Die besten Jugendfußballer Deutschlands messen sich seit dieser Saison in der DFB-Nachwuchsliga. Wir erklären die Reform und sprechen mit Nachwuchstrainern des Regionalligisten FC 08 Villingen über die Auswirkungen.
Die Heim-Europameisterschaft 2024 entwickelte sich zu einem kleinen Sommer-Märchen, doch sie kann nicht über die Probleme des deutschen Fußballs hinwegtäuschen. Länder wie Spanien, England und die Niederlande sind an Deutschland vorbeigezogen – insbesondere in Sachen Nachwuchsförderung.
Eine von DFB und DFL in Auftrag gegebene Studie unter dem Namen „Jugendfußball in Deutschland im internationalen Vergleich“ verdeutlicht die Probleme. 0,95 Profispieler auf eine Million Einwohner gibt es in Deutschland. Andere große Fußballnationen sind bei der Entwicklung von Profispielern demnach um ein vielfaches effektiver.
Die DFB-Nachwuchsliga
Der DFB versucht gegenzusteuern: Seit dieser Saison gibt es DFB-Nachwuchsligen der U19 und der U17. Für diese Ligen sind alle Vereine mit einem Leistungszentrum automatisch qualifiziert. Sie können nicht absteigen. Hinzu kommen elf Amateurvereine, die an der NLZ-Liga teilnehmen dürfen, sich aber sportlich qualifizieren müssen.
In der Saison 2024/25 besteht sowohl die U19-Liga als auch die U17-Liga aus acht Achtergruppen. Der DFB schreibt: „Die Erst- und Zweitplatzierten jeder Vorrundengruppe sowie die besten Gruppendritten qualifizieren sich für Liga A. Diese insgesamt 24 Klubs werden erneut auf vier Gruppen à sechs Teams verteilt.“ Nach zehn Spieltagen geht es mit 16 Teams in einer K.o.-Runde um die deutsche Meisterschaft.
Das neue Format hat das Ziel, Talenten mehr Spielzeit auf höchstmöglichem Niveau zu geben – aufgrund dessen sind sieben Spielerwechsel pro Partie erlaubt. Neu ist auch: Wenn ein Jugendspieler in ein Nachwuchsleistungszentrum kommt, soll es für die Amateurvereine künftig höhere Entschädigungen geben.
FC 08 Villingen
Durch diese Veränderungen haben es die A-Junioren des FC 08 Villingen in dieser Saison nicht mit dem SSV Ulm, dem SV Sandhausen und den Stuttgarter Kickers zu tun – so wie es im vorherigen Modus der Fall gewesen wäre. Außerdem besteht die A-Junioren-Oberliga nur noch aus zwölf statt wie bisher aus 14 Teams. Auch die Villinger B-Junioren gehen Duellen mit dem SSV Ulm und dem SV Sandhausen aus dem Weg.
Mike Duffner ist Cheftrainer der B-Junioren des FC 08 Villingen. Er meint: „Ich sehe die DFB-Nachwuchsliga sehr positiv. In die Bundesliga aufzusteigen, das ist für uns fast unmöglich, das gelang uns lediglich einmalig Anfang der 1990er-Jahre. Das Konzept ist das richtige, Länder wie England und die Niederlande machen es uns vor.“
Duffner ist für die Reform
Es mache wenig Sinn, dass starke Jahrgänge aufgrund der schwächeren Leistungen des vorherigen Jahrgangs in einer niedrigeren Liga spielen müssten. „Es entsteht somit bereits in der Jugend eine gewisse Transferpolitik, die der individuellen Entwicklung der Spieler nicht immer gut tut“, sagt Duffner. Die DFB-Nachwuchsliga könne helfen, den Fokus mehr auf die Entwicklung der Spieler und weniger auf die Ergebnisse zu richten.
Eine andere Meinung vertritt A-Junioren-Coach Mustafa Gürbüz: „Mir gefällt das eher nicht. Ich hätte gerne Leistungskämpfe gegen die Stuttgarter Kickers, den SSV Ulm und den SC Freiburg gehabt. Das macht die Liga attraktiv.“ Nun habe sich „einiges verschoben“.
Auch dass sein Team nun in einer kleineren Liga spielt, kritisiert Gürbüz: „Spiele sind auf jeden Fall wichtig, ich hätte lieber mehr. Dieser Wettkampf hilft uns zu sehen, wie gut wir sind. Er hilft uns auch bei unserem Ziel, jüngere Spieler auf den Herrenfußball vorzubereiten.“