Mitglieder von "Forum Stadtbild Lahr" (von links): Alexander Hugenberg, Walter Caroli, Christian Stengler, Marlies Llombart, Heinz Kneile, Claus Vollmer und Hermann Burger. Foto: Schabel

Lahr - Eine Gruppe von Bürgern um Alexander Hugenberg, Inhaber des Palais Wunderlich, ist am Mittwoch mit Forderungen an die Stadtverwaltung, aber auch an Bauherren und Architekten an die Öffentlichkeit getreten. Die Lahrer, unter ihnen namhafte Ex-Stadträte, wünschen sich, dass große Anstrengungen unternommen werden, um das Stadtbild zu schützen.

Wer steht hinter der Initiative?

Neben Hugenberg waren beim Pressegespräch auch Kunsthistoriker Heinz Kneile, Sporttrainer Christian Stengler sowie die früheren Stadträte Walter Caroli, Claus Vollmer, Hermann Burger und Marlies Llombart zugegen. Die Gruppe, die sich "Forum Stadtbild Lahr" nennt, hat sich auf Einladung von Hugenberg vor rund einem Jahr zum ersten Mal getroffen. Ihr sollen rund ein Dutzend Bürger angehören, von denen einige sich aber lieber bedeckt halten wollen und am Mittwoch deshalb nicht dabei waren, wie zu hören war.

Was kritisiert die Gruppe?

Das Bild der Lahrer Altstadt habe sich über Jahrzehnte verschlechtert, hieß es. Dieser Negativ-Trend sei so weit fortgeschritten, dass jetzt dringend etwas dagegen getan werden müsse.

Welche konkreten Beispiele wurden genannt?

Aus den Reihen der Mitglieder war etwa Kritik an den aktuellen Neubauten am Marktplatz und in der Lammstraße zu hören, die nicht zur benachbarten Architektur passen würden. Die Wohnanlage am Goethebrunnen mit ihren 54 Wohnungen sei zu wuchtig geraten, hieß es. Außerdem wurden Sorgen laut, dass bei der Umgestaltung des Postareals etwas schieflaufen und etwa das historische Postgebäude abgerissen statt miteinbezogen werde. Kritisiert wurde auch die "Steinwüste Urteilsplatz". Ein weiterer Punkt, den Hugenberg in einem Thesenpapier vorgebracht hat, ist die Straßenbeleuchtung, von der es in Lahr zu viele unterschiedliche Arten gebe. So sei die Marktstraße ursprünglich mit Hängebeleuchtungen ausgestattet gewesen, die optisch unscheinbarer als die aktuellen Stahl- trägermasten gewesen seien. Hugenberg fordert, die Beleuchtung wenn möglich auszutauschen und neue Konzepte dafür zu entwickeln, die besser zum Stadtbild passen. Doch die Kritik der Gruppe reicht noch viel weiter, moniert wird zum Beispiel auch, dass es zu wenig Grün in der Innenstadt gibt und zu viele Flächen versiegelt werden, zuletzt etwa durch die Einebnung des Pflasters in der Oberen Marktstraße.

Was hat die Gruppe bisher unternommen?

Ausgangspunkt ihrer Überlegungen war die bis heute gültige Altstadtsatzung, die der Lahrer Gemeinderat 1981 verabschiedet hat. In der Präambel heißt es, die Satzung solle "die Gefahren abwehren, die dem historischen Stadtkern durch fortwährende bauliche Eingriffe drohen". Das sei aber nicht gelungen, findet die Gruppe. Deshalb hat sie einen Entwurf für eine neue Altstadtsatzung erarbeitet. Das 17-Seiten-Papier lag am Mittwoch auf dem Tisch.

Was sind die Forderungen?

Die Gruppe legte auch ein Thesenpapier vor, das nicht gerade wenige Vorschläge enthält. Etwa die Gründung eines Gestaltungsbeirats, der die Verwaltung beraten solle. In diesem Gremium sollen sich überregionale Fachleute versammeln. Weitere Forderungen beziehen sich auf mehr Grün in der Stadt, etwa durch die Neupflanzung von Bäumen sowie die Schaffung von finanziellen Anreizen für private Dach- und Fassadenbegrünungen. Wichtig ist der Gruppe auch die Verkehrsplanung. Ihrer Ansicht nach ist in großen Teilen der Stadt der Zuwachs an Pkw- und Lastwagenverkehr unerträglich geworden. Dann wünscht sie sich auch noch eine Personalaufstockung im städtischen Baudezernat. "Der Eindruck einer Unterbesetzung drängt sich schon heute auf, wird mit weiteren Aufgaben also noch verstärkt", heißt es in dem Thesenpapier.

Wie geht es weiter?

Man wolle die eigenen Positionen in die Gemeinderatsfraktionen tragen und auch das Gespräch mit der Stadt suchen, war zu hören. Der Wunsch aller Mitglieder ist es, dass die Verwaltung selbst eine Vorlage zum Schutz des Stadtbilds erarbeitet, mit der sich der Gemeinderat dann befassen wird. Vor allem wünscht sich die Gruppe, dass eine Diskussion in der Bevölkerung sowie ein Umdenken bei Bauherren und Architekten in Gang kommt.

Warum machen die Altstadträte mit?

"Wir sind kein elitärer Club von Besserwissern", sagte Caroli über die Gruppe. In seiner Zeit im Gemeinderat sei es ihm nicht gelungen, manche Fehlentwicklung zu stoppen, etwa den Abriss der Stadtmühle. Auch jetzt gehe es ihm darum, die historische Bausubstanz zu wahren, den "Flächenfraß" aufzuhalten und für mehr Grün in der Stadt einzutreten. Vollmer sagte, dass er seit seinem Ausscheiden aus dem Gemeinderat viel Zeit habe, sich in der Stadt umzusehen. Sie sei "in vielen Bereichen heruntergekommen", konkret nannte er die Kaiser- und Friedrichstraße. Es gehe darum, dass die Menschen sich wohlfühlen, betonte Burger, während Llombart die "wunderbare historische Bausubstanz" hervorhob, die es zu schützen gelte. Die Ex-Stadträte sagten, dass sie ihre Erfahrung einbringen und Impulse geben wollten, auch in die Fraktionen hinein. Die Initiative zur Gruppengründung sei aber nicht von ihnen ausgegangen, vielmehr seien sie um ihre Mitarbeit gebeten worden.

Stadtverwaltung weist Kritik zurück

Eine "kritische Entwertung" des Stadtbilds sei nicht eingetreten, erwidert die Stadt auf die Kritik der Gruppe "Forum Stadtbild Lahr". Man teile das Ziel, eine lebenswerte Innenstadt mit einer charakteristischen Altstadt zu erhalten, heißt es auf Nachfrage unserer Redaktion. Dabei habe man große Erfolge erzielt, so die Verwaltung, die die Umgestaltungen des Urteilsplatzes, des Schlossplatzes und des Museumsplatzes sowie "zahlreiche gelungene Gebäudesanierungen vor allem in der nördlichen Altstadt" nennt. Das pauschale Urteil, das Stadtbild habe sich über Jahrzehnte nachteilig verändert, weise man deshalb entschieden zurück, so die Verwaltung. Man gehe davon aus, das Thesenpapier zeitnah von der Gruppe zu erhalten, äußert sich die Stadtverwaltung.