Chiara Pfrommer aus Weltenschwann verbringt ein Jahr bei einer Gastfamilie im US-Staat Georgia. Was der 18-Jährigen an Land und Leuten so gut gefällt.
Bis vor Kurzem, da sah das Leben von Chiara Pfrommer noch ganz anders aus. Die 18-Jährige hat im Sommer ihr Abitur am Hermann-Hesse-Gymnasium abgelegt, und danach unter anderem ein Praktikum in unserer Redaktion absolviert. Und dann zog es die junge Weltenschwannerin in die große, weite Welt: Seit dem 5. Dezember lebt sie als Au-pair bei einer Gastfamilie im US-Bundesstaat Georgia.
„Es hat eigentlich alles damit angefangen, dass wir in der zehnten Klasse einen zweiwöchigen Austausch in die USA hatten von der Schule aus, und ich fand das ganze Land und die Lebensweise so cool und spannend, dass ich entschieden habe: Okay, ich möcht da für länger hin.“
Plötzlich wird sie zum Chauffeur der Kinder
Weil sie gerne mit Kindern zusammenarbeitet, entschied sie sich für einen Aufenthalt als Au-pair in einer Gastfamilie. Zumal sie gleichzeitig viel reisen könne. „Das ist eine Möglichkeit, um richtig viel zu sehen von den USA, und gleichzeitig nicht nur als Tourist da zu sein, sondern wirklich dieses typische, amerikanische Leben mitzuerleben.“
Im Fall von Chiara bedeutet das auch, richtig viel Auto zu fahren. Denn ihre Gastfamilie ist nicht nur „megacool“, sondern auch „riesengroß“: Neben den Eltern und zwei erwachsenen Töchter, die bereits studieren, gehören auch ein Vierjähriger, elfjährige Zwillinge und ein 14-Jähriger dazu.
Chiaras Aufgabe ist es, die Kinder zur Schule zu bringen, sie wieder abzuholen und dann nachmittags zu den jeweiligen Aktivitäten wie Theater oder Fußball spielen zu chauffieren. Lediglich beim jüngsten Sohn der Familie muss sie noch helfen, ihn anzuziehen, sie spielt mit ihm oder bringt ihn ins Bett.
Manches erinnert sie an Zuhause
„Im Großen und Ganzen“ hat sie sich gut eingelebt, erzählt die 18-Jährige. Auch wenn das Heimweh am Anfang heftig gewesen sei: Inzwischen kommt es nur noch in Phasen – vor allem, wenn es gerade nichts zu tun gibt oder sie ohne Pläne am Wochenende daheim sitzt. Plötzlich führen sie und ihre Freunde und Familie unterschiedliche Leben. „Es ist irgendwie komisch zu wissen, dass bei den anderen [in Calw] das Leben so weitergeht, während man selbst einfach hier ist.“
Manches indes erinnert sie an Zuhause. Chiaras Gastfamiile lebt etwa 40 Minuten von Atlanta entfernt, in einer Stadt namens Newnan. Da sei es relativ beschaulich. „Manchmal erinnert es mich ein bisschen an Calw“, erzählt die 18-Jährige – auch wenn es natürlich kein Fachwerk gebe. Aber für amerikanische Verhältnisse habe Newnan eine süße, kleine Altstadt. Sie wohnt mit ihrer Familie etwas außerhalb. Die Wohnstraßen dort seien wie „so kleine Ortschaften, Weltenschwann-Größe würde ich fast sagen“, und rundherum ist Wald.
Den 25. Dezember verbringt sie im Pyjama
Überhaupt ist es die vielfältige Landschaft, die sie an den USA so mag, es gebe so viel zu entdecken. So will sie auf jeden Fall die Westküste mit San Francisco und Los Angeles erkunden. Den Hollywood-Schriftzug in echt zu sehen, das steht ganz oben auf ihrer „Bucket List“. „Aber ich möcht auch unbedingt nach New York.“ Und wenn möglich nach Colorado zum Skifahren, auch Alaska würde Chiara Pfrommer „unglaublich gern sehen“. Zeit genug bleibt: Noch bis 3.Dezember bleibt sie bei ihrer Gastfamilie und hängt anschließend einen Reisemonat dran.
Den ein oder anderen Trip hat sie bereits gemacht. Etwa eine Kreuzfahrt, die die Gasteltern der ganzen Familie samt Au-pair zu Weihnachten geschenkt hatten. Da ging es Mitte Januar nach Florida und von dort aus mit dem Schiff auf die Bahamas. „Das war richtig cool.“ Da sei sie auch enger mit der Familie zusammengewachsen.
Apropos Weihnachten. Das „war anders, aber gar nicht so anders wie ich erwartet hätte“. An Heiligabend ging es in die Kirche. „So wie ich es zu Hause auch gemacht hätte.“ Die Bescherung indes fand erst am 25. Dezember statt. Den Tag verbrachten alle miteinander in passenden Pyjamas – „das war schon richtig, richtig cool.“
Aber nicht nur solche besonderen Feste empfindet sie als besonders, sondern auch ihren Alltag. Die erste Ballettstunde in ihrem neuen Studio etwa erlebte sie als „mega“. Plötzlich tanzt Chiara nicht mehr in der Hesse-Stadt, sondern in den USA. Und sie erlebt die Menschen als sehr freundlich. Was schnell als Oberflächlichkeit abgetan wird, das führt gleichzeitig dazu, dass sie mit allen schnell ins Gespräch kommt.
Manches vermisst die junge Frau aber natürlich. Vor allem ihre Freunde und Familie. Und Brezeln und Schokolade. Bagel seien zwar nicht schlecht – aber mit dem schwäbischen Klassiker sind sie nicht zu vergleichen.