Bei der Firma Schaeffler wird im September Kurzarbeit eingeführt. Foto: Wendling

Die schlechte konjunkturelle Lage macht sich bei der Lahrer Industrie bemerkbar. Ab September ist auch beim Schaeffler-Werk, dem größten Arbeitgeber der Stadt, Kurzarbeit vorgesehen.

Vor knapp einem Jahr hatte es bei Schaeffler noch besser ausgesehen. Als unsere Redaktion das Unternehmen im vorigen Herbst nach der Wirtschaftslage fragte, hieß es, dass man nicht klagen könne und für das Werk in Lahr sogar aktuell Fachkräfte suche. Doch die Situation hat sich grundlegend verändert.

 

„Die aktuellen wirtschaftlichen und geopolitischen Bedingungen beeinflussen die Auftragseingänge in verschiedenen Geschäftsbereichen der Sparte Bearings & Industrial Solutions“, teilt Schaeffler-Sprecher Marco Bosch unserer Redaktion mit. Man habe bereits Maßnahmen ergriffen, um sich an diese Veränderungen anzupassen, trotzdem seien die Aufträge in einigen Bereichen weiterhin gering. Deshalb sei ab September im Lahrer Werk Kurzarbeit geplant. Wie viele Beschäftigte davon betroffen sein werden, hat Schaeffler nicht mitgeteilt.

Der weltweit tätige Automobilzulieferer stellt in Lahr mit rund 1400 Mitarbeitern unter anderem Komponenten für Motor, Getriebe und Fahrwerk her. Die Sparte Bearings & Industrial Solutions, bei der es nun zu Einschnitten kommt, umfasst die Produktion von Wälz- und Gleitlagern, die im Motorraum, in Radaufhängungen, Lenksystemen, Pumpen, Bremsen, Pedalen und Sitzen verwendet werden. Aber die Autoindustrie schwächelt, deshalb sinkt die Nachfrage.

Immer mehr Menschen müssen auf einen Teil ihres Gehalts verzichten

Die Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage führt dazu, dass immer mehr Menschen auf einen Teil ihres Gehalts verzichten müssen. Denn die Kurzarbeit nimmt insgesamt zu, wie die Arbeitsagentur auf Nachfrage unserer Redaktion bestätigt. Demnach hatten mit Stand 9. August 120 Ortenauer Firmen für 3967 Arbeitnehmer Kurzarbeit angezeigt. Unter diesen 120 Betrieben waren 17 Unternehmen aus Lahr mit Anzeigen für 874 Arbeitnehmer. Zum Vergleich: Am 8. November 2023 hatten im Ortenaukreis 150 Firmen für 3931 Beschäftigte Kurzarbeit angezeigt. Für Lahr liegen von diesem Datum keine Zahlen vor.

Auf den ersten Blick ist der kreisweite Anstieg bei der Kurzarbeit von November 2023 bis heute nicht groß. Jedoch stammen die diesjährigen Zahlen aus dem August, einer Phase, in der zahlreiche Firmen ohnehin in Betriebsferien sind. Außerdem würden die Unternehmen im Sommer auch Zeitkonten abbauen und so flexibel auf Konjunkturschwankungen reagieren, sagt Theresia Denzer-Urschel, Vorsitzende der Geschäftsführung der Arbeitsagentur Offenburg, in einem Gespräch mit unserer Redaktion. Deshalb müsse man davon ausgehen, dass die Kurzarbeit nach den Sommerferien weiter zunehmen wird. Ihrer Ansicht nach könnte es aber schlimmer sein: „Die Inanspruchnahme der Kurzarbeit ist zwar im längerfristigen Vergleich erhöht, bewegt sich aber angesichts der angespannten wirtschaftlichen Lage nach wie vor auf einem moderaten Niveau“.

Tatsächlich gibt es auch gute Nachrichten aus der Lahrer Industrie. So war zum 1. August 2023 die Firma Grohe, mit 700 Mitarbeitern der sechstgrößte Arbeitgeber in Lahr, in Kurzarbeit gegangen. In der Zwischenzeit hat sich die Lage bei dem Hersteller von Bad- und Küchenarmaturen zum Besseren gewendet: Firmensprecher Tim Pelargus teilte unserer Redaktion auf Nachfrage mit, dass es bei Grohe in Lahr jetzt keine Kurzarbeit mehr gibt.

Es ist eine allgemeine Auftragsflaute

Im Vergleich zum Bundesdurchschnitt befinden sich im Südwesten aktuell doppelt so viele Beschäftigte in Kurzarbeit. Das berichtete die Gewerkschaft IG Metall vor wenigen Tagen. Der Anstieg im Südwesten sei vor allem auf die Probleme in den für das Land wichtigen Industriezweigen zurückzuführen. Beispielsweise hätten viele Maschinenbauer und Autozulieferer aktuell mit einer Auftragsflaute zu kämpfen, heißt es.