In der zweiten Handball-Bundesliga muss ein Spiel nach Saisonende wiederholt werden. Tabellarisch ist der HBW nicht betroffen – wohl aber, falls es zu einer Liga-Aufstockung kommt.
Diese Saison der zweiten Handball-Bundesliga hatte alles: ein spannendes Rennen um den Aufstieg, einen unfassbar knappen Abstiegskampf – und jede Menge Gesprächsstoff durch Regelverstöße, die nicht geahndet wurden. In mehreren engen Spielen stand in dieser Saison ein Spieler zu viel auf dem Feld – das sorgte für Diskussionen in der gesamten Branche.
Nach dem finalen und extrem spannenden Spieltag kehrte bei den Vereinen zunächst so etwas wie Ruhe ein. Viele Akteure dürften wohl schon den Urlaub nach einer langen Saison genießen.
Doch am Donnerstag, nur wenige Tage nach dem denkwürdigen letzten Spieltag, wurde die Liga durch eine echte Hammer-Nachricht noch einmal ordentlich durchgeschüttelt. Das Bundesgericht des Deutschen Handballbundes (DHB) entschied, dass das Spiel zwischen dem TuSEM Essen (Tabellenplatz 16) und dem Dessau-Roßlauer HV 06 (Platz 10) nicht gewertet werden kann.
Gericht: Es lag ein „spielentscheidender Regelverstoß“ vor
Der Grund: Dessau-Roßlau hatte in den letzten drei Sekunden der Partie – von Schiedsrichtern und Kampfgericht unbemerkt – einen Spieler zu viel auf dem Feld und gewann schließlich mit 28:27. Essen legte fristgerecht Einspruch ein, da ein „spielentscheidender Regelverstoß“ vorlag.
Urteil könnte Abschlusstabelle auf den Kopf stellen
Das Bundesgericht des DHB folgte dieser Argumentation und ordnete eine Wiederholung des Spiels bis zum 30. Juni an. Eine Revision ist nicht möglich.
Pikant: Das Nachholspiel könnte die Tabelle der Liga auf den Kopf stellen. Denn ohne die zwei Punkte aus dem Auswärtssieg steht Dessau-Roßlau nun auf einem Abstiegsplatz – hinter dem ASV Hamm – und bräuchte mindestens einen Punkt gegen Essen, um den Klassenerhalt zu schaffen.
Doch wie soll dieses Spiel überhaupt stattfinden? Dessaus Trainer Uwe Jungandreas wurde am Wochenende emotional verabschiedet, viele Spieler befinden sich bereits im Urlaub. „Das ist ein Witz“, sagte Jungandreas gegenüber „Sport im Osten“. Sein Noch-Verein kündigte zudem an, rechtliche Schritte zu prüfen.
Ein mögliches Szenario wäre laut Berichten die Aufstockung der Liga auf 19 Teams. Das hätte wiederum Auswirkungen auf den HBW Balingen-Weilstetten, der als Tabellenvierter zwar nicht direkt betroffen ist, bei 19 Teams aber zwei zusätzliche Spiele absolvieren müsste. Nach Informationen des Portals „Handball-World“ ist eine solche Aufstockung für die Liga-Verantwortlichen jedoch keine Option.
So bewertet der HBW Balingen-Weilstetten die Situation
„Natürlich verfolgen wir die Entwicklung mit großem Interesse“, sagte HBW-Pressesprecher Heinrich Müller auf Anfrage unserer Redaktion. Und weiter: „Die gesamte Liga steht vor einer außergewöhnlichen Konstellation, wie es sie bislang nicht gegeben hat. Jetzt heißt es, den weiteren Verlauf abzuwarten.“
Man wolle sich daher zunächst auf die eigene Vorbereitung konzentrieren und abwarten, wie sich die Situation entwickle, so Müller.