Der Schwurgerichtssaal des Hechinger Landgerichts wurde unter anderem mit neuen Bildschirmen modernisiert. Foto: Landgericht Hechingen

Hier geht es buchstäblich auch um Mord und Totschlag: Das Schwurgericht des Hechinger Landgerichts ist eine öffentliche Institution von hohem Rang. Um hier gute Arbeitsbedingungen zu schaffen, wurde die Ausstattung verbessert.

Als “Meilenstein für das Landgericht und den Digital-Standort Hechingen“ bezeichnet der Präsident des Landgerichts, Florian Diekmann, den Abschluss der Arbeiten. Hechingen verfügt damit nun nach Angaben der Justiz über einen der modernsten Sitzungssäle in Baden-Württemberg.

 

Unter anderem wurde der Schwurgerichtssaal mit neuster Medientechnik ausgestattet. Die Arbeiten in dem historische Saal, in dem der Zuschauerbereich durch Scheiben vom Gerichtsbereich abgetrennt ist, eine komplexe Aufgabe, die sorgfältige Planung erforderte. Nun wurde die Anlage erstmals getestet, und „das Warten hat sich definitiv gelohnt!“, so Diekmann.

Nun ist der Schwurgerichtssaal mit vier Bildschirmen ausgestattet, zwei davon befinden sich an den beiden Seiten des Saals und damit für Angeklagte, Verteidiger und Staatsanwaltschaft gut im Blickfeld. Ein Bildschirm ist unterhalb der Richterbank verbaut, direkt im Blickfeld von Zeugen.

Mobile Monitore und eine bessere Akustik

Auf den Bildschirmen können Fotos, Filme oder sonstige Beweismittel gezeigt werden. Der vierte Monitor kann mobil nach Bedarf an verschiednen Stellen im Raum platziert werden. In der Regel wird er so aufgestellt, dass er vom Zuschauerbereich aus einsehbar ist.

Hinzu kommen drei Kameras an unterschiedlichen Positionen im Saal befinden, mit denen die Richter, Zeugen und andere Verfahrensbeteiligte gefilmt werden können.

Eine wesentliche Verbesserung für Zuschauer stellt auch die neue Mikrofonanlage dar, die vom Vorsitzenden gesteuert werden kann und durch die die Akustik im Saal deutlich verbessert wird. Nach dem aus Sicherheitsgründen erfolgten Einbau einer Glastrennwand zum Zuschauerbereich hin war dort die Verständlichkeit der Verhandlungen deutlich schlechter geworden.

Der Richter hat an seinem Platz Zugriff auf die zentrale Steuerung. Foto: Landgericht Hechingen

Die ganze Technik im Raum ist so vernetzt, dass an verschiedene Eingänge ins System Laptops anschließbar sind, durch die Dateien abgespielt werden können. Die Steuerung ist einfach. Es gibt auch eine neue Dokumentenkamera, die Schriftstücke und Bilder in Papierform live aufnehmen kann. Über eine Zoomfunktion können dabei auch Details von Bildern intensiv betrachtet werden.

Die neue Ausstattung hilft bei Mordprozessen

Eine weitere Möglichkeit der neuen Technik besteht darin, dass nun auch Videozeugenvernehmung mit Hilfe der Kameras und Bildschirme unkompliziert möglich sind.

Die Idee zu dem Projekt stammt dabei vom Leiter der Staatsanwaltschaft Hechingen, Jens Gruhl. Gemeinsam mit dem Landgericht wurde anschließend ermittelt, welche Anforderungen die neue Technik genau erfüllen soll. Auch die Leitung des IT-Referats im Ministerium der Justiz und für Migration war dabei eingebunden.

Auch die weiteren Verhandlungsräume des Landgerichtsbezirks Hechingen wurden mit neuer Medientechnik ausgestattet. Auch hier sind nun Zeugenvernehmungen per Kamera mit geringem technischen Aufwand möglich.

Das Hechinger Landgericht ist eines von 17 Landgerichten in Baden-Württemberg. Deutschlandweit gibt es insgesamt 116 Landgerichte. Teil davon ist in Hechingen das Schwurgericht, in dessen Verhandlungssaal auch schwerste Verbrechen bis hin zum Mord verhandelt werden.