Herausforderer von Topscorer Vincenzo Grifo vorgesehen sein dürfte.

Viele Spieler für wenige Positionen im Kader

Doch auch so: Schuster dürfte bei der Zusammenstellung seiner Startelf Woche für Woche die Qual der Wahl haben. Denn neben den Neuen gibt es auch im Kader der Vorsaison Alternativen für den Flügel, etwa Eren Dinkci.

Und dann wären da noch Merlin Röhl, Johan Manzambi, Lucas Höler, Junior Adamu und der neue Mittelstürmer Igor Matanović, die alle auf Einsatzzeiten hoffen.

Tennenbronner Christian Günter auf dem Weg zum Rekordspieler?

Nicht umsonst prophezeite Kapitän Christian Günter aus Tennenbronn zuletzt ein „Hauen und Stechen“ um die Plätze in der Startelf und „schwierige Entscheidungen“ für seinen Trainer. Diese musste er schon in der Vorsaison – seiner allerersten als Cheftrainer – immer wieder treffen und gestand, dass das nicht spurlos an ihm vorbei gehe.

Durch das Angebot in der Offensive – und den Abgang des Stammspielers Doan – dürften die Härtefälle sogar mehr werden. Auch in der Abwehr, wo Max Rosenfelder und Neuzugang Philipp Treu (Schulterverletzung aus dem Test gegen den HSV) den Start wohl verpassen werden.

In der Abwehr zeichnet sich zum Start eine Tendenz ab

Lukas Kübler dürfte dementsprechend hinten rechts spielen, das Innenverteidiger-Duo Matthias Ginter und Philipp Lienhart scheint ebenfalls gesetzt. Offen ist die Position des Linksverteidigers. Jahrelang war Günter hier felsenfest gesetzt, im Saisonendspurt bekam zumeist Jordy Makengo den Vortritt. Er werde sich „maximal anbieten“, sagte Günter zum Start in die Vorbereitung zum Konkurrenzkampf auf seiner Position.

Ihm selbst fehlen noch zwölf Pflichtspiele für den Sport-Club, um Freiburger Rekordspieler zu werden. Eine Zahl, die Günter angesichts von mindestens 43 Spielen in dieser Saison (Bundesliga, Europa League und DFB-Pokal) erreichen dürfte. Zumal er nach einer guten Vorbereitung zum Saisonstart gegenüber Makengo wohl die Nase vorn hat.

Erneut schwere Entscheidungen für den Trainer des SC Freiburg

Der volle Kader mit einem Überangebot an potenziellen Stammspielern ist daher mit Blick auf die Dreifachbelastung in der Saison durchaus gewollt. „Doppelt gut besetzt“ und „enge Entscheidungen für den Trainer“ – so formulierte es Saier schon zum Trainingsauftakt vor gut einem Monat.

Auch in seinem zweiten Jahr an der Seitenlinie wird Schuster also – nicht nur – bei Personalentscheidungen wieder gefordert.