Immer öfter werden Automaten das Ziel von Kriminellen. (Symbolfoto) Foto: Balint Radu - stock.adobe.com

Ob Sprengung oder Aufbruch: Die Selbstbedienungsbereiche von Banken werden immer öfter Ziel von Kriminellen – auch im Nordschwarzwald.

Eisingen im Enzkreis ist ein Dorf mit gut 4700 Einwohnern. Mit Supermarkt, Apotheke, Sparkasse- und Volksbankfiliale. Letztere liegt an der Ortsdurchfahrt – und ist jüngst Ziel von Einbrechern geworden. Vor rund einem Monat sind Unbekannte nachts in die Räume der Bank eingedrungen und haben den Bankautomaten ausgeraubt. Sie entwendeten Bargeld im niedrigen sechsstelligen Bereich. Allein der Sachschaden beläuft sich auf rund 50 000 Euro.

 

Wie die Täter in die Bank gelangten? Das war zunächst unklar. Inzwischen sagt die Polizei: „In Anbetracht der noch laufenden Ermittlungen können wir diesbezüglich keine Auskünfte erteilen.“ Ähnlich antwortet Christian Koch, Pressesprecher im Polizeipräsidium Pforzheim, auf die Frage, wie die Diebe es schafften, den Automaten zu knacken. „Aus ermittlungstaktischer Sicht“ könne er keine Angaben machen. Lediglich eines lässt die Polizei heraus: „Eine Sprengung erfolgte im vorliegenden Fall nicht.“ Der Pressesprecher der Volksbank pur geht offener mit der Angelegenheit um: Der Automat wurde aufgebrochen.

Situation

Die Tat in Eisingen passt zu einer Reihe weiterer. Immer öfter werden Bankautomaten, auch im Südwesten, Ziele von Dieben, oftmals verwenden diese Sprengstoff. „Das Sprengen von Geldautomaten ist seit wenigen Jahren ein Kriminalitätsphänomen, das den ,klassischen’ Banküberfall nahezu abgelöst hat“, teilte das baden-württembergische Innenministerium Ende Januar mit. Geldautomaten seien rund um die Uhr zugänglich und teilweise mit hohen Bargeldsummen bestückt. „Das macht sie vor allem in Kommunen mit Autobahn- und Grenznähe zu attraktiven Angriffszielen für skrupellose Kriminelle.“

Fälle

Im Bereich des Polizeipräsidiums Pforzheim, das für die Kreise Calw, Enz, Freudenstadt und den Stadtkreis Pforzheim zuständig ist, haben sich im vergangenen Jahr fünfmal Kriminelle an Bankautomaten zu schaffen gemacht. In diesem Jahr gab es bereits vier Fälle – neben Eisingen in Eutingen, Neuenbürg und Pforzheim. In Eutingen handelte es sich um eine Sprengung, der Automat hielt jedoch stand. Auch er gehört der Volksbank pur. Deren Sprecher Marcus Gernsbeck meint, die Fälle reihen „sich ein in einen besorgniserregenden bundesweiten Trend: In ganz Deutschland wurden im vergangenen Jahr rund 500 Geldautomaten gesprengt – so viele wie noch nie. Zum Vergleich: 2021 waren es 381.“

Betroffen war auch die Sparkasse Pforzheim-Calw – erst im März gab es einen Einbruchsversuch am Automaten auf der Neuenbürger Wilhelmshöhe. Die Vereinigte Volksbanken eG ist laut Sprecher Matthias Haug bisher dagegen verschont geblieben. „Wir können keine Häufung feststellen“, berichtet er und zitiert dabei den Bereichsleiter Organisation, Siegfried Elsasser. Auch seien ihnen keine Einbruchs- oder Sprengversuche an Automaten im vergangenen Jahr sowie in jüngerer Zeit bekannt.

Sicherheit

Die Bank habe je nach Gefährdungseinschätzung Schutzmaßnahmen ergriffen, sagt Elsasser demnach: „Diese gehen von verstärkten Tresoren, Alarmierungssysteme über Vernebelungsanlagen, bis hin zu Schließung von SB-Bereichen über Nacht.“

Die stark betroffene Volksbank pur, die allerdings auch die größte Volksbank in Baden-Württemberg ist, arbeitet nach eigenen Angaben „eng mit der Polizei und dem Bundesverband der deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR) zusammen“. Zudem würden neue Sicherheitsvorkehrungen eingesetzt. „Allgemein kann man sagen: Geldautomaten der neuen Generationen sind zumeist dagegen geschützt, dass in den Automaten eingeleitetes Gas explodieren kann. Außerdem wird in der Branche darüber diskutiert, Systeme zu installieren, die das Geld im Fall von Sprengungen mit Farbe oder anderen Substanzen beschmieren und damit unbrauchbar machen“, erklärt Marcus Gernsbeck.

Schaden

"Die Täter erbeuteten Geldbeträge im niedrigen fünf- beziehungsweise sechsstelligen Eurobereich“, sagt Polizeisprecher Koch über die erfassten und gelungenen Versuche. Dazu kommt ein hoher Sachschaden – rund 50 000 Euro kostet ein Automat.

In allen „Fällen sind die Ermittlungen noch nicht abgeschlossen“. Immerhin: Am 22. Juni 2022 war es in Pforzheim-Brötzingen auch noch zu einem Banküberfall gekommen, bei dem eine niedrige vierstellige Summe erbeutet wurde. Dafür muss sich nun ein dringend Tatverdächtiger vor Gericht verantworten.

Die Eisinger Volksbank hat inzwischen wieder geöffnet – samt neuem Automaten.