Die Lage der größten Stadt im Zollernalbkreis gefällt dem Schweizer Rabona. Die Atmosphäre hingegen nicht. Foto: Sophie Holzäpfel

Albstadt und Balingen im Check: Ein Schweizer Influencer mit dem Profilnamen „hallorabona“ sorgt mit deutlicher Kritik im Zollernalbkreis für Wirbel.

Der junge Schweizer rückt die Sonnenbrille noch einmal zurecht, wendet das Gesicht der Sonne zu. In der Hand hält er ein kleines Mikrofon. Im Hintergrund plätschert die Eyach, Menschen gehen vorüber. Rabona ist zum ersten Mal in Balingen. Seine Eindrücke hält er in einem kurzen Video auf Instagram fest.​

 

Auf seinem Hauptkanal folgen ihm knapp 50.000 Menschen. „Ein chilliger Vibe hier in Balingen, gefällt mir sehr“, sagt er und schickt ein Lächeln hinterher. 5300 Menschen haben das Reel geliket, fast 500 haben es kommentiert (Stand 24. März).

„Balingen ist zauberhaft“, „Wir lieben den Vibe in unserem Städtle“ und „Balingen ist die schönste Stadt in Deutschland“ ist in der Kommentarspalte zu lesen. Doch während sich viele in Superlativen überbieten, melden sich auch Nutzer zu Wort, die Rabonas Eindruck deutlich widersprechen. „Ich bin von Balingen in die Schweiz gezogen und würde nie wieder zurück“ und „Vergiss Balingen! Auf nach Albstadt! Albstadt ist in jeder Hinsicht besser als Balingen.“ Das sieht der Influencer anders.

„Irgendwie ist die Stimmung hier ein bisschen komisch“, kommentiert er die Atmosphäre in der größten Stadt des Zollernalbkreises. Dann wird er deutlicher: „Ein bisschen abgefuckt.“ Rabona steht auf dem Albstädter Bürgerturmplatz und blickt kurz um sich. „Sich nur im Brennpunkt aufzuhalten und eher Negatives zu zeigen, zeigt halt nicht alles“, kritisiert ein Nutzer unter dem Post.

Die ersten zwei Attraktionen: „Hallenbad und Albquarium. Ist wahrscheinlich so was wie SeaWorld“, mutmaßt er. Dann die Enttäuschung: Nur Barzahlung oder via PayPal. Kopfschüttelnd verlässt er das Badgelände. Immerhin: Die Umgebung gefällt ihm. „Erinnert mich bisschen an die Schweiz“, kommentiert er die Lage von Albstadt.

Ein Nutzer berichtet, er habe Albstadt bewusst gemieden und die Stadt schließlich verlassen. Die Bezeichnung „abgefuckt“ treffe es aus seiner Sicht „leider sehr gut“. Eine weitere Person schreibt: „Das Albaquarium ist super schön und wird in lieber Detailarbeit von Ehrenamtlichen betrieben. Außerdem kostet es nicht viel.“ Ein weiterer Nutzer bemerkt: „Albstadt ist ein Natur- und Tourismusparadies, herrliche Berge und Traufgänge mit beeindruckenden Aussichten und eine starke regionale Gemeinschaft zeichnen uns aus.“

So reagiert OB Roland Tralmer

Albstadts Oberbürgermeister Roland Tralmer reagiert auf das Video und die Kritik mit einer Einladung: „Ich werde dem Herrn gerne mehr zeigen als die 600 Meter Luftlinie, die er offenkundig in der Eile bei schlechtem Wetter lediglich sehen konnte.“ Dafür nehme er sich auch die notwendige Zeit, um mit Rabona die Atmosphäre der schönen Landschaft zu genießen und einige spannende Dinge anzusehen. Etwa das Kunstmuseum, der Kräuterkasten und der alljährliche Albstädter Band Sommers auf dem Bürgerturmplatz. „Dann wird sicher feststellbar sein, dass wir auch ganz nett hier sind und so gechillt, wie es sich der Influencer nur wünschen kann. Besichtigen könnten wir dann auch alle Ortsteile, denn in jedem gibt es spannende Dinge zu entdecken.“

Was sind die persönlichen Highlights in Albstadt? Der Rathauschef sagt: „Das hängt von meiner jeweiligen persönlichen Befindlichkeit ab. Unsere wunderbare Landschaft lädt ein zu Wanderungen am Albtrauf und spendet Ruhe. Unsere Museumslandschaft bietet ein vielfältiges Programm von unterschiedlichsten Kunstausstellungen bis zum Maschenmuseum.“

Zum „Chillen“ im Sommer empfiehlt er die Außengastronomie, etwa im Hof in Ebingen. Langeweile komme dabei nicht auf, und auch das vom Influencer erwähnte „Albaquarium“ schätze er sehr, so Tralmer. „Schade, dass nicht von drinnen berichtet wurde.“

„Gediegen und sehr belebt“

Während Albstadt bei dem Schweizer durchfällt, bekommt Balingen von ihm fast schon Bestnoten. Als „gediegen“ und „sehr belebt“ beschreibt er die Eyachstadt beim Durchschlendern. Das Setting: Rabona streift nun durch die Stadt auf der Suche nach einem Döner, der den Schweizer Gaumen überzeugt. Kritisch begutachtet er das Exemplar, das er sich schließlich bei „Antalya“ im Zentrum holt. Zu viel Salat, zu wenig Fleisch, so sein erstes Urteil. Okay, aber auch nichts Spezielles, resümiert er wenige Sekunden später. Das Stichwort Döner regt die Zuschauer zu Diskussionen über den besten Imbiss der Stadt an – die Meinungen sind gespalten.

Und schließlich kommt auch ein altes Vorurteil zur Sprache: „Die mit BL-Kennzeichen habens net so mit Fahren, mach immer en Bogen um die mit BL-Kennzeichen.“ Rabona schmunzelt, nimmt noch einen letzten Blick auf die Eyachstadt und zieht weiter – mit vielen Eindrücken, einem halben Döner und einem Instagram-Video, das die Stadt aus seinem Blickwinkel zeigt.